Kommentar : Kolonialismus: damals Unrecht - und heute?

Rassismus und Romantik: Dieses Plakat warb in der Kaiserzeit für eine zeitgenössische Ausstellung über die deutschen Kolonien. Samoa gehörte von 1900 bis 1919 zum Deutschen Reich. Foto: Ewert/DHM
Rassismus und Romantik: Dieses Plakat warb in der Kaiserzeit für eine zeitgenössische Ausstellung über die deutschen Kolonien. Samoa gehörte von 1900 bis 1919 zum Deutschen Reich. Foto: Ewert/DHM

Bund und Länder haben Eckpunkte zum Umgang mit kulturellen Gütern aus der Kolonialzeit entwickelt, der Bundestag behandelt die Frage der Wiedergutmachtung von Gewalt aus damaliger Zeit. Aber wie sieht es aus mit Lehren für die Gegenwart? Ein Kommentar.

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22. März 2019, 13:55 Uhr

Schwerin | Es bewegt sich etwas im Umgang mit dem Kolonialismus. Der deutsche Völkermord im Südwesten Afrikas ist inzwischen als solcher allgemein benannt und bekannt. Geraubte oder herabwürdigende Ausstellungsstücke in Museen werden auf Wunsch zurückgegeben oder nicht mehr gezeigt. Auch christliche Mission gilt längst nicht mehr als heilsbringende Hilfe. Sie war ebenso rassistisch und übergriffig wie ein materiell oder machtpolitisch getriebener Imperialismus.

Nicht der Ursprung

Mit einer übertriebenen Kasteiung ist allerdings keinem geholfen. Zahlreiche damalige Akteure – Kaufleute, Soldaten, Entdecker, Geistliche – waren im zeittypischen Denken gefangen. Rassismus und Ausbeutung waren Teil ihres Wirkens, aber nicht dessen Ursprung. Eine entdeckerische, wirtschaftliche oder auch wissenschaftliche Leistung der damaligen Zeit darf deshalb auch heute noch wertgeschätzt werden, sofern die Begleitumstände korrekt beschrieben werden.

Historische Vorgänge – auch und gerade historische Schuld – sind zudem im völkerrechtlichen Rahmen zu sehen. Was in einem Krieg geschieht, lässt sich niemals eins zu eins kompensieren, sondern letztlich nur politisch und gesellschaftlich heilen. Eine Gerechtigkeit in jedem Einzelfall wird es nicht geben. Sie zu verlangen ist Utopie.

Heute ohne Überheblichkeit?

Umso wichtiger bleibt, aus Grausamkeiten der Geschichte Schlussfolgerungen für die Gegenwart zu ziehen. Will in diesem Fall heißen: Ist der heutige Blick auf andere Kulturen frei von damaliger Überheblichkeit? Wie sieht es aus mit der Bewertung des Islams, der Türken oder zunehmend wieder der Russen? Stereotype sollten hier keinen Platz haben. Wenn sie heute für damals als falsch erkannt werden, sollten sie in der Gegenwart umso weniger Platz haben.

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