Terror : Folge von Berlin-Attentat: Polen und Deutsche passen DNA-Analysen an

Beide Länder wollen sich besser auf mögliche Terrorlagen vorbereiten.

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20. März 2019, 20:00 Uhr

Polnische und deutsche Sicherheitsbehörden wollen sich besser auf mögliche Terrorlagen vorbereiten. Dem dient ein neues Projekt, mit dem Ergebnisse von DNA-Analysen künftig schneller und rechtssicher ausgetauscht sowie genutzt werden könnten. Das teilten die Verantwortlichen am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts vor rund 100 Beamten in Misdroy (Miedzyzdroj) bei Stettin (Szczecin) mit.

Verzögerungen bei Terror-Ermittlungen sollen nie wieder passieren

Anlass für das deutsch-polnische Vorhaben war das Berliner Attentat am Breitscheidplatz mit zwölf Toten im Dezember 2016, wie der Vizekommandant der Stettiner Polizei, Jaroslaw Pasterski, sagte. „Dieser Bandit Anis Amri hat damals erst einen polnischen Lkw-Fahrer getötet“, erklärte Pasterski. Der Getötete kam aus der Woiwodschaft Westpommern, an deren Polizeispitze Pasterski steht. Amri hatte den Lkw dann auf den Weihnachtsmarkt gesteuert. Dabei waren mehr als 70 Menschen verletzt worden. Bei den folgenden länderübergreifenden Ermittlungen habe es - wie eine Auswertung ergab - Verzögerungen gegeben, erläuterte Pasterskis, ohne Details zu nennen. Dies sollte bei Terrorlagen, wie sie in Europa derzeit immer wieder möglich erscheinen, nicht wieder passieren.

Modernisierung und Angleichung der DNA-Analyse

Mehr als zwei Jahre fließen 1,2 Millionen Euro in das Vorhaben „Identifizierung und Bekämpfung des Terrorismus und der grenzüberschreitenden Kriminalität im Bereich der DNA-Diagnostik und der nötigen IT-Infrastruktur.“ Träger sind das Schweriner Landeskriminalamt (LKA), die Woiwodschaftspolizei Stettin sowie die Pommersche Medizinische Universität. Beteiligt sind auch Bundeskriminalamt, mehrere Staatsanwaltschaften sowie Sicherheitsbehörden aus Berlin-Brandenburg.

„Die Entwicklung in der DNA-Analysetechnik ist rasant“, erläuterte Thomas Krense vom Schweriner LKA. So werden im LKA derzeit etwa 3000 Vorgänge mit bis zu 12 000 DNA-Spuren im Jahr ausgewertet. „Wir müssen da effizienter werden und kommen an Automatisierungen in den Laboren nicht vorbei.“ Allerdings gibt es Unterschiede. In Polen dürfen aus DNA-Analysen auch „Phänotypisierungen“ vorgenommen werden, wie LKA-Biologe Jan Hendrik Riechen erläutert. Damit können polnische Ermittler auch die Augenfarbe eines Verdächtigen bestimmen und gezielt nach bestimmten Typen suchen. Das sei in Deutschland nicht möglich. Man dürfe hier nur zwischen „Mann“ und „Frau“ unterscheiden.

Forderung: EU-weit einheitlichRegelungen

Ansonsten müssen 16 körpereigene Merkmale aus einer DNA-Spur mit den 16 Merkmalen der DNA eines Verdächtigen übereinstimmen, bevor derjenige gefasst werden darf. „Aus Sicht eines Kriminalisten wäre es wünschenswert, wenn es EU-weit einheitliche Regelungen gäbe“, verdeutlichte Riechen. Das würde in manchen Fällen „die Reaktionszeit verkürzen.“ Im Fall eines größeren Terroraktes sollten sich Polen und Deutsche bei Analysen unterstützen können. Das setze voraus, das man die DNA-Analyseergebnisse gegenseitig anerkennen kann, was zum Beispiel ein Verschicken von Beweismaterialien über Grenzen ersparen würde. „Davon werden Spurenträger auch nicht besser“, sagte Riechen.

Außerdem sollen Rechtsexperten klären, unter welchen Bedingungen die Justiz im jeweils anderen Land die Analyseergebnisse anerkennen kann.

Länderübegreifende Zusammenarbeit

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es immer wieder Kriminalfälle, bei denen mit Polens Behörden eng kooperiert werden muss, wie LKA-Sprecherin Anna Lewerenz sagte. So war 2013 in Rostock-Warnemünde ein 70-Jähriger erstochen in seiner Villa gefunden worden. Damals geriet der 40 Jahre alte Haushaltshelfer aus Polen unter Verdacht, der geflohen war. Über eine DNA-Spur in einer polnischen Datenbank wurde der Mann überführt. Er sei 2016 wegen Mordes in Polen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden.

Derzeit beschäftigt ein weiterer Fall die polnischen, deutschen und holländischen Behörden. So war eine 29-jährige Polin am 24. August 2018 tot im Havelkanal bei Wustermark in Brandenburg gefunden worden. Sie hatte zuletzt in Linstow (Landkreis Rostock) gearbeitet und war mit ihrem Freund unterwegs. Der 27-jährige Pole wurde später in Holland mit dem Auto der Toten gefasst. „Den Verdächtigen und den Fall haben inzwischen polnische Ermittler übernommen“, sagte Harald Nowack, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock.

Die Terrorgefahr hängt für den Stettiner Polizisten Kasperski eng mit Kriminalität zusammen. Der Terrorist Amri sei - wie andere Täter auch - schon vor dem Vorfall am Breitscheidplatz in der kriminellen Szene aufgefallen.

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