Kommentar : Fridays-Streit ums Klima: Einmal runterschalten, bitte

Klimaschutz-Demonstranten wie Luisa Neubauer machen viele Schlagzeilen. Bei Facebook zumindest formiert sich derzeit allerdings massenhafter Widerstand. Foto: Christoph Soeder/dpa
Klimaschutz-Demonstranten wie Luisa Neubauer machen viele Schlagzeilen. Bei Facebook zumindest formiert sich derzeit allerdings massenhafter Widerstand. Foto: Christoph Soeder/dpa

"Fridays for Future" erfährt in den sozialen Medien Widerstand: "Fridays for Hubraum" kam bei Facebook an drei Tagen auf viermal mehr Fans. Darunter waren Spinner, aber der Hype zeigt trotzdem: Deutschland muss einen Weg finden, der die Menschen verbindet und nicht spaltet.

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26. September 2019, 11:30 Uhr

Schwerin | Der Fanatismus bei Klima und Mobilität nervt – beider Seiten. Er ist auch kontraproduktiv. Wer es auf Spaltung anlegt, erreicht doch weniger als mit einem Miteinander. Er züchtet Blockade und Protest. Ohne politische Mehrheit und gesellschaftliche Akzeptanz fallen Fortschritte beim Klimaschutz flach, so einfach ist das. Natürlich gilt es auch umgekehrt: Ohne politische Mehrheit und gesellschaftliche Akzeptanz keine Wahrung des Status quo. Die Demokratie zwingt zum Kompromiss, auch wenn es manchen zu schnell und anderen zu langsam geht.

Was im persönlichen Umgang gilt, wäre dabei auch gesellschaftlich nicht schlecht, nämlich mehr Vielfalt zu akzeptieren und Verständnis zu haben. Eine autofreie Zone in den Innenstädten muss nicht mehr den Tod des Handels bedeuten wie in den 1980er-Jahren, sondern kann Teil der Rettung sein. Umgekehrt wäre ein Leben ohne Auto der Tod vieler Landgemeinden, wo eine fortlaufende Verteufelung und Verteuerung des Autofahrens existenzielle Fahrten zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkauf erschwert. Das ist übrigens auch hochgradig unsozial. Zudem bedeutet eine bezahlbare und nutzergerechte Mobilität auf dem Land immer auch Teilhabe. Was helfen ein Zuschuss fürs Theater, die Abendschule in der nahen Kleinstadt oder der Aufruf zum ehrenamtlichen Engagement, wenn die Leute nicht vernünftig hinkommen?

Deutschland wird einen Weg finden müssen, der verbindet und nicht spaltet. Und warum denn auch nicht? Auch der grünste Kreuzberger wird nicht wollen, dass alle in seinen Stadtteil ziehen, weil man dort prima ohne Auto leben kann. Die Mieten-Diskussion erlebte andernfalls eine gänzlich neue Dimension. So gesehen, müsste man sich auch und gerade als Städter vehement für eine bezahlbare und komfortable individuelle Mobilität in Dithmarschen, dem Emsland oder der Prignitz einsetzen.

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