"Weltkriegsgipfel" in Frankreich : Macron fordert europäische Armee – Trump: "sehr beleidigend"

Präsident Donald Trump winkt, als er am Flughafen Orly bei Paris ankommt.
Präsident Donald Trump winkt, als er am Flughafen Orly bei Paris ankommt.

Unmittelbar nach der Landung der Air Force One attackiert der US-Präsident einen jüngsten Vorstoß von Emmanuel Macron.

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09. November 2018, 23:37 Uhr

Paris | Kurz nach seinem Eintreffen in Frankreich verurteilte US-Präsident Trump in einem Tweet die jüngsten Armee-Pläne des Gastgebers. "Frankreichs Präsident Macron hat gerade vorgeschlagen, dass Europa sein eigenes Militär aufbaut, um sich vor den USA, China und Russland zu schützen", schrieb Trump auf Twitter. "Sehr beleidigend, aber vielleicht sollte Europa erst einmal seinen fairen Anteil an den Kosten der Nato bezahlen, welche die USA in hohem Maße subventionieren", schob er scharf nach.

Am Dienstag hatte der französische Präsident Macron in einem Radio-Interview gesagt, ohne eine "wahre europäische Armee" könnten sich die Europäer nicht verteidigen. Europa müsse sich gegenüber Russland militärisch wappnen und sich nicht nur auf die USA verlassen.

Macron warnt vor "autoritären Mächten"

Seit fast 20 Jahren wird immer wieder über die Bildung einer europäischen Armee diskutiert. Macron hatte bereits in seiner Sorbonne-Rede im September 2017 eine gemeinsame Einsatztruppe und einen gemeinsamen Verteidigungshaushalt der Europäer zu Beginn des kommenden Jahrzehnts gefordert.

Der 40-Jährige begründete seine Forderung jüngst erneut mit der Warnung vor "autoritären Mächten, die an den Grenzen Europas aufsteigen und die sich wieder bewaffnen". Europa müsse sich verteidigen "mit Blick auf China, auf Russland und sogar auf die USA."

Man wird die Europäer nicht schützen, wenn man nicht entscheidet, eine wahre europäische Armee zu haben gegenüber Russland, das an unseren Grenzen liegt und gezeigt hat, dass es bedrohlich sein kann.

Emmanuel Macron, im Interview mit Europe 1

Die Bundesregierung und die EU-Kommission reagierten bislang zurückhaltend auf den Vorstoß des französischen Präsidenten. Die AfD ist dagegen und argumentiert ähnlich wie Trump: "Eine europäische Armee ist überflüssig, da wir bereits Mitglied in einem funktionierenden Verteidigungsbündnis, der Nato, sind", sagte AfD-Bundessprecher Georg Pazderski.

Trump hat allerdings angekündigt, aus einem wichtigen Abrüstungsvertrag aussteigen zu wollen. Der INF-Vertrag zwischen den USA und Russland aus dem Jahr 1987 verbietet beiden Parteien den Bau und den Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Marschflugkörper und Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Macron sieht darin eine Gefahr für Europa: "Wer ist das Hauptopfer?", fragte Macron im Radio und gab selbst die Antwort: "Europa und seine Sicherheit."

Lediglich Vorstufe einer europäischen Armee geplant

Im vergangenen Juni hatten sich Frankreich, Deutschland, Großbritannien und sechs weitere EU-Staaten auf eine engere Militärkooperation verständigt. Die sogenannte Interventionsinitiative soll über eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen den Generalstäben zu einer schnelleren militärischen Reaktion in Krisenlagen führen. Eine Interventionstruppe ist damit aber zunächst nicht verbunden.

Rund 60 Staats- und Regierungschefs werden am Wochenende in Paris erwartet, um dem 100. Jahrestag nach Ende des Ersten Weltkrieges zu gedenken. Unter ihnen sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Präsidenten Russlands und der USA, Wladimir Putin und Donald Trump. Aus Brüssel wird laut Diplomaten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker anreisen, aus der Türkei wird Staatschef Recep Tayyip Erdogan an der Seine erwartet.

(Mit dpa)

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