Alle Bewerber im Überblick : Das Rennen um die SPD-Spitze ist eröffnet – Wen wünschen Sie sich?

Wird einer von ihnen zukünftig die SPD führen?
Wird einer von ihnen zukünftig die SPD führen?

Nach Boris Pistorius und Petra Köpping sowie Olaf Scholz hat ein weiterer Einzelkandidat seine Bewerbung angekündigt.

svz.de von
20. August 2019, 12:30 Uhr

Berlin | Endspurt im Nominierungsrennen um den SPD-Vorsitz: Auch der bayerische SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Brunner will kandidieren. Der "Augsburger Zeitung" zufolge geht er zunächst ohne weibliche Co-Kandidatin ins Rennen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz will mit der brandenburgischen Landtagsabgeordneten Klara Geywitz ein Führungsduo bilden. Als Duo antreten wollen SPD-Bundesvize Ralf Stegner und Gesine Schwan, Chefin der SPD-Grundwertekommission. Auch Flensburgs Oberbürgermisterin Simone Lange und Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens haben ihre Kandidatur angekündigt.

Als Kandidatenduo für den Parteivorsitz formell nominiert wurden bislang Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann sowie Fraktionsvize Karl Lauterbach und Umweltpolitikerin Nina Scheer und der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping.


Die formale Entscheidung über den künftigen Vorsitz fällt ein Parteitag im Dezember. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis 1. September. Wer die Bewerber bisher sind und für was sie stehen – ein Überblick:

Karl-Heinz Brunner

Karl-Heinz Brunner will mit seiner Kandidatur den SPD-Mitgliedern eine weitere konservative Personaloption bieten. Foto: imago images / Christian Spicker
Karl-Heinz Brunner will mit seiner Kandidatur den SPD-Mitgliedern eine weitere konservative Personaloption bieten. Foto: imago images / Christian Spicker


  • Wer er ist: Der 66-jährige gebürtige Münchner war von 1990 bis 2002 Bürgermeister der Stadt Illertissen. Seit 2013 gehört Brunner dem Bundestag an. Dort ist er unter anderem Mitglied des Verteidigungsausschusses.
  • Sein Profil: Brunner gehört dem konservativen Seeheimer Kreis in der SPD an. Er kritisiert in der "Augsburger Zeitung", das bisherige SPD-Bewerberfeld weise einen "deutlichen Überhang der Groko-Gegner und des linken Parteispektrums" auf. Mit seiner Kandidatur wolle er sicherstellen, dass im Auswahlprozess "die ganze Vielfalt der Partei widergespiegelt wird". Dem Bericht zufolge will Brunner zunächst ohne weibliche Co-Kandidatin ins Rennen gehen. Das von der Partei gewählte Verfahren, dass sich bereits im Vorfeld Bewerberpaare bilden sollen, halte er für "unglücklich".

Boris Pistorius und Petra Köpping

In Leipzig präsentierten sich Petra Köpping und Boris Pistorius als Bewerberduo. Foto: dpa/Peter Endig
In Leipzig präsentierten sich Petra Köpping und Boris Pistorius als Bewerberduo. Foto: dpa/Peter Endig


  • Wer sie sind: Der 59-jährige Pistorius ist seit 2013 Ressortchef in Hannover und gilt als einer der profiliertesten Innenpolitiker der SPD. Zuvor war er Oberbürgermeister in Osnabrück. Die 61 Jahre alte Köpping ist in Dresden seit 2014 Staatsministerin für Gleichstellung und Integration.
  • Ihr Profil: Vor allem Pistorius hebt sich von den bisherigen Bewerbern ab, die überwiegend auf dem linken Flügel der SPD verortet sind. Pistorius ist Sozialdemokrat durch und durch. Er bürstet Themen auch gerne gegen den Strich, etwa mit seinem Vorstoß, kontrolliertes Zünden von Pyrotechnik in Stadien zu erlauben. Oder zuletzt mit seiner beharrlichen Weigerung, Abschiebungen nach Afghanistan auszuweiten. Köpping ist die unbekanntere Kandidatin in diesem Duo. Sie hatte sich bereits vor zwei Monaten dafür ausgesprochen, dass die SPD "eine Person, die den Osten ganz oben in der Parteispitze vertritt" brauche.

