Bevölkerung immer bunter : Migrationsforscher: Bald ist jeder Dritte in Deutschland ein Zuwanderer

In Großstädten wie Frankfurt ist die Quote der Menschen mit Migrationshintergrund jetzt schon sehr hoch: Jeder Zweite Frankfurter hat ausländische Wurzeln.
In Großstädten wie Frankfurt ist die Quote der Menschen mit Migrationshintergrund jetzt schon sehr hoch: Jeder Zweite Frankfurter hat ausländische Wurzeln.

Um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, müssen Wissenschaftlern zufolge noch viel mehr Ausländer eingebürgert werden.

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04. November 2019, 05:59 Uhr

Berlin | In 20 Jahren wird laut Experten jeder dritte Mensch in Deutschland ein Zuwanderer sein. In Großstädten werde der Anteil der Migranten auf bis zu 70 Prozent klettern, sagte der Leiter des Forschungsbereiches Migration am bundeseigenen Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Herbert Brücker, in der "Welt" (Montag). Um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken, müsse sich Deutschland künftig vielen Nationalitäten öffnen, so der Ökonom.

"Deutschland wird bunter werden", sagte Brücker:

Derzeit hat etwa ein Viertel der Menschen in Deutschland Migrationshintergrund. In 20 Jahren werden es mindestens 35 Prozent, könnten aber auch über 40 Prozent sein. Herbert Brücker, Migrationsforscher


Frankfurt am Main sei ein gutes Beispiel. "Dort hat schon heute jeder Zweite Migrationshintergrund. In Berlin sind es etwa 35 Prozent. Was wir heute in den Großstädten sehen, ist künftig für das Land insgesamt normal. Und in einer Stadt wie Frankfurt werden wir dann Anteile von Zuwanderern zwischen 65 und 70 Prozent haben."

Herbert Brücker arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Berlin. Foto: imago images/IPON/Stefan Boness
Herbert Brücker arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Berlin. Foto: imago images/IPON/Stefan Boness


Deutsche weiter in der Mehrheit

Ein "falsches Bild" sei es allerdings zu glauben, eine "Minderheit" von Deutschen stehe künftig einer "Mehrheit" von Einwanderern gegenüber, sagte Brücker, der außerdem Direktor des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt Universität ist.

Die Deutschen werden immer die mit Abstand größte Gruppe bleiben. Die Migranten sind ja ganz unterschiedlich, eben sehr bunt. Einige sind Muslime, andere Buddhisten, die Mehrheit Christen. Einige haben akademische Abschlüsse, andere sind Hilfsarbeiter. Herbert Brücker, Migrationsforscher


Immer weniger Fachkräfte aus EU-Ausland

Berechnungen des IAB zufolge braucht Deutschland bis 2060 pro Jahr netto 400.000 Einwanderer, damit die Erwerbsbevölkerung und somit die Wirtschaftskraft nicht schrumpfen. "Wir sind bei der Migration im Wettbewerb mit anderen Ländern – und zwar sowohl bei den Hochqualifizierten als auch bei geringer qualifizierten Menschen", sagte Brücker.


Klar sei, dass immer weniger Arbeitskräfte aus der EU zu uns kommen würden. "Das Potenzial an Zuwanderern aus östlichen Beitrittsländern wie Rumänien und Bulgarien aber auch aus Spanien oder Portugal ist zunehmend ausgeschöpft", so Brücker. Deshalb müsse sich Deutschland verstärkt anderen Ländern, etwa EU-Anrainerstaaten wie den Westbalkanländern oder der Ukraine öffnen.

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