Vermisster Journalist aus Saudi-Arabien : Fall Jamal Khashoggi: Wurde er enthauptet und zerstückelt?

Hintereingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul, wo der vermisste Journalist Jamal Khashoggi ermordet worden sein soll.
Hintereingang des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul, wo der vermisste Journalist Jamal Khashoggi ermordet worden sein soll.

Zu den möglichen Todesumständen von Jamal Khashoggi gibt es neue Erkenntnisse.

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18. Oktober 2018, 08:55 Uhr

Washington | Im Fall des vermissten Journalisten aus Saudi-Arabien Jamal Khashoggi gibt es weitere grausige Details. Die "New York Times" berichtete, ein türkischer Behördenvertreter habe am Mittwoch eine Audioaufnahme beschrieben. Aus dieser gehe hervor, dass Khashoggi innerhalb von Minuten nach seinem Betreten des Konsulats enthauptet und zerstückelt worden sei. Die Mörder seien innerhalb von zwei Stunden wieder weg gewesen.

Türkische Behörden geben seit Tagen anonym Informationen an Medien, die Saudi-Arabien belasten. US-Präsident Donald Trump sagte mit Blick auf möglichen Audio- und Videoaufnahmen, er wisse nicht, ob diese existierten. "Vermutlich tun sie das, vielleicht tun sie das."

Laut "New York Times" sind die US-Geheimdienste zunehmend davon überzeugt, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, Sohn des Königs, etwas mit dem Verschwinden Kashoggis zu tun hatte. Die Hinweise verdichteten sich, dass der Kronprinz in den Fall verwickelt sei – so seien Mitarbeiter seines Sicherheitsdiensts zum Zeitpunkt des Verschwindens Kashoggis in dem Konsulat gewesen und es stünden Mitschnitte saudischer Beamter zur Verfügung, die über die Festnahme Kashoggis diskutiert hätten, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US- und europäische Geheimdienstkreise.

Darüber hinaus sei es höchst unwahrscheinlich, dass ein Einsatz der saudischen Geheimdienste ohne Wissen des Kronprinzen hätte durchgeführt werden können. Ihre Bewertung wollten sie Trump präsentieren.

Türkische Ermittler haben die Suche nach Spuren im saudischen Konsulat sowie in der Residenz des Konsuls abgeschlossen. Das meldete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstagmorgen. Alle Beamte hätten am frühen Morgen sowohl das Gelände des Konsulats als auch das der Residenz des Konsuls verlassen. Zu Ergebnissen der Suche gab es zunächst keine Angaben.

Die Einheiten, die begleitet waren von saudi-arabischen Beamten, hatten das Haus des Konsuls am Mittwochnachmittag betreten. Die Suche dort habe neun Stunden gedauert, berichtete Anadolu. Danach seien die Teams noch einmal in das nahe gelegene Konsulat gegangen. Das war in der Nacht auf Dienstag schon einmal durchsucht worden.

Türkische Medien hatten den Beginn der Ermittlungen in der Residenz des Konsuls bereits am Dienstagabend gemeldet. Später war von einer Verzögerung die Rede.

Sorge über finanzielle Interessenkonflikte von Trump

Donald Trump gerät im Fall des verschwundenen Journalisten unter Druck. Elf Senatoren der oppositionellen Demokraten forderten am Mittwoch (Ortszeit) vom Präsidenten und von der von seinen Söhnen geführten Firmengruppe Aufklärung "über jedwede finanzielle Verbindungen zwischen der Trump-Organisation und dem Königreich Saudi-Arabien".

Es gebe Anlass zur Sorge über "finanzielle Interessenskonflikte". Trump hatte am Dienstag auf Twitter erklärt: "Fürs Protokoll, ich habe keinerlei finanzielle Interessen in Saudi-Arabien."

Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist der Journalist und Regierungskritiker, der zuletzt im US-Exil gelebt hatte, verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert dagegen seine Unschuld und bestreitet jede Mitverantwortung.