Olaf Scholz und Klara Geywitz

Ein weiteres Duo mit Wurzeln in West- und Ostdeutschland: Olaf Scholz und Klara Geywitz. Fotos: dpa/Michael Kappeler/Ralf Hirschberger, Collage: NOZ
Ein weiteres Duo mit Wurzeln in West- und Ostdeutschland: Olaf Scholz und Klara Geywitz. Fotos: dpa/Michael Kappeler/Ralf Hirschberger, Collage: NOZ


  • Wer sie sind: Der 61 Jahre alte gebürtige Osnabrücker ist Bundesfinanzminister und Vizekanzler. Von 2011 bis 2018 war er Erster Bürgermeister von Hamburg. Seit 2009 ist er zudem einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD. Die 43 Jahre alte gebürtige Potsdamerin Klara Geywitz sitzt seit 2004 für die SPD im brandenburgischen Landtag. Von 2013 bis 2017 war sie Generalsekretärin der Brandenburger SPD.
  • Ihr Profil: Scholz gilt als eher konservativ ausgerichtet. Bisher hatte er immer betont, keine Zeit für den Parteivorsitz zu haben. Das scheint er nun anders zu sehen. In einem Interview mit der "FAZ" sagte er, dass die SPD sowohl das Leben der Verkäuferin als auch das der Theaterdirektorin verbessern wollen müsse. Geywitz gilt als Pragmatikerin, die weiß, was sie will. In der auslaufenden Wahlperiode war Geywitz Vorsitzende des wichtigen Landtags-Innenausschusses, in der SPD-Fraktion Sprecherin für Medienpolitik und Religion. Bei ihren Reden im Landtag beweist sie durchaus ironischen Humor: "Es dürfte in Brandenburg ungefähr so viele Burka-Trägerinnen geben wie illegal eingewanderte Elche aus Polen", sagte sie 2016 in einer Debatte über ein Burka-Verbot.

Gesine Schwan und Ralf Stegner

SPD-Bundesvize Ralf Stegnet und Politikprofessorin Gesine Schwan wollen gemeinsam die Partei führen. Foto: imago images / Metodi Popow
SPD-Bundesvize Ralf Stegnet und Politikprofessorin Gesine Schwan wollen gemeinsam die Partei führen. Foto: imago images / Metodi Popow


  • Wer sie sind: Die 76 Jahre alte Wissenschaftlerin Gesine Schwan aus Berlin kandidierte 2004 und 2009 für das Amt des Bundespräsidenten, verlor aber stets gegen CDU-Kandidat Horst Köhler. Der 59 Jahre alte Ralf Stegner war jahrelang Minister und Oppositionsführer in Schleswig-Holstein. Seit fünf Jahren ist er einer der SPD-Vizevorsitzenden.
  • Ihr Profil: Schwan und Stegner werden zum linken Flügel der SPD gezählt. Beide gelten als schnörkellose Redner. Während Stegner als stellvertretender Parteichef eher ein politisches Schwergewicht ist, entspricht Schwan im Vergleich einer Außenseiterin. Die Professorin für Politikwissenschaft half als Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission sie bei der Ausarbeitung der Partei-Grundsatzpapiere. Sie sieht es als Vorteil an, dass sie nicht zu den "typischen Führungspersonen" der SPD gehöre. Ihre Wunsch-Koalition wäre eine aus SPD, Grünen und Linken. Das fordert unter anderem mehr Verteilungsgerechtigkeit und "Klartext-Kommunikation".
  • Ihr Slogan: "Leidenschaftlich – echt sozialdemokratisch."

