Langfristiges Gesundheitsrisiko : Grenzwerte runter: Experten fordern mehr Schutz vor Straßenlärm

In Essen trennt nur eine niedrige Schallschutzwand die Häuser von der Autobahn A40. Die stete Lärmbelastung kann auf Dauer krank machen, warnen Forscher.
In Essen trennt nur eine niedrige Schallschutzwand die Häuser von der Autobahn A40. Die stete Lärmbelastung kann auf Dauer krank machen, warnen Forscher.

Lärmwirkungsforscher warnen, wer jahrzehntelang Verkehrslärm ausgesetzt ist, werde irgendwann krank.

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22. Februar 2019, 17:30 Uhr

Stuttgart | Experten fordern strengere Grenzwerte für Verkehrslärm. Bisher gelten tagsüber Werte ab 70 Dezibel und nachts ab 60 Dezibel als gesundheitsgefährdend. Diese Schwellenwerte seien deutlich zu hoch, kritisierte am Freitag der baden-württembergische Lärmschutzbeauftragte Thomas Marwein (Grüne). Auf seine Initiative hin unterzeichneten Wissenschaftler aus dem In- und Ausland in Stuttgart eine entsprechende Erklärung.

Nach Ansicht der Forscher sollten die Grenzen in einem ersten Schritt um jeweils fünf Dezibel gesenkt werden. Marwein sagte, er wolle das Gespräch mit der Bundesregierung suchen und die Empfehlung an das Umweltbundesamt weiterleiten.

Weit unter Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation

Anlass der Initiative sind Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Oktober 2018 für Verkehrslärm, die weit unter den derzeit gültigen Schwellenwerten liegen. Die WHO empfiehlt für Straßenlärm eine Grenze von 53 Dezibel am Tag und 45 in der Nacht. Verkehrslärm zähle zu den größten Problemen für die Gesundheit, kritisierte Marwein. 76 Prozent der Bevölkerung fühlten sich dem Umweltbundesamt zufolge von Straßenlärm belästigt, aber oft sei rechtlich nichts dagegen zu machen.

Lärmexperte Dirk Streckenberg vom Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung in Hagen (Nordrhein-Westfalen) sagte, bei den Gesundheitsrisiken gehe es nicht nur um Hörschäden, sondern auch um Stress, Schlafstörungen und Kreislauferkrankungen. Er sprach von einem schleichenden Prozess, der sich oft über Jahrzehnte hinziehe. "Herzerkrankungen, die haben Sie nicht von heute auf morgen", sagte er. "Es ist nicht so, dass sie einen Lkw hören und dann fallen sie tot um." Aber 25 Jahre lang 60 Dezibel seien ein Problem.

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