Kohlegegner und "Fridays for Future" : Klimaproteste in NRW: Räumung im Tagebau Garzweiler beendet

Polizisten versuchen, Aktivisten am Betreten des Tagebau Garzweiler zu hindern. Die Proteste für mehr Klimaschutz im Rheinland gehen weiter.
Polizisten versuchen, Aktivisten am Betreten des Tagebau Garzweiler zu hindern. Die Proteste für mehr Klimaschutz im Rheinland gehen weiter.

Im Rheinischen Revier gehen am Sonnabend die Klimaproteste weiter. Braunkohle-Gegner halten eine Bahnstrecke besetzt.

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23. Juni 2019, 13:46 Uhr

Grevenbroich/Erkelenz | Die Polizei hat am Sonntagmorgen nach eigenen Angaben die Räumung des Braunkohletagebaus Garzweiler beendet. Alle Demonstranten, die das Gelände am Samstag gestürmt hatten, seien mittlerweile herausgetragen worden oder freiwillig gegangen, sagte eine Sprecherin der Polizei Aachen. Eine Sprecherin der Organisation Ende Gelände sagte dagegen, an schwer zugänglichen Stellen im Tagebaugelände hielten sich noch Demonstranten auf, ihre Zahl liege im "niedrigen zweistelligen Bereich".

Verletzte Polizisten und Demonstranten

Auch auf Seiten der Demonstranten gab es laut der Sprecherin von Ende Gelände mehrere Verletzte, die ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Die Polizei habe Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, "das war schon sehr unschön".

Mehrere hundert Aktivisten hatten sich am frühen Samstagnachmittag Zutritt zu dem Gelände verschafft. Laut Polizei wurden dabei mindestens acht Polizisten verletzt. Die Klimaschützer drangen laut Ende Gelände in den Tagebau Garzweiler vor und brachten dort Bagger zum Stillstand. Darüber hinaus blockierten Aktivisten Bahnstrecken für den Kohletransport.

Die Gleise zwischen den Kraftwerken Neurath und Niederaussem waren nach Polizeiangaben am Sonntagmorgen noch blockiert. Die Blockade der Hambach-Bahn sei inzwischen aber beendet, sagte eine Polizeisprecherin.

Zur Zahl der festgesetzten Aktivisten beim Einsatz auf den Tagebaugelände machte die Polizei auch am Sonntagmorgen keine Angaben. Das Aktions-Bündnis "Ende Gelände" twitterte am Morgen, dass "größere Mengen Aktivist*innen freigelassen" freigelassen würden.

Acht verletzte Polizisten

Die Einsatzkräfte stießen am Samstag und in der Nacht zum Sonntag beim Versuch der Räumung auf massiven Widerstand der Demonstranten. Dabei seien nach einer Zwischenbilanz der Behörden acht Polizistinnen und Polizisten verletzt worden. Angaben über mögliche verletzte Demonstranten gab es nicht. "Ende Gelände" warf der Polizei via Twitter vor, Menschen seit Stunden festzuhalten und weder mit Essen noch mit Trinken zu versorgen. Die Polizei widersprach dem auf dem eigenen Twitter-Account.

Friedliche Demos von Fridays for Future

Während Tausende Teilnehmer der Fridays-For-Future-Bewegung, die erstmals an einem Samstag zusammenkommt, friedlich demonstrieren, legt es das Bündnis "Ende Gelände" am Samstagnachmittag auf die Konfrontation an. Man werde die Polizeiketten jetzt "durchfließen", heißt es auf dem Twitter-Account der Aktivisten schon am Mittag.

Die Aktivisten wurden von der Polizei eingekreist. Foto: AFP/INA FASSBENDER
Die Aktivisten wurden von der Polizei eingekreist. Foto: AFP/INA FASSBENDER

Pfefferspray gegen "unglaublich Leichtsinnige"

Wenig später brechen an verschiedenen Stellen Menschen durch die Polizeiketten. Die Behörden melden kurz darauf erste Verletzte, ohne Zahlen zu nennen. Die Gewerkschaft der Polizei, die selbst mit einer Abordnung am Ort ist, spricht am Nachmittag von mindestens zwei verletzten Polizisten. Die Polizei benutzt ihrerseits Pfefferspray, um Aktivisten zu stoppen.

Am Ende eines heißen Nachmittags waren nach Angaben der Aktivisten-Sprecherin 1000 Aktivisten im Tagebau. "Die Deutungshoheit überlassen wir "Ende Gelände"", kommentierte eine Polizeisprecherin diese Zahl.