Simone Lange und Alexander Ahrens

Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen, werben für eine SPD-Führung, die auf Bürgernähe setzt. Foto: dpa/Sebastian Willnow
Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg, und Alexander Ahrens, Oberbürgermeister von Bautzen, werben für eine SPD-Führung, die auf Bürgernähe setzt. Foto: dpa/Sebastian Willnow


  • Wer sie sind: Bereits 2017 kandidierte die Oberbürgermeisterin von Flensburg Simone Lange für den SPD-Vorsitz. Sie erhielt rund 28 Prozent der Stimmen, verlor aber gegen Andrea Nahles. Die 42-Jährige will es jetzt nochmal probieren – mit dem Oberbürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens. Der 53-Jährige habe Lange schon bei ihrer ersten Kandidatur unterstützt, sagte sie im Interview. Seitdem hielten sie Kontakt.
  • Ihr Profil: Die beiden Kommunalpolitiker wollen die SPD von der Basis, aus den Kommunen heraus, erneuern. Als drängendste Themen nennen sie soziale Sicherheit, "menschzentrierte Klimapolitik" und die Stärkung der Demokratie. Ahrens erklärte, wenn er Parteichef wäre, wolle er die Große Koalition verlassen.

Karl Lauterbach und Nina Scheer

Nina Scheer und Karl Lauterbach wollen den SPD-Parteivorsitz übernehmen. Foto: dpa/Wolfgang Kumm
Nina Scheer und Karl Lauterbach wollen den SPD-Parteivorsitz übernehmen. Foto: dpa/Wolfgang Kumm



  • Wer sie sind: Die 47 Jahre alte Umwelt- und Energiepolitikerin Scheer stammt aus Berlin, lebt in Schleswig-Holstien und ist Tochter des langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer. Der 56 Jahre alte Mediziner und Nordrhein-Westfale Lauterbach ist seit 2013 SPD-Fraktionsvize im Bundestag.
  • Ihr Profil: Das Duo will eine "klar linkere SPD" und plädiert für einen Ausstieg aus der Großen Koalition. Es gehe ihnen um eine Politik, die Ungleichheiten vermindere, die natürlichen Lebensgrundlagen schütze und unverwässert sozialdemokratisch sei, sagten sie dem "Spiegel". "Wir stehen als Team für einen sozial-ökologischen Aufbruch."
  • Ihr Slogan: "Sozial. Ökologisch. Klar."

Michael Roth und Christina Kampmann

Christina Kampmann und Michael Roth waren das erste Bewerberduo im Wettstreit um die SPD-Spitze. Foto: imago images / Reiner Zensen
Christina Kampmann und Michael Roth waren das erste Bewerberduo im Wettstreit um die SPD-Spitze. Foto: imago images / Reiner Zensen


  • Wer sie sind: Der 48 Jahre alte Hesse Michael Roth sitzt seit 1998 im Bundestag und ist seit 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Die 38 Jahre alte NRW-Landtagsabgeordnete Christina Kampmann war von 2015 bis 2017 Landesfamilienministerin und nun netzpolitische Sprecherin der SPD-Landesfraktion.
  • Ihr Profil: Die beiden kennen sich seit mehreren Jahren, sie selbst sagen, sie vertrauten einander. Roth bringe sowohl die notwendige Erfahrung wie auch frische Ideen mit, die der SPD und ihren Mitgliedern neues Selbstbewusstsein geben könnten, betonte der hessische Bezirksverband. Das Duo selbst teilte in seinem Bewerbungsschreiben mit: "Wir wollen eine SPD, die mitten im Leben steht und auf der Höhe der Zeit ist". Dazu müsse die SPD beim Thema Klimaschutz "lauter und unbequemer" werden. Außerdem solle künftig mindestens ein Drittel des Parteivorstands aus der Kommunalpolitik kommen. Bei Wahlen solle jeder fünfte Listenplatz Menschen ohne Parteibuch offen stehen.
  • Ihr Slogan: "Mit Herz und Haltung. Gemeinsam den Aufbruch wagen."

Hans Wallow

Ex-Bundestagsmitglied Hans Wallow im Jahr 2000. Der 79-Jährige will SPD-Chef werden. Foto: dpa/Michael Jung
Ex-Bundestagsmitglied Hans Wallow im Jahr 2000. Der 79-Jährige will SPD-Chef werden. Foto: dpa/Michael Jung



  • Wer er ist: Der 79 Jahre alte ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Göttingen lebt in Bonn und stellt sich als Einzelkandidat auf.
  • Sein Profil: Er saß für die SPD Anfang der 80er- und in den 90er-Jahren im Bundestag. Aktuell ist er in der Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt des SPD-Landesverbands Rheinland-Pfalz tätig. Wallow wolle vor allem die Wirtschaftspolitik seiner Partei reformieren, um eine Rezession abzuwenden und mehr soziale Gerechtigkeit zu ermöglichen. "Der Tanker SPD ist im Sturm. Vielleicht sitzt er sogar fest im Treibsand und kann nicht vor und zurück. Notwendig ist, dass einer, wenn man im Sturm ist, die letzte Verantwortung trägt."

