Kommentar : Die AfD ist das Problem der Parteien, nicht ihrer Wähler

Groß Krauscha, Kreis Görlitz, Sachsen: Fast 50 Prozent wählten hier die AfD. Foto: Jan Woitas/dpa
Groß Krauscha, Kreis Görlitz, Sachsen: Fast 50 Prozent wählten hier die AfD. Foto: Jan Woitas/dpa

AfD-Wähler fühlen sich von den bisherigen Parteien (und vielen Medien) nicht repräsentiert. Das ist deren Versäumnis, nicht ihres. Ein Kommentar.

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03. September 2019, 14:06 Uhr

Berlin | Am Tag zwei nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg geht das Ringen um die Deutungshoheit weiter. Haben CDU und SPD gewonnen, indem sie sich an der Macht halten konnten? Hat die AfD gewonnen, deren Wahlergebnis sich fast verdreifachte? Und die extrem stark bei jungen Erstwählern punktete? Nach der Europawahl galt dies als ein Zeichen besonderer Zukunftskraft der Grünen, die in dieser Disziplin am stärksten abschnitten. Gelten die gleichen euphorischen Zuschreibungen nun für die AfD? Sie blieben den meisten wohl im Halse stecken, die Robert Habeck und Annalena Baerbock damals die richtigen Themen und ein gewinnendes Auftreten zusprachen.

Eine Analyse muss tiefer gehen, damals wie heute. Dabei fällt auf, dass die AfD viele Nichtwähler mobilisiert hat. Unter alten Bedingungen wären die Machtverhältnisse daher ähnlich geblieben, wäre der Erfolg der Grünen sogar etwas größer ausgefallen. Die neuen Bedingungen sind aber so, dass eine Masse nicht mehr schweigt, die es offenkundig früher auch schon gegeben hat. Auffällig auch, dass vor allem alte Wähler und damit die vermeintlichen Wende-Verlierer den bisherigen Volksparteien die Treue hielten. Vorsicht also vor Vorurteilen. Die oft geschmähten "alten weißen Männer" haben die AfD bei diesen Wahlen eher klein gehalten als groß gemacht.

Grundsätzlich handelt es sich bei deren Wählern nicht um Demokraten zweiter Klasse. Weder sind sie vermeintlich abgehängter Bodensatz noch dumme Opfer von Demagogen. Bei den Wählern mit dem niedrigsten Bildungsgrad erzielte etwa die SPD die besten Werte.

Man muss die AfD nicht gut finden. In vielerlei Hinsicht sollte man es auch nicht. Aber Klischees helfen nicht weiter, ebenso wenig wie krampfhaft Gründe zu suchen, die ihren Erfolg erklären, ohne dabei auf sich selbst zu blicken. AfD-Wähler fühlen sich von den bisherigen Parteien (und vielen Medien) nicht repräsentiert. Das ist deren Versäumnis, nicht ihres.

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