Neuer Höchststand bei Migrationshintergrund : Jeder Vierte in Deutschland hat ausländische Wurzeln

Jeder Vierte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Die Hälfte davon besitzt allerdings die deutsche Staatsbürgerschaft.
Jeder Vierte in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Die Hälfte davon besitzt allerdings die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die meisten Deutschen mit Migrationshintergrund stammen aus der Türkei, Polen und Russland.

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21. August 2019, 15:02 Uhr

Wiesbaden | Im Jahr 2018 hatte jede vierte Person in Deutschland einen Migrationshintergrund. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, waren das rund 20,8 Millionen Menschen und damit 2,5 Prozent mehr als 2017. Laut Definition hat eine Person einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.

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Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Menschen mit Migrationshintergrund hatte einen deutschen Pass, 48 Prozent waren Ausländer. Mit 5,5 Millionen besaß demnach etwa die Hälfte der 10,9 Millionen Deutschen mit Migrationshintergrund die deutsche Staatsangehörigkeit seit ihrer Geburt.

Für Daniel Thym, Professor für Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz, sind die Daten wenig überraschend. "Die Zahlen sind seit Jahren hoch und sie werden weiter steigen." Dafür gebe es mindestens zwei Ursachen. Zum einen weil die Bevölkerung mit Migrationshintergrund jünger sei und aufgrund von Geburten weiter wachse: "Selbst wenn jetzt eine Nullzuwanderung hätten, würde der Migrationsanteil zunehmen." Zum anderen könne man auch zukünftig mit weiterer Zuwanderung rechnen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration warnt aber davor, dabei "nur an Kopftuch, Islam und anderes Aussehen" zu denken. "Das ist viel zu einseitig. Einwanderung ist eine sehr vielfältige Sache und auch eine sehr europäische Sache weiterhin." Mehr als 50 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund haben Thym zufolge ihre Wurzeln im europäischen Ausland - und da sei die Türkei nicht einmal eingerechnet.

Rund 13,5 Millionen der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund waren nicht hierzulande geboren, sondern sind im Laufe ihres Lebens zugewandert. Als wichtigstes Migrationsmotiv nannten die Zugewanderten familiäre Gründe (48 Prozent), bei weiteren 19 Prozent war es die Aufnahme beziehungsweise Suche nach einer Beschäftigung in Deutschland.


Bei 15 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund waren den Angaben zufolge Flucht und Asyl das Hauptmotiv. Sie kamen vor allem aus dem Nahen Osten (47 Prozent). Fünf Prozent der Zuwanderer gaben ein Studium oder Aus- und Weiterbildung in Deutschland als Beweggrund für ihren Umzug an. Hier kamen 40 Prozent aus Europa und 38 Prozent aus Asien.

Zuwanderer, die angaben, aus familiären Gründen nach Deutschland gereist zu sein, kamen der Statistik zufolge hauptsächlich aus Europa (72 Prozent). Das traf ebenso auf diejenigen zu, die wegen der Aufnahme beziehungsweise Suche nach einer Beschäftigung nach Deutschland kamen (85 Prozent).
 


Hingegen kamen Zuwanderer, die Flucht und Asyl als Hauptmotiv für die Migration angaben, hauptsächlich aus dem Nahen Osten (47 Prozent). Diejenigen, die für ein Studium oder eine Aus- und Weiterbildung nach Deutschland eingereist sind, kamen zu 40 Prozent aus Europa und zu 38 Prozent aus Asien.

Migrationsstatus Anteil der Gesamtbevölkerung
Bevoelkerung in Privathaushalten insgesamt 100,0 % (81.613.000)
- ohne Migrationshintergrund 74,5 % (60.814.000)
- mit Migrationshintergrund 25,5 % (20.799.000)
- Deutsche 13,3 % (10.892.000)
- zugewandert 6,2 % (5.087.000)
- in Deutschland geboren 7,1 % (5.805.000)
- Auslaenderinnen und Auslaender 12,1 % (9.907.000)
- zugewandert 10,3 % (8.371.000)
- in Deutschland geboren 1,9 % (1.536.000)
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Basis für die Angaben ist der sogenannte Mikrozensus, eine Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. Um aus den erhobenen Daten Aussagen über die Gesamtbevölkerung treffen zu können, werden diese Daten hochgerechnet.

Die Zahlen beziehen sich auf die Bevölkerung in Privathaushalten, nicht auf Gemeinschaftsunterkünfte. Deswegen und weil im Ausländerzentralregister (AZR) ein früher zu hoch erfasster Ausländeranteil weiter als Bestandsbasis diene, habe das AZR zum Jahresende 2018 10,9 Millionen Ausländerinnen und Ausländer erfasst. Der Mikrozensus komme für 2018 auf 9,9 Millionen ausländische Personen in Privathaushalten.

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