Handys bald viel teurer? : Gesetz gegen Kostenfallen: Was gut klingt, hat unschöne Nebenwirkungen

'Wenn Smartphones künftig über 12 Monate und nicht wie bisher über 24 Monate finanziert werden, verteuert dies die Verträge deutlich.'
"Wenn Smartphones künftig über 12 Monate und nicht wie bisher über 24 Monate finanziert werden, verteuert dies die Verträge deutlich."

Die Bundesregierung will Verbraucher rasch per Gesetz gegen Abzocke und Kostenfallen schützen.

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17. August 2019, 10:08 Uhr

Hamburg | Ein Handy-Vertrag verlängert sich um einen langen Zeitraum, nur weil der Kunde nicht rechtzeitig kündigt. Diesen Praktiken will die Koalition rasch einen Riegel vorschieben. Denn nach den Plänen von Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD) soll unter anderem die Laufzeit von Verträgen etwa für Handys, Fitnessstudios oder Zeitungs-Abos auf ein Jahr begrenzt werden.

Aus Verbrauchersicht "absolut wünschenswert"

Das Vergleichsportal Verivox nannte kürzere Vertragslaufzeiten aus Verbrauchersicht "absolut wünschenswert". Speziell im Mobilfunk werde sich jedoch die bisherige Praxis der Finanzierung von Endgeräten stark verändern: "Wenn Smartphones künftig über 12 Monate und nicht wie bisher über 24 Monate finanziert werden, verteuert dies die Verträge deutlich", hieß es. Gleichzeitig brächte eine Trennung von Hardwarefinanzierung und Servicevertrag aber auch mehr Transparenz, was den Kunden letztlich zugute käme.

Hintergrund: Gesetz gegen Kostenfallen soll schnell kommen

Der Mobilfunkkonzern Vodafone warnte, das Gesetz werde "zu weniger Wahlfreiheit in der Angebotspalette und höheren Kosten für viele Verbraucher führen". Denn wegen der kürzeren Vertragslaufzeit würden die Kosten entsprechend umgelegt und so "entweder die monatlichen Preise für finanzierte subventionierte Handys oder aber die einmalig zu zahlenden Preise deutlich steigen."

Beispiel: Ein iPhone XS kostet im Rahmen des 24-Monats-Vertrag Red M von Vodafone (monatlich 50 Euro) derzeit knapp 200 Euro. Das ist addiert eine um knapp 1.000 Euro geringere Summe als jene, die Apple im Fall eines Einzelkaufs für das Gerät verlangt (1149 Euro). Rechnet man die Subvention, die Vodafone im Rahmen des Vertragsbeispiels monatlich für das Gerät zahlt (ca. 40 Euro) auf 12 Monate um, winken dem Kunden bei Abschluss zukünftig rund 675 Euro, also 475 Euro mehr als bisher. Falls das Gerät weiter bei 200 Euro angeboten werden solle, würden sich alternativ entsprechend die monatlichen Tarifgebühren erhöhen.

Marktchancen des Verbrauchers sollen verbessert werden

Bei Verträgen von Verbrauchern etwa für Handys, mit einem Fitnessstudio oder bei Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements werden häufig Vertragslaufzeiten von zwei Jahren angeboten. Das schmälert aus Sicht des Justizministeriums die Marktchancen der Verbraucher.

Die Vertragslaufzeiten sollen so geändert werden, dass durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) keine längere Laufzeit als ein Jahr vereinbart werden kann. Vergisst man rechtzeitig zu kündigen, verlängert sich die Laufzeit nicht automatisch um ein Jahr, sondern nur um drei Monate. Verbraucher sollen laut Lambrecht so die Möglichkeit haben, günstigere Angebote wahrnehmen zu können. "Es geht nicht darum, dass Verträge billiger werden", betonte Lambrecht. Vielmehr müssten Verbraucher, wenn sie ein für sich günstigeres Angebot haben, wechseln können und dürften nicht durch überlange, unfaire Laufzeiten gebunden sein.

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