Robert Maier

Robert Maier ist der Sohn der langjährigen Bundestagsabgeordneten und Finanzpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Robert Maier ist der Sohn der langjährigen Bundestagsabgeordneten und Finanzpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka


  • Wer er ist: Der 39-jährige Vizepräsident des SPD-Wirtschaftsforums ist Start-Up-Unternehmer aus Berlin.
  • Sein Profil: Politische Schwerpunkte sieht Maier in der Sicherheits- und Migrationspolitik. Er erklärte, alleine anzutreten – die nötige Unterstützung aus der Parteibasis fehlt ihm allerdings noch.

Wer eine Kandidatur ausschließt

Mehrere SPD-Spitzenpolitiker haben dagegen klargemacht, dass sie nicht zur Verfügung stehen – darunter alle drei kommissarischen Parteichefs, die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel.

Als weiterer Hoffnungsträger schloss Lars Klingbeil seine Kandidatur aus. Am Dienstag erklärte der 41-jährige SPD-Generalsekretär in einem Youtube-Video, dass er zwar Gespräche geführt habe, aber keine "passende Konstellation" gefunden habe, "die zu 100 Prozent passt".

Auch Familienministerin Franziska Giffey will nicht für das Amt der SPD-Vorsitzenden kandidieren. In einem Brief an SPD-Interimschefin Malu Dreyer habe sie erklärt, dass sie ihren Ministerposten aufgeben werde, falls die Freie Universität Berlin ihr den Doktortitel aberkennen sollte, wie es in Parteikreisen hieß. Die 41-Jährige wolle nicht zulassen, dass das anhängige Überprüfungsverfahren die personelle Neuaufstellung der SPD überschatte, schrieb sie demnach in dem Brief.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ließ relativ früh wissen, dass er keine Ambitionen auf einen Wechsel nach Berlin habe. Auch wenn sich Arbeitsminister Hubertus Heil den 60-Jährigen in der Position gut vorstellen könnte, wie er im Interview sagte. Heil selbst hatte eine Kandidatur früh ausgeschlossen.

Bewerbungen bis 1. September – dann Mitgliederentscheid

Kandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles haben bis zum 1. September Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen. Wer sich offiziell als SPD-Kandidat für den Parteivorsitz bewerben möchte, muss formal von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband nominiert werden.

Der Vorsitz soll nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag Anfang Dezember besetzt werden. Die kommissarischen Parteichefs hatten ausdrücklich Teams zur Kandidatur ermutigt. Anders als bei anderen Parteien sollen sich die Zweierteams schon vor der Wahl finden und zusammen antreten.

Ab September sollen sich die Kandidaten auf 20 bis 30 Regionalkonferenzen deutschlandweit vorstellen. Danach können die rund 426.000 SPD-Mitglieder per Brief oder online über sie abstimmen. Das Ergebnis soll am 26. Oktober feststehen – wenn es keine Stichwahl geben muss. Den Gewinner will der Vorstand beim Parteitag am 6. bis 8. Dezember zur Wahl vorschlagen.

2019 mehr als 11.000 SPD-Austritte

Die SPD steckt tief im Umfrage-Keller – das wirkt sich immer mehr auch auf die Mitgliederzahlen aus. Seit Jahresbeginn hätten die Sozialdemokraten mehr als 11.000 Mitglieder verloren, berichtete die "Rheinische Post". Auch in den vergangenen Jahren schwankte die Zahl. Zulauf bekamen die Sozialdemokraten vor allem rund um die Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten 2017 und zur Abstimmung über den Koalitionsvertrag im Februar 2018.

(mit dpa, afp)

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