Die elf demokratischen Senatoren – darunter Tom Udall, Cory Booker, Elizabeth Warren und Richard Blumenthal – verwiesen darauf, dass vergangene Woche 22 ihrer Kollegen über Parteigrenzen hinweg den Präsidenten aufgefordert hatten, das Verschwinden Khashoggis zu untersuchen und Sanktionen gegen Saudi-Arabien zu prüfen.

In einem Schreiben der elf Senatoren an Trump heißt es: "Es ist zwingend erforderlich, dass diese Sanktionsentscheidung und die US-Politik gegenüber Saudi-Arabien im Allgemeinen nicht durch Interessenkonflikte beeinflusst werden, die aufgrund Ihrer engen finanziellen Beziehungen zu Saudi-Arabien oder der Ihrer Familie bestehen könnten."

Auch an die Trump-Organisation schickten die Senatoren ein Schreiben mit der Bitte um Aufklärung. Die Firmengruppe gehört weiterhin dem Präsidenten, wird aber von zwei seiner Söhne geführt.

Außenminister Pompeo in Saudi-Arabien

Trump wehrte sich am Mittwoch in Washington vehement gegen den Vorwurf, dass er Saudi-Arabien in dem Fall in Schutz nehme. Er betonte aber zugleich, das Land sei ein sehr wichtiger Verbündeter der USA. Er wolle wissen, was mit Khashoggi passiert sei. "Wir werden das vermutlich bis zum Ende der Woche wissen." Auch US-Außenminister Mike Pompeo sagte nach seinen Besuchen in Riad und Ankara, die US-Regierung warte die Ergebnisse der Untersuchungen ab, bevor sie über das Vorgehen der Saudis in dem Fall urteile.

Trump hatte seinen Außenminister Pompeo nach Saudi-Arabien und in die Türkei geschickt, um den vielen offenen Fragen in dem mysteriösen Fall nachzugehen. Pompeo holte sich dort aber weniger Antworten ab, sondern vor allem Absichtserklärungen der Saudis.

Die saudische Führung habe eine "gründliche, vollständige und transparente" Untersuchung des Falles zugesagt, erklärte Pompeo am Mittwoch. "Ich kenne nicht den genauen Zeitplan", sagte er, "aber sie haben klargemacht, dass sie verstanden haben, wie wichtig es ist, dass das schnell geschieht." Die saudische Führung habe ebenfalls zugesagt, wen auch immer zur Verantwortung zu ziehen, dem im Zuge der Untersuchung womöglich ein Fehlverhalten nachgewiesen werde.

Letzter Beitrag Kashoggis in der "Washington Post"

Nachfragen nach Details und nach der Glaubwürdigkeit der Saudis wich Pompeo mehrfach aus. "Ich warte, bis die Untersuchung abgeschlossen ist", sagte er. "Sie haben mir versprochen, dass sie das machen, und darauf zähle ich", sagte er. "Sie haben mir ihr Wort gegeben." Auf die Frage, ob die Saudis Auskunft gegeben hätten, ob Khashoggi lebe oder tot sei, sagte Pompeo, er wolle nicht über einzelne Sachverhalte reden. "Sie wollten das auch nicht." Die Saudis wollten vielmehr zunächst ihre Untersuchungen abschließen.

Wegen der Affäre um Khashoggi legt Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Reisepläne nach Saudi-Arabien vorerst auf Eis. Maas sagte in Berlin, er wolle zunächst die Ermittlungen abwarten.

Die "Washington Post" veröffentlichte am Mittwochabend den bislang letzten Beitrag Khashoggis. Die Zeitung machte in einem Begleittext zugleich deutlich, dass sie nicht mehr davon ausgehe, dass der Journalist noch am Leben sei. Die zuständige Redakteurin Karen Attiah schrieb, man habe mit der Veröffentlichung auf Khashoggis Rückkehr warten wollen, um den Text gemeinsam mit ihm zu redigieren. "Jetzt muss ich akzeptieren: Das wird nicht passieren. Das ist das letzte Stück von ihm, dass ich für die "Post" redigieren werde."

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