Getöteter Journalist : Fall Khashoggi: Türkei will am Dienstag "ganze Wahrheit" enthüllen

Demonstranten vor dem Weißen Haus protestieren für eine Aufklärung des mutmaßlich im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei getöteten Journalisten Jamal Kashoggi, der für die 'Washington Post' schrieb.
Demonstranten vor dem Weißen Haus protestieren für eine Aufklärung des mutmaßlich im saudi-arabischen Konsulat in der Türkei getöteten Journalisten Jamal Kashoggi, der für die "Washington Post" schrieb.

Laut der Türkei soll am Dienstag die "ganze Wahrheit" zum Tod von Jamal Khashoggi ans Licht kommen.

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21. Oktober 2018, 18:57 Uhr

Ankara | Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will in der kommenden Woche eine ausführliche Erklärung zum Tod des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi abgeben. Er werde am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP darüber sprechen, sagte Erdogan am Sonntag bei der Eröffnung einer U-Bahn Linie in Istanbul.

"Wir suchen Gerechtigkeit", sagte Erdogan. Die ganze Wahrheit werde ans Licht kommen. "Warum sind 15 Menschen hierher gekommen? Warum sind 18 Menschen verhaftet worden? Das muss mit allen Details erklärt werden." Er werde dazu am Dienstag "ins Detail" gehen, sagte Erdogan.

Der regimekritische Journalist Khashoggi hatte das saudische Konsulat in Istanbul am 2. Oktober betreten, um Papiere abzuholen und war nicht mehr herausgekommen. Türkische Medien zufolge ist auf Tonaufnahmen zu hören, wie er im Konsulat gefoltert und dann getötet wurde. Ermittler gehen demnach davon aus, dass er von einem 15-köpfigen aus Saudi-Arabien angereisten Kommando getötet wurde.

Die saudische Führung hatte den Tod Khashoggis erst in der Nacht zu Samstag eingeräumt, dies aber als spontane Tat im Zuge einer handgreiflichen Auseinandersetzung dargestellt. 18 saudische Staatsangehörige wurden festgenommen.

Nach den Worten des saudischen Außenministers Adel al-Dschubair wissen die Führung des Landes derzeit nichts über den Verbleib der Leiche. Auch sei derzeit noch unklar, wie genau der 59-Jährige getötet wurde, sagte er am Sonntag in einem Interview des US-Senders Fox News. Das Sicherheitsteam vor Ort habe offensichtlich kriminell gehandelt, einen "riesigen Fehler" gemacht und versucht, die Tötung Khashoggis anschließend auch noch zu vertuschen. Der Minister versicherte, seine Regierung sei entschlossen, "jeden Stein umzudrehen", alle Fakten aufzuklären und die Verantwortlichen für diese "Verirrung" zu bestrafen.

Donald Trump lobt und kritisiert Saudi-Arabien zugleich

US-Präsident Donald Trump hat Saudi-Arabien laut einem Zeitungsbericht für die Erklärung zur Tötung von Jamal Khashoggi kritisiert, das Königreich aber gleichzeitig als Verbündeten gelobt. Es habe "offensichtlich Täuschung gegeben und es hat Lügen gegeben", zitierte die "Washington Post" den Präsidenten am Sonntag. Trump verteidigte Saudi-Arabien demnach aber zugleich als "unglaublichen Verbündeten". Die Zeitung veröffentlichte Trumps Zitate nicht komplett im Wortlaut.

Trump betonte demnach erneut, dass es möglich sei, dass Kronprinz Mohammed bin Salman keine Verantwortung für den Fall trage. "Niemand hat mir gesagt, dass er verantwortlich ist. Niemand hat mir gesagt, dass er nicht verantwortlich ist. Wir haben diesen Punkt nicht erreicht (...), zitierte die "Washington Post" ihn weiter.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben von Saudi-Arabien eine glaubhafte Aufklärung der genauen Todesumstände gefordert. "Wir nehmen die saudische Stellungnahme über die vorläufigen Ergebnisse der Ermittlung zur Kenntnis", steht in einer am Sonntag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Außenministerien der drei Länder. "Aufklärung darüber, was genau am 2. Oktober geschah, ist aber dringend notwendig. Die bisherigen im Rahmen der saudischen Untersuchung aufgestellten Mutmaßungen müssen durch glaubhafte Fakten untermauert werden", fordern die drei Länder in dem auf Englisch abgefassten Text weiter.

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Berlin, Paris und London brachten ihr Missfallen über die bisherigen Erklärungen Saudi-Arabiens zum Ausdruck. Es müsse eine umfassende Untersuchung geben, und die Verantwortlichen für mögliche Verbrechen seien zur Rechenschaft zu ziehen, steht in der Erklärung weiter.

Zugleich verwahren sich die Ministerien gegen jede Bedrohung von Journalisten: "Einschüchterungen, Angriffe oder die Tötung von Journalisten sind, egal in welchem Zusammenhang, nicht akzeptabel und Grund zu höchster Sorge unserer drei Länder." Der Stand und die Bedeutung der Beziehungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens zu Saudi-Arabien hänge auch vom gemeinsamen Respekt für die Normen und Werte ab, denen sich die drei europäischen Länder und Saudi-Arabien unter Beachtung des internationalen Rechts verpflichtet fühlten.

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