Kraftprobe auf den Straßen von Caracas : Nach gewaltsamen Demos in Venezuela: Guaidó fordert Maduro heraus

Nach dem Aufstand einiger Soldaten gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Maduro haben sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Caracas schwere Auseinandersetzungen geliefert.
Nach dem Aufstand einiger Soldaten gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Maduro haben sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Caracas schwere Auseinandersetzungen geliefert.

Der erhoffte Umsturz gelingt nicht. Demonstranten und Sicherheitskräfte liefern sich heftige Kämpfe in der Hauptstadt.

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01. Mai 2019, 10:42 Uhr

Caracas | Bei einer neuen Kraftprobe zwischen dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó und Staatschef Nicolás Maduro haben sich Regierungsgegner und staatliche Sicherheitskräfte in der venezolanischen Hauptstadt Caracas erneut heftige Auseinandersetzungen geliefert. Demonstranten schleuderten am Dienstag Steine und Brandsätze auf die Beamten. Angehörige der Nationalgarde feuerten mit Tränengas und Schrotmunition in die Menge. Im Fernsehen war zu sehen, wie ein Panzerwagen in eine Menschengruppe raste.

Zahlreiche Verletzte

Nach Angaben der Opposition wurden bei den Kämpfen mindestens 69 Menschen verletzt. Die meisten seien durch Schrotkugeln verwundet worden, schrieb der Bürgermeister der Oppositionshochburg Chacao, Gustavo Duque, am Dienstag auf Twitter. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Foro Penal wurden im ganzen Land mindestens 83 Menschen bei Demonstrationen festgenommen.

Feuerwerkskörper, die von Gegnern des venezolanischen Präsidenten Maduro während eines versuchten militärischen Aufstands geworfen worden sind, landen nahe gepanzerter Fahrzeuge der Bolivarischen Nationalgarde. Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa
Ariana Cubillos
Feuerwerkskörper, die von Gegnern des venezolanischen Präsidenten Maduro während eines versuchten militärischen Aufstands geworfen worden sind, landen nahe gepanzerter Fahrzeuge der Bolivarischen Nationalgarde. Foto: Ariana Cubillos/AP/dpa

Zuvor hatte Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, Präsident Maduro die Gefolgschaft aufzukündigen und sich der Opposition anzuschließen. "Maduro hat heute nicht mehr die Unterstützung der Streitkräfte", sagte Guaidó in einer Videobotschaft.

Oppositionsführer befreit

Abtrünnige Soldaten befreiten zudem den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest. Der Gründer der Partei Voluntad Popular suchte mit seiner Frau und seiner Tochter zunächst in der chilenischen Botschaft Schutz und zog später in die diplomatische Vertretung Spaniens weiter.

Präsident Maduro erklärte den Aufstand später für gescheitert. "Ich danke der Militärführung für den Mut bei der Verteidigung des Friedens", sagte er in einer Ansprache am Dienstagabend (Ortszeit). Nach seiner Darstellung wurden die Soldaten unter einem Vorwand zu einer Autobahn nahe dem Militärstützpunkt La Carlota gelockt worden. Als sie merkten, dass es sich um einen Coup der Opposition handelte, seien die meisten umgekehrt, sagte Maduro. Gegen den harten Kern von etwa 20 abtrünnigen Soldaten ermittele nun die Generalstaatsanwaltschaft. "Diese Verräter werden ihr Schicksal noch kennen lernen", sagte Maduro.

"Revolution mit Waffen verteidigen"

Tatsächlich gelang es der Opposition trotz des spektakulären Coups offenbar zunächst nicht, größere Truppenteile auf ihre Seite zu ziehen. Verteidigungsminister Vladimir Padrino gelobte Maduro die Treue und erklärte, alle Kasernen und Stützpunkte seien unter Kontrolle.

Unterstützer der venezolanischen Opposition um den selbst ernannten Interimspräsidenten Guaido schwenken eine Fahne Venezuelas bei einer Kundgebung zur Unterstützung der Demonstrationen im südamerikanischen Land.Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
Bernat Armangue
Unterstützer der venezolanischen Opposition um den selbst ernannten Interimspräsidenten Guaido schwenken eine Fahne Venezuelas bei einer Kundgebung zur Unterstützung der Demonstrationen im südamerikanischen Land.Foto: Bernat Armangue/AP/dpa

Auch die regierungstreuen Banden – sogenannte Colectivos – versprachen Maduro ihre Unterstützung. "Es ist der Moment gekommen, in dem wir die Revolution mit Waffen verteidigen", sagte der Chef der Gruppe La Piedrita, Valentín Santana, in einem am Dienstag veröffentlichten Video und streckte ein Schnellfeuergewehr in die Kamera. "Wir werden unseren Präsidenten Nicolás Maduro verteidigen."

Während auf den Straßen von Caracas mit harten Bandagen um die Macht gerungen wurde, brachten sich auf dem internationalen Parkett die Verbündeten in Stellung. Aus den USA, Europa und vielen lateinamerikanischen Staaten erhielt Guaidó Unterstützung. Russland, die Türkei, Kuba und Bolivien hingegen stellten sich hinter Maduro.

"Operation Freiheit"

Bundesaußenminister Heiko Maas hoffte angesichts der brenzligen Lage weiterhin auf eine friedliche Lösung. "Wir wollen nicht, dass es eine Entwicklung gibt, in der die Waffen sprechen", sagt er nach einem Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. „Jetzt wird es erst einmal darum gehen, verantwortungsvoll zu handeln. Wir wollen das nicht militärisch lösen, sondern politisch. Nur das ist wirklich nachhaltig. Dazu können alle ihren Beitrag liefern."

Oppositionsführer Guaidó allerdings will die Gunst der Stunde nutzen und den Druck auf Maduro weiter erhöhen. "Wir führen die "Operation Freiheit" fort. Wir bleiben auf den Straße, bis wir das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme erreicht haben", sagte er am Abend. "Morgen geht ganz Venezuela auf die Straße."

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