Einigung über demilitarisierte Zone : Russland und Türkei vereinbaren Galgenfrist für Idlib

Recep Tayyip Erdogan (l.), Präsident der Türkei, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, bei ihrem Treffen in Sotschi. Foto: KREMLIN/dpa
Recep Tayyip Erdogan (l.), Präsident der Türkei, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, bei ihrem Treffen in Sotschi. Foto: KREMLIN/dpa

Türkei und Russland stellen das von Rebellen und syrischen Regierungstruppen beanspruchte Idlib unter ihre Kontrolle.

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17. September 2018, 18:47 Uhr

Sotschi | Der befürchtete syrische Großangriff auf die letzte Rebellenhochburg Idlib soll durch die Einrichtung einer entmilitarisierten Zone abgewendet werden. Der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan einigten sich am Montag darauf, bis zum 15. Oktober rund um die Region Idlib einen entsprechenden Streifen einzurichten.

Putin sagte, die Zone solle 15 bis 20 Kilometer breit sein – weitere Details waren zunächst unklar. Vorangegangen waren mehrere Stunden schwieriger Gespräche in Putins Residenz in Sotschi am Schwarzen Meer.

Schon bis zum 10. Oktober sollten schwere Waffen der Regierungsgegner aus dieser Zone abgezogen werden, sagte Putin vor der Presse. In der entmilitarisierten Zone würden türkische Soldaten und russische Militärpolizei gemeinsam patrouillieren. Unklar ist, ob sich die Rebellengruppen in Idlib auf diese Abmachung einlassen.

Großoffensive in Idlib soll abgewendet werden

"Ich glaube, dass mit dieser Einigung eine große humanitäre Krise abgewendet worden ist", sagte Erdogan. Gegner des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad könnten in der Region bleiben. Die Türkei werde aber sicherstellen, dass keine radikalen Gruppen mehr dort aktiv seien. "Russland wird dafür sorgen, dass diese kampffreie Zone in Idlib nicht angegriffen wird", sagte er. Eine Offensive gegen Idlib sei damit vom Tisch, bestätigte auch der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Das Gebiet im Nordwesten Syriens ist die letzte große Hochburg in Hand der Assad-Gegner. Zu den Zehntausenden Bewaffneten finden sich Terroristen, die dem Islamischen Staates oder Al Kaida verbunden sind, sowie Kämpfer der gemäßigten Opposition.

Gleichzeitig sind dort etwa drei Millionen Zivilisten eingekesselt, die Hälfte von ihnen Binnenflüchtlinge. Die Türkei fürchtet bei einem großen syrisch-russischen Angriff ein Blutbad und einen neuen Zustrom an Flüchtlingen. Erdogan hatte schon bei einem Dreiergipfel mit dem Iran am 7. September eine Waffenruhe vorgeschlagen. Er war aber von Putin abgebügelt worden.

Russland und Türkei wollen Terroristen weiter bekämpfen

Der Kremlchef sprach in Sotschi von einer "angespannten, aber sehr konstruktiven und ertragreichen Arbeit" mit Erdogan und dessen Delegation. Für Russland sei wichtig, dass der Luftwaffenstützpunkt Hamaimim und die Stadt Aleppo durch die Zone außer Reichweite von Drohnenangriffen der Opposition kämen, sagte Putin. Insgesamt wollten Russland und die Türkei weiter gegen Terror in Syrien kämpfen.

Russland werde die syrische Führung über die Einigung informieren, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Einen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht. Im Syrien-Krieg kämpfen Russland und der Iran aufseiten von Assad. Die Türkei gilt als Schutzmacht der Opposition.

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