Amtliche Ergebnisse - Grüne: Skandal : Darmbakterien auf jeder zweiten Hähnchenfleisch-Probe nachgewiesen

Auf jeder zweiten Hähnchenfleischprobe habe Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr Darmbakterien entdeckt. Foto: Uwe Anspach/dpa
Auf jeder zweiten Hähnchenfleischprobe habe Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr Darmbakterien entdeckt. Foto: Uwe Anspach/dpa

Amtliche Kontrolleure haben 2018 auf jeder zweiten Hähnchenfleisch-Probe aus dem Supermarkt Darmbakterien des Typs Campylobacter entdeckt. An dem Erreger erkranken in Deutschland jedes Jahr Zehntausende Menschen. Die Bundesregierung ist besorgt, die Geflügelbranche sieht sich indes auf einem guten Weg.

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26. November 2019, 01:22 Uhr

Osnabrück | Heftige Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen – das lösen Campylobacter-Bakterien beim Menschen aus. Mehr als 68.000 Nachweise registrierte das Robert-Koch-Institut für das vergangene Jahr. Die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher liegen. Campylobacter gehört zu den Top-Infektionskrankheiten in Deutschland.

Die Erreger stammen aus dem Darm von Tieren. Diese erkranken nicht selbst, durch ihre Ausscheidungen kann sich der Mensch aber anstecken. Hauptansteckungsquelle sind Lebensmittel. Milch beispielsweise oder aber Fleisch.

Foto: dpa
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Auf 47,8 Prozent der Proben von frischem Hähnchenfleisch wiesen amtliche Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr das Darmbakterium nach. Direkt im Schlachthof waren 46,3 Prozent der Schlachtkörper-Proben positiv.

Wie gelangt Campylobacter vom Darm der Tiere auf das Fleisch? Das Bundeslandwirtschaftsministerium hält fest:

„Eine Verunreinigung von Geflügelfleisch geht häufig auf Mängel in der Schlachthygiene zurück.“

Die hohe Nachweisrate nehme die Regierung „sehr ernst“. Die Anstrengungen gegen Campylobacter müssten „weiterhin intensiviert werden“, heißt es aus dem Ministerium. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich an der Nachweisrate kaum etwas geändert. 2017 entdeckten die Kontrolleure auf 51,8 Prozent der Proben den Erreger.

Chlor würde helfen

Der Zentralverband der Geflügelwirtschaft weist daraufhin, dass Geflügelfleisch als natürliches Lebensmittel „niemals zu 100 Prozent keimfrei sein“ könne. Die deutschen Schlachthöfe täten „alles dafür, ein Auftreten von Campylobacter-Keimen bestmöglich zu minimieren,“ betont eine Verbandssprecherin.

In anderen Ländern gibt es weniger Probleme mit den Erregern. So werden Hähnchen in den USA nach dem Schlachten durch ein Chlorbad gezogen. Das tötet die Bakterien ab. In Deutschland ist das nicht erlaubt.

Einig sind sich ZDG und Bundeslandwirtschaftsministerium in der Gefahrenbewertung. „Wenn Geflügelfleisch, wie üblich, im durcherhitzten Zustand verzehrt wird, besteht keine Gesundheitsgefahr“, schreibt das Ministerium.

Foto: Karmann/dpa
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Hitze tötet die Bakterien. Zudem sollte der Kontakt von frischem Fleisch mit anderen Lebensmitteln vermieden werden.

Grüne sprechen von Skandal

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, bewertet die Lage anders. Das sich die Zahl der keimbelasteten Proben im Jahresvergleich kaum verbessert habe sei ein „Skandal“. Hofreiter: „Trotz der Gesundheitsgefahren vor allem für alte und kranke Menschen oder Kinder legt die Bundesregierung ihre Hand weiterhin schützend über die Fleisch- und Schlachtindustrie.“ Damit müsse Schluss sein, so der Grünen-Politiker. Er forderte:

„Die Bundesregierung muss endlich für mehr Hygiene auf den Schlachthöfen sorgen.“

Die EU-Kommission hat in der Vergangenheit den Druck auf die Fleischwirtschaft erhöht, etwas gegen die Verunreinigungen zu unternehmen. Um Erfolge messen zu können, ist ein sogenanntes Prozesshygienekriterium eingeführt worden. Dabei geht es nicht um die Frage, ob Campylobacter auf dem Fleisch nachgewiesen wird, sondern in welcher Menge.

Der entsprechende Grenzwert wurde im vergangenen Jahr bei einem Viertel der untersuchten Fleischproben überschritten. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das die Daten aus den Bundesländern zusammenträgt, hält fest: „Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, dass in diesem Bereich weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Schlachthygiene zu verbessern.“

Die Geflügelwirtschaft betont dagegen, dass die deutschen Schlachthöfe hier bereits gut aufgestellt seien. Die entsprechende EU-Verordnung sieht vor, dass 2018 40 Prozent der Proben über dem Grenzwert liegen durften. Man übererfülle also die Vorgaben.

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