Austritt von 20.000 Tonnen Diesel : Leck in Kraftwerk: Wladimir Putin bittet Unternehmen zur Kasse

Tausende Tonnen an Diesel sind bereits in die Natur gelangt.
Tausende Tonnen an Diesel sind bereits in die Natur gelangt.

Für die Arktis könnte es zur Katastrophe werden: Rund 20.000 Tonnen Diesel sind in Nord-Russland in die Natur gelangt.

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05. Juni 2020, 20:28 Uhr

Norilsk | Nach dem massiven Ölleck am Nordpolarmeer will Kremlchef Wladimir Putin den verantwortlichen Konzern Nornickel für die riesigen Umweltschäden zahlen lassen. "Das Unternehmen ist bereit, alle Kosten für die Arbeiten zu übernehmen – und das ist absolut richtig", sagte der russische Präsident am Freitag bei einer Lagebesprechung in Moskau. Allein die Aufräumarbeiten werden dem Unternehmen zufolge mehr als 10 Milliarden Rubel (128,3 Millionen Euro) kosten. Mehr als 21.000 Tonnen Dieselöl waren aus einem Kraftwerk des Nickelproduzenten ausgelaufen, der auch unter dem Namen Norilsk Nickel bekannt ist. Aktivisten warnen vor einer Umweltkatastrophe für die Arktis.

Kein Geld aus Staatskasse

Nornickel-Chef Wladimir Potanin betonte, sein Unternehmen werde auch für die Umweltschäden zur Gänze aufkommen. "Wir wollen die beste Technologie nutzen und die optimalen und nicht die billigsten Lösungen finden", sagte er. "Kein einziger Rubel aus dem Staatsetat wird eingesetzt." Nornickel ist einer der weltgrößten Nickelproduzenten und zählt zu den größten Unternehmen des Landes. Der Oligarch Potanin ist nach einem Ranking des Wirtschaftsblatts Forbes der reichste Russe.

5000 Tonnen versickern im Boden

Das Werk liegt nahe der Industriestadt Norilsk im Norden Russlands. Dort war nach ersten Ermittlungen ein Tank beschädigt worden, weil Stützpfeiler im Boden absackten. Der Brennstoff gelangte zum größten Teil in die umliegenden Gewässer, besonders der Fluss Ambarnaja ist betroffen. Rund 5000 Tonnen Diesel sollen im Boden versickert sein. Der Fluss mündet in die Karasee, die Teil des Großen Arktischen Schutzgebietes, eines Naturreservats, ist. Putin hatte wegen des Unglücks den Notstand ausgerufen. Der Kraftwerksleiter wurde festgenommen; die Generalstaatsanwaltschaft leitete Untersuchungen ein.

Droht ein zweites "Exxon Valdez"?

Umweltschützer von Greenpeace verglichen das Unglück mit dem leckgeschlagenen Erdöltanker "Exxon Valdez", der 1989 vor Alaska fast 40.000 Tonnen Rohöl verlor. Damals verendeten 250.000 Seevögel, zudem sollen im verseuchten Wasser etliche Tiere gestorben sein. Russische Experten betonten, dass das Ökosystem am Polarmeer Jahrzehnte brauchen könnte, um sich zu erholen.

Arbeiten könnten noch zwei Wochen andauern

Russische Behörden versuchen seit Tagen, eine größere Umweltkatastrophe zu verhindern. Am Donnerstag seien mehr als 50 Tonnen Diesel aus einem Fluss in der Nähe abgepumpt worden, teilten sie mit. Mittlerweile arbeiten demnach fast 500 Spezialisten vor Ort. Sie trugen großflächig verunreinigten Boden rund um das Kraftwerk ab und pumpten mehr als 300 Tonnen Brennstoff ab. Diese Arbeiten könnten noch mindestens zwei Wochen dauern, hieß es.

Mehr als 21.000 Tonnen Dieselöl waren aus einem Kraftwerk des Nickelproduzenten ausgelaufen.
imago images/ITAR-TASS
Mehr als 21.000 Tonnen Dieselöl waren aus einem Kraftwerk des Nickelproduzenten ausgelaufen.


Kremlchef Putin ordnete an, "sorgfältig und absolut kompromisslos" bei der Aufarbeitung des Falls vorzugehen. Im ganzen Land sollten Tankbehälter ähnlicher Kraftwerke auf die Sicherheit untersucht werden. Zudem wies er darauf hin, das Naturschutzgesetz entsprechend zu ändern, "um ähnliche Situationen zu vermeiden". Putin hatte den Konzern und die Behörden scharf kritisiert, ihn nicht schnell genug über das Unglück informiert und zaghaft gehandelt zu haben. Man habe erst über Videos aus dem Internet und den Medien von dem Fall erfahren, hieß es.

Droht ein Fischsterben?

Mit Ölsperren und Baumstämmen in den Flüssen soll verhindert werden, dass noch mehr Diesel in die Karasee fließt. Einige Politiker schlugen auch vor, den ausgetretenen Brennstoff zu verbrennen. Die Umweltaufsicht schloss diese Methode jedoch bereits aus. Die Organisation WWF sprach zwar von ersten Erfolgen bei den Aufräumarbeiten. Größere Umweltschäden seien aber nicht mehr zu verhindern. Befürchtet wird etwa ein Fischsterben.

Größter Unfall dieser Art

Nach Angaben von Umweltschützer ist es der erste größere Unfall dieser Art am Nordpolarmeer. Nornickel sieht einen Grund für das Unglück im Auftauen des Permafrostbodens. Deswegen seien die Stützen abgesackt. Experten warnen seit langem davor, dass mit steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels der Permafrostboden auftaut und in der Folge Infrastruktur zerstört werden kann.

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