Unternehmen zur Wahl in Bayern : Kein Kreuz bei der AfD? Mitarbeiter sollen "demokratisch" wählen

Die Umfragen sehen die AfD in Bayern bei mindestens zehn Prozent. Foto: imago/Ralph Peters
Die Umfragen sehen die AfD in Bayern bei mindestens zehn Prozent. Foto: imago/Ralph Peters

Mit Blick auf die Wahl am Sonntag betonen mehrere Konzerne ihre "Kultur der Offenheit und Akzeptanz".

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12. Oktober 2018, 14:51 Uhr

München | Am Sonntag wählt Bayern einen neuen Landtag.Erstmals könnte die AfD Sitze im Landesparlament ergattern und bei den politischen Entscheidungen im Freistaat mitmischen. In der Wirtschaft stößt die Vorstellung offenbar auf Ablehnung. Das legen interne Mitteilungen aus zwei Unternehmen an ihre Belegschaften nahe. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitiert aus einer internen Mail, die der Geschäftsführer Hubert Barth von der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) an seine Mitarbeiter verschickt haben soll.

Darin ruft Barth "alle Kolleginnen und Kollegen auf, von Ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, um die demokratischen und rechtsstaatlichen Kräfte in unserem Land zu stärken". Es gebe "viele demokratische Errungenschaften, auf die wir zu Recht stolz sind", die nun infrage gestellt würden. Auch wenn der Manager die AfD nicht explizit nennt, liest es sich wie ein Seitenhieb gegen die rechtspopulistische Partei. Das Unternehmen hat zwei Niederlassungen in Bayern und nach eigenen Angaben insgesamt rund 10.000 Angestellte.

Vor ein paar Tagen war bekannt geworden, dass der Flugzeugzulieferer MTU mit Sitz in München in einem Brief an die Mitarbeiter gegen die AfD wirbt: "Abschottung auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene bringt keinerlei Fortschritt", schrieb das Management.

Unternehmen betonen ihre Diversität – welche die AfD ablehnt

Auch der Technologiekonzern Siemens betonte auf Nachfrage die Vorzüge der Rechtsstaatlichkeit und Internationalität, die Unternehmen in Deutschland einen Standortvorteil verschafften. Einen derartigen Wahlaufruf, wie bei den anderen beiden Unternehmen habe es bei Siemens aber nicht gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher unserer Redaktion: "Unsere Mitarbeiter sind mündige Bürger, deren Recht zur freien Wahlentscheidung wir nicht beeinflussen wollen und werden."

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Allerdings stehe der weltweit agierende Siemens-Konzern, der auch in Deutschland "Mitarbeiter unterschiedlichster Herkunft" beschäftige, "ganz klar und deutlich zu den Prinzipien der Diversität und einer Kultur der Offenheit und Akzeptanz." Diese Position vertrete der Konzern sowohl intern als auch nach außen.

So hatte Vorstandschef Joe Kaeser im Mai mit einer deutlichen Abgrenzung zur AfD auf Twitter polarisiert. Kaeser verurteilte eine diskriminierende Aussage der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel, worauf ihn viele AfD-Anhänger beschimpften. Doch Kaeser betonte weiterhin seine Position gegen Ausgrenzung, Intoleranz und Rassenhass.

Dass sich Unternehmer in die politische Debatte einmischen, die sie thematisch nur am Rande tangiert, ist selten. Dass Unternehmen ihrer Belegschaft politische Empfehlungen abgeben, auch. So wundert es nicht, dass die jüngsten Aufrufe die AfD verärgern. Der stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Baden-Württemberg, Martin Hess, kritisierte die Unternehmen auf Twitter und schob das Ganze auf eine "zweifelhafte Verbindung von Politik & Lobbyismus".

Nach einer aktuellen Prognose kommt die regierende CSU auf 34 Prozent. Die AfD käme auf zehn Prozent der Stimmen:

 
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