Festgesetzter Öltanker : Großbritannien droht Iran: Eskaliert die Tankerkrise?

Jeremy Hunt, britischer Außenminister, verlässt die Downing Street nach einem Treffen über den britischen Öltanker 'Stena Impero'.
Jeremy Hunt, britischer Außenminister, verlässt die Downing Street nach einem Treffen über den britischen Öltanker "Stena Impero".

Großbritannien droht dem Iran mit "ernsthaften Konsequenzen". Und der US-Präsident schickt Soldaten in die Golfregion.

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20. Juli 2019, 20:05 Uhr

London/Teheran/Washington | Die Zwischenfälle in der Golfregion häufen sich in gefährlichem Maße und die Konfrontation führender westlicher Länder mit dem Iran droht außer Kontrolle zu geraten. Iranische Revolutionsgarden haben in einer Meeresenge kurz hintereinander zwei Tanker mit britischem Bezug festgesetzt; nur einer konnte kurze Zeit später weiterfahren.

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Großbritannien und USA drohen im Schulterschluss

Im Schulterschluss mit den USA drohte Großbritannien dem Iran daher mit ernsthaften Konsequenzen. Die Regierung in London forderte britische Schiffe auf, die Straße von Hormus und umliegende Gewässer zu meiden. In London wollte sich der Nationale Sicherheitsrat (Cobra) noch am Samstag erneut mit der Krise befassen. Der britische Außenminister Jeremy Hunt twitterte, der weiter festgesetzte Tanker sei in den Gewässern des Omans gestoppt worden.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump gab bekannt, Soldaten nach Saudi-Arabien - dem Erzfeind des Irans - zu verlegen. US-Medien zufolge geht es um bis zu 500 Soldaten. Die Verlegung dient nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom der Abschreckung. Zudem verlegte das US-Militär Aufklärungsflugzeuge, die im internationalen Luftraum operieren, in die Region.

"Gefährlicher Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens"

Trump will sich in der Krise eng mit der britischen Regierung abstimmen. Erst am Donnerstag hatte er erklärt, ein US-Marineschiff habe in der Straße von Hormus eine iranische Drohne zerstört. Die Führung in Teheran widersprach dem. Hunt sprach nun einem riskanten iranischen Manöver. Die Aktion am Freitagabend deute darauf hin, dass der Iran einen "gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens" beschreite. Über mögliche Gegenmaßnahmen wollte das Außenministerium in London zunächst keine Auskunft geben.

Der britische Außenminister telefonierte noch am Samstag mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif. Hunt brachte bei dem Gespräch nach eigenen Angaben seine "tiefe Enttäuschung" über die Situation zum Ausdruck. Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA teilte mit, Sarif habe bei dem Gespräch hingegen juristische Schritte gegen den beschlagnahmten Öltanker "Stena Imper" ins Spiel gebracht. "Der Stopp des britischen Tankers erfolgte wegen maritimer Verstöße und auf Wunsch der hiesigen Hafenbehörden", sagte Sarif den Angaben zufolge bei dem Telefonat.

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EU-Außenbeauftragte fordert sofortige Freilassung des Schiffs

Aus Hunts Sicht ist ein Vorfall im britischen Gibraltar wohl der Auslöser des iranischen Vorgehens. Dort war Anfang Juli ein Tanker aus dem Iran mit Öl, das für Syrien bestimmt gewesen sein soll, an die Kette gelegt worden. Die Lieferung verstoße gegen EU-Sanktionen, hieß es. Am Freitag ordnete der Oberste Gerichtshof Gibraltars an, das Schiff weitere 30 Tage festzuhalten, bis zum 20. August.

Die EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zeigte sich einem Sprecher zufolge angesichts der Zwischenfälle tief besorgt und forderte die sofortige Freilassung des nun festgesetzten britischen Schiffs. "In einer bereits angespannten Lage bringt dies das Risiko einer weiteren Eskalation mit sich und untergräbt laufende Bemühungen, die gegenwärtigen Spannungen zu überwinden", hieß es. Deutschland und Frankreich zeigten sich solidarisch mit Großbritannien.

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Die betroffene Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Straße von Hormus verschifft.

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