Ehe für alle und Asylrecht : Neue Nähe? AfD lobt umstrittene Äußerungen von CDU-Politikern

Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wird von Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD, im Bundestag umarmt. Die Partei sucht offenbar auch die Nähe zur CDU.
Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, wird von Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD, im Bundestag umarmt. Die Partei sucht offenbar auch die Nähe zur CDU.

Die Äußerungen von CDU-Politikern führen offenbar dazu, dass sich die AfD immer mehr in ihrer Politik bestätigt fühlt.

svz.de von
22. November 2018, 19:02 Uhr

Berlin | Erst am Mittwoch hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Wutrede von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel mit nur einem Satz gekontert. Nach einer ausufernden Verteidigungsrede zum Parteispendenskandal, in der die AfD-Politikerin verbal um sich schlug und nahezu jede Partei anging, eröffnete Angela Merkel ihre Rede fast lässig mit den Worten: "Das Schöne an freiheitlichen Debatten ist, dass jeder über das spricht, was er für das Land für wichtig hält." Beifall im Bundestag war die Folge.

Umstrittene Aussagen sorgen für Lob

In den darauffolgenden Tagen jedoch loben AfD-Politiker auffällig oft die Aussagen von CDU-Politikern. So hat die AfD am Donnerstag Bildungsministerin Anja Karliczek in deren skeptischen Aussagen zur sogenannten Ehe für alle bestärkt. Der AfD-Abgeordnete Götz Frömming sagte im Bundestag, die CDU-Politikerin habe es gewagt, Zweifel am Institut der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und am Adoptionsrecht für Homosexuelle zu säen.

"Frau Ministerin, wir finden das sehr mutig, wir dürfen sie zu diesem Mut beglückwünschen."

Götz Frömming, AfD

Karliczek hatte in einem n-tv-Interview gesagt, sie halte die Einführung der Ehe für alle "so wie wir es gemacht haben" für falsch. Sie finde es sinnvoll, wissenschaftlich zu untersuchen, welche Auswirkungen es auf Kinder habe, in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufzuwachsen. Dabei gehe es ihr nicht darum, ob die Kinder glücklich und gut erzogen seien. "Es geht um etwas grundsätzlich anderes", sagte Karliczek. "So lange Kinder diskriminiert werden in Schulen und gemobbt werden, so lange haben wir ein Problem." Sie glaube außerdem, dass Frauen und Männer unterschiedlichen Einfluss auf Kinder hätten. "Wir verschieben eine ganze Gesellschaft und reden da nicht richtig drüber", kritisierte sie.

Heftige Debatte um Merz-Äußerungen

Auch Friedrich Merz, der derzeit um den CDU-Vorsitz und die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel kämpft, erhielt Lob von der AfD. Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hat die Forderung des CDU-Vorsitzkandidaten Friedrich Merz nach einer Debatte über das Grundrecht auf Asyl begrüßt: "Der Vorschlag von Friedrich Merz zur Einschränkung des Asylrechts ist völlig richtig", sagte Gauland der "Welt". Er freue sich, dass Merz damit eine alte Forderung der AfD aufgreife. "Merz kann bei einer Änderung des Asylrechts im Grundgesetz auf die Unterstützung der AfD-Fraktion zählen."

Merz ruderte mittlerweile zurück und stellte klar: "Ich stelle das Grundrecht auf Asyl selbstverständlich nicht in Frage, weil wir Politik aus christlicher Verantwortung und vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte machen“, teilte der Kandidat für den CDU-Vorsitz der Deutschen Presse-Agentur mit. Bis dahin gab es – außer von der AfD – reichlich Gegenwind.

"Hochnotpeinliche" Unkenntnis

Und auch die umstrittenen Äußerungen Karliczeks lösten nicht nur Zustimmung aus. Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring warf Karliczek "hochnotpeinliche" Unkenntnis vor. Es gebe zahllose renommierte Studien, die belegten, dass es Kindern in Regenbogenfamilien gut gehe. "Sie haben mit der Art und Weise, wie Sie sich auf n-tv geäußert haben, diese Familien und diese Lebensentwürfe diskreditiert", sagte er in der Debatte. Man brauche keine Langzeitstudien. "Wenn man das mal überträgt: Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Hätten Sie da dann auch erstmal Langzeitstudien eingefordert, um die Veränderungen für die Gesellschaft einzufangen?", fragte Gehring.

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