Fünf Trends zur Einwohnerentwicklung : Deutsche Bevölkerung wächst erstmals auf mehr als 83 Millionen

Die deutsche Bevölkerung wird langfristig schrumpfen, erwarten Statistiker. Momentan gibt es jedoch einen Einwohnerrekord.
Die deutsche Bevölkerung wird langfristig schrumpfen, erwarten Statistiker. Momentan gibt es jedoch einen Einwohnerrekord.

Deutschlands Gesellschaft wird immer älter und schrumpft auf lange Sicht – trotz gegenteiliger Trends aktuell.

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27. Juni 2019, 16:13 Uhr

Berlin | In Deutschland leben erstmals mehr als 83 Millionen Menschen. Zum Jahresende 2018 stieg die Bevölkerungszahl auf 83,02 Millionen und lag damit um 227.000 oder 0,3 Prozent über dem Stand von Ende 2017, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mitteilte. Der Anstieg ist demnach durch Zuwanderung zu erklären, die Zahl der Sterbefälle überstieg dagegen die Zahl der Geburten.

Fünf Trends zur Entwicklung der Einwohnerzahlen:

1. Mehr Sterbefälle als Geburten

Das Bevölkerungswachstum fiel geringer aus als in den beiden Vorjahren, so die Statistiker. Dies lag demnach daran, dass der sogenannte Wanderungsüberschuss geringer ausfiel und gleichzeitig das Geburtendefizit höher war. So wanderten 2018 insgesamt 386.000 mehr Menschen zu als ab, gegenüber 416.000 Menschen im Jahr 2017. Es gab 167.000 mehr Sterbefälle als Geburten, 2017 waren es noch 147.000.

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2. 0,5 Prozent mehr Ausländer

Der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung stieg von 11,7 Prozent im Jahr 2017 auf 12,2 Prozent im vergangenen Jahr. Es lebten zuletzt 72,9 Millionen deutsche und 10,1 Millionen ausländische Staatsbürger in Deutschland, so die Statistiker.

3. Sichtbares Ost-West-Gefälle

Nach Regionen fiel die Bevölkerungsentwicklung zum Teil deutlich unterschiedlich aus. In absoluten Zahlen stieg die Bevölkerung in Bayern mit einem Plus von 79.500 am deutlichsten, gefolgt von Baden-Württemberg (46.100) und Berlin (31.300). In Sachsen-Anhalt mit Minus 14.800, Thüringen (Minus 8100) und im Saarland (Minus 3700) schrumpfte die Bevölkerung dagegen.

Laut Bundesamt ist ein Ost-West-Gefälle sichtbar: Während im früheren Bundesgebiet ohne Berlin die Bevölkerung um 215.300 Menschen wuchs, schrumpfte sie in den neuen Bundesländern ohne Berlin um 19.800.

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4. Regionale Unterschiede verstärken sich bis 2060

Bei einer moderaten Entwicklung von Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Nettozuwanderung wird die Bevölkerungszahl bis 2060 in den westdeutschen Flächenländern um 4 Prozent und in den ostdeutschen Flächenländern um 18 Prozent abnehmen. In den Stadtstaaten wird sie dagegen um 10 Prozent wachsen.

5. Bis zu sechs Millionen weniger Erwerbstätige bis 2035

Die Statistiker veröffentlichten außerdem eine Bevölkerungsvorausberechnung für die kommenden Jahre. Demnach wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland trotz gestiegener Geburtenzahlen und hoher Nettozuwanderung weiter schrumpfen. Bis zum Jahr 2035 werde sich die Zahl der 20- bis 66-Jährigen in Deutschland um vier bis sechs Millionen verringern. Dieser Prozess sei nicht aufzuhalten.

Den Statistikern zufolge befanden sich im Jahr 2018 in Deutschland 51,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter. In weniger als zwanzig Jahren werde sich diese Zahl auf 45,8 bis 47,4 Millionen verringern. Anschließend werde sich die Zahl stabilisieren, um danach abhängig von der Nettozuwanderung bis zum Jahr 2060 auf 40 bis 46 Millionen sinken.

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Die Nettozuwanderung entspricht der Zahl der nach Deutschland gekommenen Migranten abzüglich derjenigen, die das Land wieder verlassen. Den Statistikern zufolge würde sich die Bevölkerung im Erwerbsalter ohne die Nettozuwanderung bereits bis 2035 um rund neun Millionen Menschen verringern.

Nach der Bevölkerungsprognose wird die Gruppe der Älteren ab 67 Jahren weiter stark wachsen. Schon von 1990 bis 2018 sei die Zahl der Älteren um 54 Prozent von 10,5 Millionen auf 15,9 Millionen gestiegen. Bis 2039 werde die Gruppe um weitere fünf bis sechs Millionen auf mindestens 21 Millionen wachsen und danach bis 2060 relativ stabil bleiben.

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