Ein enger Freund der Deutschen : Ehemaliger US-Präsident George H. W. Bush ist tot

Der ehemalige Präsident George H.W. Bush ist im Alter von 94 Jahren gestorben.
Der ehemalige Präsident George H.W. Bush ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der ehemalige US-Präsident wurde 94 Jahre alt. Ohne ihn hätte es wohl keine deutsche Einheit gegeben.

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01. Dezember 2018, 11:55 Uhr

Houston | George Herbert Walker Bush sei ein "Glücksfall" für Deutschland gewesen, meinte Helmut Kohl einmal – und das ist keine Übertreibung. Der 41. Präsident der USA (1989-1993) war nach dem Fall der Berliner Mauer der erste westliche Staatsmann, der das Wort "Wiedervereinigung" überhaupt in den Mund nahm. Der keine Furcht vor einem geeinten Deutschland hatte. Der, ganz im Gegensatz zu Frankreich und Großbritannien, in den entscheidenden Monaten nicht mauerte und nicht auf Zeit spielte. Rasch und entschlossen setzte Bush senior damals auf "ein Deutschland".

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In den letzten Jahren war es ruhiger um ihn geworden, immer wieder musste er im Krankenhaus behandelt werden. Am Freitagabend Ortszeit starb George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren – ein Freund der Deutschen war er immer geblieben.

George H.W. Bush und seine Frau Barbara bei einem Treffen mit Helmut und Hannelore Kohl 1990 in Maryland.
Imago/Ron Sachs
George H.W. Bush und seine Frau Barbara bei einem Treffen mit Helmut und Hannelore Kohl 1990 in Maryland.

Als Bush, Sohn der "Geldaristokratie" Neuenglands, im Januar 1989 ins Weiße Haus einzog, ahnte niemand, dass die politische Weltordnung bald aus den Fugen geraten sollte. Zwar war Bush zuvor acht Jahre lang Vizepräsident unter Ronald Reagan gewesen, dem Mann, der 1987 den sowjetischen Parteichef vor dem Brandenburger Tor aufrief: "Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" Doch niemand rechnete damit, dass sich die Ereignisse derart überstürzen würden.

Außenpolitik war seine Leidenschaft

Schon am Tag nach dem Mauerfall im November 1989 führten Bush und Bundeskanzler Kohl ein Telefongespräch. "Alles Gute und viel Glück", wünschte der Amerikaner. Ein kluger Schachzug des in Sachen Außenpolitik und Diplomatie gewandten Bushs war es auch, darauf zu verzichten, persönlich in Siegerpose in Berlin aufzutreten. Bewusst vermied Washington damals alles, was Moskau hätte provozieren können – auch das war wichtig für den Gang der Dinge.

Entschlossen setzte sich Bush damals ans Werk, redete Gorbatschow bei einem legendären Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta ins Gewissen. Bei Margaret Thatcher und François Mitterrand, den beiden Deutschland-Skeptikern aus London und Paris, musste er geradezu Seelenmassage betreiben – sie waren beide gegen ein geeintes Deutschland.

Außenpolitik war die heimliche Domäne Bushs. Als US-Botschafter bei den Vereinten Nationen und in Peking, später als Chef des Geheimdienstes CIA, vor allem aber als langjähriger Vizepräsident hatte er die Welt kennengelernt.

Sein Traum von einer friedlichen Welt

"Für uns Deutsche war der amerikanische Präsident ein Glücksfall", bekannte Kohl später. Immer wieder berieten die beiden Männer damals über den Gang der Geschichte. Bush bastelte damals bereits an einer "neuen Weltordnung", eine friedliche Welt jenseits der Block-Konfrontation – die allerdings niemals zustande kam.

Die Bush-Familie 1964 in ihrem Zuhause in Houston.
Imago/White House
Die Bush-Familie 1964 in ihrem Zuhause in Houston.

Eine weitere Bewährungsprobe für den ehemaligen Navy-Offizier, der im Zweiten Weltkrieg mit seiner Maschine im Pazifik unter Feuer kam und notwassern musste, war 1990 der irakische Überfall auf das kleine Nachbar-Emirat Kuwait. Bush war zuvor von der US-Öffentlichkeit zeitweise als "Weichling" betrachtet worden. Nun musste er in der strategisch hochsensiblen Ölregion des Nahen Ostens Härte und Führungskraft zeigen. Doch in zähen Verhandlungen gelang Bush das Kunststück, unter Führung der USA eine internationale Streitmacht von weit über einer halben Million Mann zusammenzustellen.

