Harsche Kritik an Roger Hallam : Extinction-Rebellion-Gründer: Holocaust "nur ein weiterer Scheiß"

Extinction Rebellion Mitbegründer Roger Hallam im vergangenen Jahr bei einer Demonstration in London.
Extinction Rebellion Mitbegründer Roger Hallam im vergangenen Jahr bei einer Demonstration in London.

Der deutsche Ableger der Umweltschutzbewegung spricht von "verharmlosenden und relativierenden Äußerungen".

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20. November 2019, 15:23 Uhr

London | "For me it’s just another fuckery in human history": Der Mitgründer der Umweltbewegung Extinction Rebellion hat den Holocaust als "fast normales Ereignis" in der Menschheitsgeschichte bezeichnet. "Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind", sagte der Brite Roger Hallam in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der "Zeit".

Die deutsche Haltung zum Holocaust finde er zudem schädlich. "Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen", sagt er. "Das verhindert, dass man daraus lernt." Seine Äußerungen stießen umgehend auf harsche Kritik in Deutschland.

Weiterlesen: Extinction Rebellion: Wer steckt hinter den Klimarebellen?

Genozide habe es in den vergangenen 500 Jahren immer wieder gegeben, sagte Hallam. "Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist fast ein normales Ereignis." Als Beispiel nannte der 53-Jährige Gräueltaten im Kongo: "Die Belgier sind im späten 19. Jahrhundert in den Kongo und haben ihn dezimiert." Er wisse, dass es unterschiedliche Debatten darüber gebe, ob der Holocaust einzigartig sei oder nicht. Für ihn sei der Holocaust aber "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte", sagte Hallam.

Extinction Rebellion Deutschland distanziert sich von Hallam

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) reagierte empört: "Der Holocaust ist mehr als Millionen Tote und grausame Foltermethoden. Jüdinnen und Juden industriell zu ermorden und ausrotten zu wollen, ist einzigartig unmenschlich", schrieb er auf Twitter.

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Extinction Rebellion Deutschland distanzierte sich von Hallam und sprach von "verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust". Hallam sei bei der Bewegung in Deutschland nicht mehr willkommen.

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Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, forderte auch andere Ableger von Extinction Rebellion (XR) dazu auf, sich von Hallam loszusagen. Die Bewegung "muss sich in Gänze glasklar von ihm distanzieren», sagte Habeck der "Bild"-Zeitung (Donnerstag).

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach auf Twitter von "inakzeptablem Gerede" Hallams, das den Holocaust relativiere. "Warum dieses antisemitische und rechtsradikale Framing, wenn es doch angeblich um Klimaschutz geht?"

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Extinction Rebellion ist in Großbritannien entstanden und macht mit Protestaktionen für den Klimaschutz inzwischen in vielen Ländern auf sich aufmerksam. Hallam, der im britischen Landesteil Wales lebt, ist das bekannteste Gesicht der Bewegung. Er ist Soziologe und Autor. Die Veröffentlichung seines neues Buchs "Common Sense", die ursprünglich für den 26. November in Deutschland vorgesehen war, wurde vom Ullstein Verlag abgesagt. "Der Ullstein Verlag distanziert sich in aller Form von aktuellen Äußerungen Roger Hallams", schrieb der Verlag bei Twitter.

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Im September wurde Hallam festgenommen, weil er angekündigt hatte, am Airport London-Heathrow eine Drohne fliegen zu lassen. Er wollte den Flugverkehr stören und so gegen den Bau einer dritten Startbahn protestieren. Der Flugverkehr trägt zur Klimaerwärmung bei.

Hallam relativiert auch Sexismus und Rassismus

Hallam begründete seinen Gesetzesbruch damals damit, mehr Aufmerksamkeit zu schaffen. "Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant. Dann kann es nur noch direkte Aktionen geben, um das zu stoppen", hatte er "Spiegel Online" gesagt.

Auch mit anderen Aussagen irritierte er. Im September sagte Hallam der "Zeit": "Anders als klassische linke Bewegungen schließen wir niemanden aus. Auch jemand, der ein bisschen sexistisch oder rassistisch denkt, kann bei uns mitmachen."

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