Britischer Premierminister : Zustand verschlechtert sich: Boris Johnson auf Intensivstation verlegt

Am 28. März führte Boris Johnson aus der häuslichen Quarantäne noch den Vorsitz beim morgendlichen Treffen zum Coronavirus.
Am 28. März führte Boris Johnson aus der häuslichen Quarantäne noch den Vorsitz beim morgendlichen Treffen zum Coronavirus.

Mittlerweile ließ er sich im Krankenhaus untersuchen. Nun verschlechterte sich sein Zustand.

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06. April 2020, 04:09 Uhr

London | Der britische Premierminister Boris Johnson wird wegen seiner Covid-19-Erkrankung jetzt auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses behandelt. Politiker aus aller Welt wünschten ihm noch in der Nacht zum Dienstag eine schnelle Genesung. Johnson habe Außenminister Dominic Raab (46) damit beauftragt, ihn zu vertreten, wo es notwendig sei, teilte eine Regierungssprecherin am Montagabend mit. Über den genauen Zustand des 55-Jährigen informierte Downing Street hingegen nicht.

"Der Premierminister ist in hervorragenden Händen und dankt allen Mitarbeitern des (Gesundheitsdiensts) NHS für ihre harte Arbeit und ihr Engagement", heißt es weiter in der offiziellen Mitteilung. Königin Elizabeth II. (93) wurde über die Lage informiert. Nach Medienberichten ist Johnson bei Bewusstsein.

Polizisten bewachen das St Thomas' Hospital in London, in dem Regierungschef Boris Johnson behandelt wird. Foto: AFP/Tolga AKMEN
Polizisten bewachen das St Thomas' Hospital in London, in dem Regierungschef Boris Johnson behandelt wird. Foto: AFP/Tolga AKMEN


Raabs erste Amtshandlung als Premier-Vertreter wird am Dienstag die Leitung der täglichen Corona-Videokonferenz des "Kriegs-Kabinetts" sein, berichtete die Agentur PA. Bei der Bekämpfung des Virus wolle er sich an die von Johnson vorgegebene Linie halten, hieß es. Raabs Ambitionen, das Land zu regieren, dürfte am Dienstag in Erfüllung gehen, "vorübergehend und nicht unter den Umständen, die er erhofft hat", schrieb PA. Die "Times" bezeichnete Raab als "de facto-Premierminister" seit Montagabend.

Da es keinen festen Stellvertreter für den britischen Premier gibt, entscheidet dieser selbst, wer ihn vertritt.

Tweet aus dem Krankenhaus

Wegen seiner anhaltenden Symptome habe er sich auf Anraten seines Arztes "für einige Routinetests" ins Krankenhaus einweisen lassen, schrieb Johnson am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er stehe weiterhin in Kontakt mit seinem Team, mit dem er an einer Eindämmung der Pandemie arbeite.

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Johnson dankte den "brillanten Mitarbeitern" des britischen Gesundheitssystems, "die sich in dieser schwierigen Zeit um mich und andere kümmern". Johnsons Sprecher hatte kurz zuvor erklärt, der Premierminister weise "anhaltende Symptome" der Lungenkrankheit Covid-19 auf und bleibe "unter Beobachtung".

Downing Street: Einweisung ist "Vorsichtsmaßnahme"

Johnson war vor zehn Tagen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Nach gut einer Woche in Quarantäne wurde der 55-Jährige am Sonntagabend in ein Krankenhaus eingeliefert. Laut einem Bericht der "Times" wird er mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt.

Johnsons Büro hatte die Krankenhauseinweisung als "Vorsichtsmaßnahme" bezeichnet. Wegen der anhaltenden Symptome des Premierministers habe ihm sein Arzt zu weiteren Untersuchungen in einer Klinik geraten, erklärte die Downing Street. Diese Untersuchungen sollen nun am Montag stattfinden.

Johnson hatte seine Infektion am 27. März bekannt gemacht und sich in Selbstisolation in seiner Dienstwohnung zurückgezogen. Noch am Freitag meldete er sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Er fühle sich zwar besser, habe aber weiterhin Fieber. "Dem Ratschlag der Regierung zufolge muss ich meine Selbstisolation weiterführen", sagte der Premier, der angeschlagen wirkte und Gewicht verloren hatte.

Der konservative Politiker gab sich trotzdem optimistisch. Von seiner Dienstwohnung aus hatte er in den vergangenen Tagen weiter gearbeitet und Kabinettssitzungen per Videokonferenz geleitet. Nun sind seine Ärzte wohl eingeschritten. Erwartet wurde, dass vor allem seine Lunge, aber auch Nieren, Leber, Herz und Blut untersucht werden.


US-Präsident Donald Trump wünschte Johnson nach dessen Einlieferung ins Krankenhaus eine rasche Genesung. "Ich bin voller Hoffnung und sicher, dass er in Ordnung sein wird", sagte Trump im Weißen Haus. "Er ist ein starker Mann." Auch der neue Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, und die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon wünschten ihm eine schnelle Genesung.

Johnsons schwangere Verlobte mit Symptomen

Auch Johnsons schwangere Verlobte Carrie Symonds hat eine Woche mit Symptomen der Lungenkrankheit im Bett verbracht. Das teilte die 32 Jahre alte ehemalige Kommunikationschefin der Konservativen Partei am Samstag per Twitter mit. Getestet worden sei sie aber nicht. "Nach sieben Tage Ausruhen fühle ich mich stärker und bin auf dem Weg der Besserung." Johnson und Symonds hatten Ende Februar ihre Verlobung bekanntgegeben. Das Baby soll im Frühsommer auf die Welt kommen.

Johnsons Regierung steht unter starkem Druck: Durch einen Schlingerkurs hat sie im Kampf gegen das neuartige Virus wertvolle Zeit verloren. Im chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdienst NHS gibt es zudem nicht genügend Tests, Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte. Erste Kliniken meldeten britischen Medien zufolge sogar einen Mangel an Sauerstoff für die Beatmung der Lungenkranken.

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In Großbritannien sind mittlerweile mehr als 5000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden wurden bis Montag 5373 Todesfälle registriert. In den vergangenen 24 Stunden seien 439 Patienten gestorben. Damit verzeichnete Großbritannien den zweiten Tag in Folge einen Rückgang bei der Zahl der neuen Corona-Todesfälle. Landesweit haben sich nach Behördenangaben mehr als 51.600 Menschen mit dem Erreger angesteckt.

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