"Ende Gelände" prangert via Twitter "Polizeigewalt" an. Der NRW-Chef der GdP, Michael Mertens, spricht von einem "unglaublichen Leichtsinn" der Aktivisten. Die Abbaukanten im Tagebau seien auch deshalb so gefährlich, weil man oben oft gar nicht sehe, wenn darunter gar kein Grund mehr sei. "Da können Sie 40 Meter tief stürzen", so Mertens zur Deutschen Presse-Agentur. Er prophezeite einen "langen Tag" für die Polizei, da das Eindringen in den Tagebau wohl keine Einzelaktion bleiben werde. Mertens lobte gleichzeitig die friedliche Demo der Fridays-For-Future-Teilnehmer.

Dem Protestmarsch der Schüler-Bewegung hatten sich am Samstagvormittag auch Familien und ältere Menschen angeschlossen. Sie machten sich am Tagebau entlang auf den Weg in das Dorf Keyenberg - eines der letzten Dörfer im Rheinischen Revier, die für einen Tagebau abgebaggert werden sollen.

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"Alle sind gegen Kohle, außer Peter, der gräbt noch einen Meter" hieß es auf dem Plakat eines Teilnehmers, das Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte. Die Organisatoren sprachen von 8000 Teilnehmern bei den störungsfreien Aktionen.

Protest-Plakat gegen Peter Altmaier: 'Alle sind gegen Kohle, außer Peter, der gräbt noch 'nen Meter'. Foto: dpa/Federico Gambarini
dpa/Federico Gambarini
Protest-Plakat gegen Peter Altmaier: "Alle sind gegen Kohle, außer Peter, der gräbt noch 'nen Meter". Foto: dpa/Federico Gambarini

Eine Gruppe von "Ende Gelände" hatte sich mit rund 1600 Menschen auf den Weg gemacht. Flankiert wurde der Zug, der in Sichtweite des Tagebaus Garzweiler auf einer Straße lief, von einem starken Polizeiaufgebot. Polizeireiter waren am Ort, ein Hubschrauber kreiste - bis der Ausbruch übers Feld in den Tagebau kam. (Weiterlesen: Zehntausende in Aachen: Auch Youtuber Rezo mischt bei "Fridays for Future" mit)

Großes Polizeiaufgebot bei Demo-Zug

Am Nachmittag blockierten "Ende Gelände"-Aktivisten nach Angaben der Polizei die Hambach-Bahn. Auf der Strecke wird Kohle abtransportiert. Eine weitere Bahnstrecke (Nord-Süd) wurde bereits seit Freitagabend besetzt. Mehr als 6000 Aktivisten waren nach Angaben der Bündnis-Sprecherin Kathrin Henneberger am Samstag im Revier: "Wir haben an vielen Stellen blockiert. Damit haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt: Für den Klimaschutz muss jetzt etwas passieren."

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Polizeireiter waren vor Ort, ein Hubschrauber kreiste ständig. Die angemeldete Demonstration solle zum Sportplatz Jackerath führen, sagte eine Polizeisprecherin. Dann müsse man sehen, was die Demonstranten dort wollten. Jackerath liegt im Süden des Tagebaus Garzweiler.

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Die Bahnstrecke für die Versorgung des RWE-Kraftwerks Neurath in Grevenbroich war auch am frühen Samstagmorgen weiter von mehreren Hundert Menschen besetzt. Rund 800 Aktivisten blockierten seit Freitagabend die Gleise, wie die Polizei mitteilte.

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Die Kohlegegner hatten bereits am Abend angekündigt, vor Ort übernachten zu wollen.

Nächtliches Campieren der Kohlegegner. Foto: dpa/Christoph Reichwein
dpa/Christoph Reichwein
Nächtliches Campieren der Kohlegegner. Foto: dpa/Christoph Reichwein

RWE hatte nach Angaben eines Sprechers zunächst vier von sechs Produktionseinheiten inklusive Baggern aus Sicherheitsgründen gestoppt. "Das ist ein Eingriff in die öffentliche Versorgung", sagte eine RWE-Sprecher der dpa. "Aber es ist nicht so, dass wir Kraftwerke gleich abstellen müssen."

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Die Polizei war am Samstag mit einem Großaufgebot im Rheinischen Revier im Einsatz. Auch Räumpanzer und ein Wasserwerfer wurden vorsorglich am Rande des Tagebaus Garzweiler in Stellung gebracht.

Wasserwerfer und Räumpanzer der Polizei. Foto: dpa/David Young
dpa/David Young
Wasserwerfer und Räumpanzer der Polizei. Foto: dpa/David Young
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