"Todeslisten" und Leichensäcke : "Nordkreuz"-Gruppe soll weitere Morde vorbereitet haben

svz+ Logo
25.000 Namen stehen auf einer mutmaßlichen Feindesliste von Rechtsextremisten.
25.000 Namen stehen auf einer mutmaßlichen Feindesliste von Rechtsextremisten.

Nach dem Mord an Walter Lübcke werden weitere Ermittlungsdetails über die Preppergruppe "Nordkreuz" bekannt.

Exklusiv für
SVZ+ Nutzer
svz+ Logo

von
28. Juni 2019, 10:22 Uhr

Berlin/Schwerin | Die Preppergruppe "Nordkreuz" in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg soll einem Medienbericht zufolge weitere Angriffe auf politische Gegner detailliert vorbereitet haben. Wie unsere Redaktion bereits vor wenigen Wochen berichtet hatte, führte die Preppergruppe mutmaßliche "Todeslisten" mit persönlichen Daten zu Kommunalpolitikern des linken Spektrums. Das "Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)" will nun aus Kreisen des Verfassungsschutzes erfahren haben, dass "Nordkreuz" zudem rund 200 Leichensäcke und Ätzkalk besorgen wollte.

Eine derartige Materialliste mit "Bestelladressen, Kontakten und Wohnungsbeziehungen" habe der deutsche Geheimdienst dem Bundestag vor wenigen Wochen zukommen lassen. Es handele sich dem Bericht zufolge um drei handgeschriebene Seiten von Mitgliedern der Vereinigung.

Ihr sollen mehr als 30 sogenannte "Prepper" angehören, die sich auf den "Tag X" vorbereiten, an dem sie im Falle einer Staatskrise die Macht ergreifen und Gegner töten. Einige Mitglieder stammen aus dem Umfeld von Polizei und Militär, alle hätten Zugang zu Waffen und Munition. Drei ehemalige Mitglieder und ein aktiver Beamter des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Mecklenburg-Vorpommern wurden festgenommen, weil sie laut der Staatsanwaltschaft dem Netzwerk seit 2012 illegal Munition aus dem Landeskriminalamt beschafften.

Ermittlungen gegen "Nordkreuz"-Prepper seit 2017

Seit knapp zwei Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen "Nordkreuz"-Mitglieder wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Die Staatsanwaltschaft Schwerin untersucht zudem die mögliche Verstrickung einzelner Mitarbeiter beim Spezialeinsatzkommando und dem Landeskriminalamt mit der Gruppe.

Die "Nordkreuz"-Mitglieder sollen dem "RND" zufolge mögliche Zielpersonen in ihrer Wohnregion auf in der Szene verbreiteten "Todeslisten" vermerkt haben. Die gesammelten Namen stammten überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern mit den Schwerpunkten Wismar, Ludwigslust und Schwerin sowie aus der Region Perleberg und Pritzwalk im Norden Brandenburgs.

Potenzielle Zielpersonen vorgeladen

Hinter den Namen standen, wie unsere Redaktion von der Polizei erfuhr, handschriftliche Notizen wie "hat geheiratet" oder "Job gewechselt, arbeitet jetzt...". Die meisten Betroffenen sind Mitglieder der Grünen, der SPD und der Linken.

Das Bundeskriminalamt stuft die Bedrohung jedoch als nicht so gefährlich ein, dass alle insgesamt 25.000 Menschen auf den Listen davon informiert werden. Wie unsere Redaktion berichtete, waren Mitte Juni in diesem Zusammenhang jedoch 29 Personen aus Rostock und Umgebung als Zeugen vorgeladen worden. Sie sollen in diesen Tagen vernommen werden.

Mehr zum Thema

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert