Göttinger Literaturherbst : Linke Demonstranten verhindern Lesung von Thomas de Maizière

Aktivisten blockieren den Haupteingang des Alten Rathauses.
Aktivisten blockieren den Haupteingang des Alten Rathauses.

Thomas de Maizière will aus seinem neuen Buch lesen. Doch die Zuhörer müssen draußen bleiben.

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22. Oktober 2019, 16:37 Uhr

Göttingen | Linke Aktivisten haben beim Göttinger Literaturherbst eine Lesung des früheren Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) verhindert. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, beteiligten sich knapp 100 Demonstranten an der unangemeldeten Aktion. Rund 300 Zuhörern blieb der Zutritt zu der ausverkauften Veranstaltung verwehrt.

Festivalleiter verärgert

Der Geschäftsführer des Literaturherbstes, Johannes-Peter Herberhold, wurde nach eigenen Angaben von Demonstranten attackiert. Dabei seien Teile seiner Kleidung zerrissen worden. Verletzte gab es nach Angaben der Polizei nicht.

Wer den Dialog über politische Themen verhindert und verweigert, stellt sich selbst ins Aus. Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Lesefestivals


Der Festivalleiter zeigte sich verärgert über die Blockade: "Eine solche Aktion hat es gegen Autorinnen und Autoren unseres Festivals seit Beginn des Göttinger Literaturherbstes noch nicht gegeben", sagte Herberhold am Dienstag. "Wer den Dialog über politische Themen verhindert und verweigert, stellt sich selbst ins Aus."

De Maizière wollte beim Literaturherbst aus seinem Buch "Regieren" lesen und anschließend mit den Zuhörern diskutieren. Von dem früheren Innen- und Verteidigungsminister gab es zu dem Vorfall zunächst keine Stellungnahme.

Der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) wollte im Alten Rathaus aus seinem Buch 'Regieren' lesen und wurde von Demonstranten gestört. Foto: dpa/Stefan Rampfel
Der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU) wollte im Alten Rathaus aus seinem Buch "Regieren" lesen und wurde von Demonstranten gestört. Foto: dpa/Stefan Rampfel


Die Teilnehmer der Blockade-Aktion hätten jede Kommunikation mit der Polizei abgelehnt, sagte eine Polizeisprecherin. Auch bei einer Zwangsräumung hätte die Lesung nicht mehr termingerecht beginnen können. Erst nach der Absage hätten die Blockierer das Rathaus und den Marktplatz verlassen. Die Polizei habe strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet.

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Der Göttinger Literaturherbst, bei dem noch bis zum 28. Oktober zahlreiche prominente Autoren auftreten, ist mit 80 Veranstaltungen eines der größten Lese-Festivals Europa.

De Maizière sei mitverantwortlich für Türkeiabkommen

Die Blockade der Lesung de Maizières sei ein Protest gegen den Angriff der Türkei auf Nordsyrien, erklärte die Gruppe "Basisdemokratische Linke" in einer Pressemitteilung. De Maizière, der von 2013 bis 2018 Innenminister war, sei mitverantwortlich für das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, das "zu einer beispiellos zahnlosen Haltung der Bundesregierung" gegenüber Ankara führe.

Die Göttinger Fridays-for-Future-Gruppierung befürwortete die Aktion. De Maizière sei für rassistische Politik verantwortlich, werfen sie ihm auf Twitter vor:

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Altmeier: "Unerhörte Missachtung von Recht und Person"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) verurteilte die Aktion als "nicht hinnehmbar" und "Bärendienst an der Demokratie."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte: "Die Blockade in Göttingen durch die Antifaschistische Linke ist eine unerhörte Missachtung von Recht und Person, die wir nicht hinnehmen dürfen!"

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Der Literaturherbst will die de Maizières Lesung kurzfristig am gleichen Ort nachholen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

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