Großer Erfolg: "Operation Wüstensturm"

Die Sensation dabei war, dass mit Syrien, Ägypten und Saudi-Arabien auch arabische Soldaten an der "Operation Wüstensturm" teilnahmen. Bush gelang es sogar, den UN-Segen zu erhalten – ganz im Gegensatz zu Bush junior, der zwölf Jahre später gegen den ausdrücklichen Widerstand vieler Verbündeter und ohne UN-Votum in den Krieg zog.

Der Waffengang des Vaters führte im Januar und Februar 1991 innerhalb von Wochen zum Sieg. Wieder erwies "der Alte" militärische und politische Zurückhaltung. Ganz bewusst verzichtete er darauf, seine Truppen bis nach Bagdad weitermarschieren zu lassen. "Kuwait ist befreit, Iraks Armee ist besiegt, wir haben das Vietnam-Syndrom ein für alle Mal verscheucht", jubelte Bush sen. Ende Februar 1991. Erleichtert, fast wie von einem Fluch befreit fühlten sich die Amerikaner damals.

Für den Augenblick hatte Bush recht: Die USA waren nach dem Zerfall der Sowjetunion die einzig verbliebene Supermacht, Bushs Popularität wuchs in den Himmel – doch längerfristiges politisches Glück brachte ihm das nicht.

Kein Freund von Donald Trump

Im Herbst 1992 unterlag Bush im Präsidentenwahlkampf einem strahlenden, jungen Mann, der noch Monate zuvor eher unbekannt war: Bill Clinton. Der außenpolitische Stratege Bush hatte es nicht geschafft, die lahmende Wirtschaft wieder flott zu kriegen – und wenn es ums Geld geht, sind die US-Wähler unerbittlich. "Selten ist ein amerikanischer Präsident tiefer gefallen als George Bush", meinte ein Kommentator damals.

Der ältere Bush war ein Republikaner der alten Schule – von Donald Trump hielt er offenbar nicht viel. Laut einem Buch des Autoren und Historikers Mark Updegrove hatten weder George H. W. Bush noch Bush Junior eine gute Meinung von Trump. Im Vorwahlkampf mussten sie mitansehen, wie der politische Außenseiter ihren Sohn und Bruder Jeb Bush ein ums andere Mal verspottete. Keiner der beiden Ex-Präsidenten hat laut dem Historiker bei der Wahl im November 2016 für den Kandidaten der Republikaner gestimmt.

Bill Clinton dankbar für jede Minute mit seinem Vorgänger

Im April musste George H. W. Bush Abschied von seiner Frau nehmen. Die beiden waren mehr als 70 Jahre lang verheiratet. Trump fehlte damals bei der Beerdigung. In der ersten Reihe saßen seine Frau, First Lady Melania Trump, Hillary und Bill Clinton sowie das vormalige First Couple Barack und Michelle Obama einträchtig nebeneinander. Ein seltenes Bild.

Fünf Präsidenten auf einem Bild: George Bush sen., Barack Obama, George W. Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter (von links nach rechts).
Imago/Ron Sachs
Fünf Präsidenten auf einem Bild: George Bush sen., Barack Obama, George W. Bush, Bill Clinton und Jimmy Carter (von links nach rechts).

Bill Clinton hat die Freundschaft zu seinem verstorbenen Amtsvorgänger als eines der größten Geschenke seines Lebens bezeichnet. Dafür werde er immer dankbar sein, erklärte Clinton am Samstag. Von dem Moment an, als er Bush als junger Gouverneur getroffen habe, sei er von der Freundlichkeit beeindruckt gewesen, mit der Bush seiner Tochter Chelsea begegnete, von dem ihm eigenen und aufrichtigen Anstand und dessen Zuneigung zu seiner Ehefrau Barbara. Clinton erklärte weiter, er sei für jede Minute dankbar, die er mit Bush verbrachte.

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