Wirkung wissenschaftlich nicht bewiesen : Globuli für Kühe: Fortbildungen in Homöopathie mit Steuergeld gefördert

Wird die Kuh krank, muss sie behandelt werden. Nur wie? Manche Landwirte setzen auf Homöopathie. Foto: Michael Gründel
Wird die Kuh krank, muss sie behandelt werden. Nur wie? Manche Landwirte setzen auf Homöopathie. Foto: Michael Gründel

Homöopathie als alternative Heilmethode ist umstritten – beim Menschen. Aber auch in der Tierhaltung kommen sogenannte Globuli zum Einsatz. Entsprechende Fortbildungen für Landwirte werden vom Staat gefördert. Geht gar nicht, findet die FDP.

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29. September 2019, 09:55 Uhr

Osnabrück | 6,5 Stunden hat die Fortbildung laut Werbezettel vor einigen Tagen gedauert. Grundlagen der Homöopathie, Krankheitsbilder bei Rindern und die Auswahl der richtigen Arzneien standen demnach auf dem Lehrplan. Am Ende, so der Werbetext, sollten die Teilnehmer „fundierte Kenntnisse“ für „eine erfolgreiche homöopathische Behandlung bei Rindern […].“ besitzen.

Veranstalter war der Bio-Verband Demeter und gefördert wurde das Ganze „aus Mitteln des Landes Niedersachsen“. Im Netz finden sich vergleichbare Angebote – teilweise auch gefördert vom Bund.

Ist das Steuergeld gut investiert? Einen wissenschaftlichen Beleg für die allgemeine Wirksamkeit der Homöopathie gibt es nicht – weder für Menschen noch für Tiere. Im Bereich der Humanmedizin ist über den sogenannten Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung nachgewiesen. Sprich: Den Patienten geht es nach Gabe der Mittel besser, obwohl Globuli und Tropfen keinen Wirkstoff im medizinischen Sinne enthalten.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Ralf Hirschberger
Foto: dpa/Ralf Hirschberger


Genau deswegen wird derzeit in der Bundespolitik gestritten. Sollten Krankenkassen Kosten weiterhin für die Mittel übernehmen? Die Antwort des Verbandes der Kassenärzte fällt darauf eindeutig aus: Nein. Das Bundesgesundheitsministerium sieht allerdings keinen Änderungsbedarf.

Begeisterte Bauern

Auch im Bereich der Tierhaltung scheint der Einsatz von Homöopathie vor allem eine Glaubensfrage zu sein. Anwender schwärmen in Erfahrungsberichten auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von der alternativen Heilmethode und schwören auf die Wirksamkeit.

Vor allem im Biobereich werden Globuli eingesetzt. Landwirte können sich dabei auf die entsprechende Öko-Verordnung der EU berufen. Denn die hält auch ohne Wirksamkeits-Nachweis fest, dass alternativen Behandlungen wie eben Homöopathie der Vorzug vor Medikamenten zu geben ist. So steht es in der Verordnung:

Screenshot: Dirk Fisser
Screenshot: Dirk Fisser


Für Bauern ist Homöopathie auch deswegen interessant, weil der Einsatz von Medikamenten streng reglementiert ist. Verschreibt der Tierarzt ein Mittel, wird das Rind in aller Regel gesperrt. Es darf nicht an einen Schlachthof geliefert oder die Milch verarbeitet werden. Klassische Medizin kostet den Landwirt also weit mehr als nur die Rechnung des Tierarztes. Homöopathie ist vergleichsweise günstig.

Steuergeld über Umwege

Beim Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen legt man Wert darauf, dass die beworbenen Fortbildungen nicht direkt gefördert werden. Viel mehr fließe das Geld über ein Projekt an das „Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen“.

Das wiederum organisiert dann zusammen mit Bio-Verbänden wie eben Demeter Fachveranstaltungen für Landwirte. 35 Stück seien es dieses Jahr, zwei davon legten den Schwerpunkt auf Homöopathie. Die Veranstaltungen würden jeweils mit Steuermitteln in Höhe von 600 bis 1000 Euro gefördert.

Zugleich teilt das Ministerium mit, keine Informationen zur Wirksamkeit der Homöopathie in der Tierhaltung vorliegen zu haben. Hermann Grupe, agrarpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, sagt, die Landesregierung solle sich bei der Förderung von Maßnahmen zurückhalten, für deren Wirksamkeit es keinen wissenschaftlichen Nachweis gibt. „Diese Behandlungsform bewegt sich eher auf einer Glaubens- als auf einer wissenschaftlichen Basis.“ Grupe hält fest:

„Wer dran glaubt, soll es gerne weiter nutzen, aber nicht subventioniert durch Steuergelder.“


Der Glaube ist die eine Sache, die Tiergesundheit die andere. Landwirte sind dazu verpflichtet, sich gut um ihre Tiere zu kümmern. Geht das mit Homöopathie? Albert Sundrum ist Professor an der Uni Kassel-Witzenhausen. Gemeinsam mit anderen Kollegen hat sich der Experte für Tiergesundheit angeschaut, wie Landwirte Homöopathie einsetzen und welche Vorbildung sie in diesem Bereich haben.

Auf Anfrage sagt er, er halte nicht viel von solchen Fortbildungen, sie reichten nicht aus, um hinreichende Kenntnisse zu vermitteln. „Es wird so getan, als ob wenige Hinweise ausreichen, damit der Landwirt die Behandlung selbst durchführen und sich den Tierarzt sparen kann.“ Die Folge seien zum Teil „sehr hohe Erkrankungsraten und sehr geringe Heilungsraten“.

Aber Sundrum sagt auch, die Frage ob Homöopathie denn nun wirke oder nicht, sei „sicherlich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten.“ Es gebe Einzelfallstudien die von Erfolgen berichteten. „Auf der anderen Seite wird der Denkfehler begangenen, diese Einzelergebnisse zu verallgemeinern.“

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