Im Alter von 89 Jahren : Früheres Politbüromitglied Herbert Häber gestorben

Archivfoto aus dem Jahr 2000.
Archivfoto aus dem Jahr 2000.

Der Ex-SED-Westexperte gilt als Einziger im Politbüro, der sich für eine Milderung des Grenzregimes eingesetzt hat.

von
16. April 2020, 13:36 Uhr

Berlin | Der frühere DDR-Spitzenfunktionär Herbert Häber ist tot. Der einstige Westexperte der SED-Führung starb im Alter von 89 Jahren am 10. April in Berlin, teilte die Familie am Donnerstag mit.

Sohn Bernd Häber schrieb in einer Erklärung, sein Vater sei zu DDR-Zeiten für viele westdeutsche Politiker ein geschätzter Gesprächspartner gewesen. Ehefrau Christa Häber sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihr Mann sei sehr krank gewesen.

Lesen Sie auch: Egon Krenz feiert in Berlin die DDR – Party mit 350 Genossen

Von 1973 bis 1985 war der in Zwickau (heute Sachsen) geborene Herbert Häber Leiter der Westabteilung bzw. der Abteilung Internationale Politik und Wirtschaft beim Zentralkomitee der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Für anderthalb Jahre, von Mai 1984 bis November 1985, gehörte Häber dem SED-Politbüro, dem höchsten DDR-Machtzirkel, an.

Häber: Wollte Grenzregime humaner machen

Im wiedervereinigten Deutschland stand Häber wegen der Toten an der Mauer vor Gericht. Das Berliner Landgericht urteilte abschließend, er sei kein „Betonkopf“ gewesen und habe sich als Einziger im Politbüro für eine Milderung des Grenzregimes eingesetzt. Dafür habe er schwere persönliche Nachteile in Kauf genommen. Das Gericht zollte ihm Respekt für seine moralische Haltung.

Dennoch wurde der Funktionär 2004 wegen Anstiftung zum Mord an drei Flüchtlingen schuldig gesprochen, eine Strafe wurde aber nicht verhängt. Er hatte sich laut Urteil im juristischen Sinn strafbar gemacht, weil er 1985 an einem Beschluss des SED-Politbüros zur Aufrechterhaltung des DDR-Grenzregimes mitgewirkt habe.

Im Prozess hatte Häber gesagt, er habe mit seinen Kontakten zu Politikern der Bundesrepublik alles getan, um das Grenzregime humaner zu machen. Er sei deshalb im Politbüro zunächst kaltgestellt worden und habe offiziell im November 1985 ausscheiden müssen. Schon zuvor sei er zur Unperson erklärt und später auf Betreiben der Stasi in die Psychiatrie gesteckt und dann bis zum Mauerfall überwacht worden.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen