Globaler Wettlauf : Corona-Impfstoff: Wie sich die EU den zügigen Zugriff sichern will

Erst mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus wird das Leben wieder normal, das glauben viele Experten.
Erst mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus wird das Leben wieder normal, das glauben viele Experten.

Die EU-Kommission setzt auf eine Strategie, um raschen Zugriff auf ausreichende Mengen für die EU-Bürger zu sichern.

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11. Juni 2020, 18:33 Uhr

Brüssel/Mainz | Erst mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus wird das Leben wieder normal, das glauben viele Experten. Aber wer kriegt die Mittel, wenn sie denn einmal zur Verfügung stehen?

Im globalen Wettlauf um einen Corona-Impfstoff will sich die EU-Kommission durch Vorverträge raschen Zugriff auf ausreichende Mengen für die EU-Bürger sichern. Das ist Kern einer Impfstoff-Strategie, die EU-Beamte am Donnerstag in Brüssel skizzierten. Zugleich gab die Kommission bekannt, dass die deutsche Firma Biontech für die Impfstoff-Entwicklung bis zu 100 Millionen Euro als Kredit von der Europäische Investitionsbank bekommen soll.

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Die Verfügbarkeit eines Impfstoffs gilt als Schlüssel, die Corona-Pandemie wirklich in den Griff zu bekommen. Die meisten Experten erwarten eine Entwicklungszeit von mindestens zwölf bis 18 Monaten. Schwierig ist nicht nur die rasche Entwicklung, sondern anschließend auch die Produktion des Impfstoffs für Milliarden von Menschen weltweit.


EU will im Voraus zahlen und Verluste hinnehmen

Die EU-Kommission schlägt vor, jetzt Vorverträge mit Pharmafirmen zu schließen und auch bereits Abschlagszahlungen zu leisten und dafür das Recht zum Bezug erfolgreicher Impfstoffe zu erwerben. Das nähme den Herstellern einen Teil des Risikos, denn das ist nach Angaben von EU-Beamten erheblich: Nur 20 bis 40 Prozent der Impfstoff-Kandidaten, die klinisch getestet werden, erreichen Marktreife.

Wenn man erfolgreiche Mittel aber schnellstmöglich haben wolle, müssten schon jetzt Produktionskapazitäten aufgebaut werden – auch ohne Erfolgsgarantie, hieß es. Ein Teil der Investitionen würde verloren gehen.

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Arne Immanuel Bänsch/dpa


Finanziert werden sollen die Impfstoff-Verträge aus einem bereits vorhandenen EU-Topf, dem sogenannten Notfallinstrument mit einem Budget von 2,7 Milliarden Euro. Davon könnte ein erheblicher Teil aufgewendet werden, sagten EU-Beamte. Sie rechnen damit, dass Impfstoffe für 300 Millionen Europäer beschafft werden müssen. Je nachdem, ob ein oder zweimal geimpft werden muss, wären dies 300 bis 600 Millionen Dosen.

Wer wird zuerst geimpft?

Die EU-Staaten könnten trotz der vorgeschlagenen gemeinsamen Beschaffung selbst entscheiden, wer zuerst geimpft werden soll. Die Beamten betonten auch, dass sich die EU trotzdem weiter für eine gerechte globale Verteilung des Impfstoffs einsetzen würde. Es gehe nicht um exklusive Rechte, hieß es.

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Dem Vorhaben müssten die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen, bevor es losgehen kann. Danach müssten Verträge mit Interessenten ausgehandelt werden. Unabhängig davon fördert die EU aber bereits Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, unter anderem mit dem 100-Millionen-Euro-Kredit der Europäischen Investitionsbank für die deutsche Firma Biontech. Das Geld soll die Ausweitung von Produktionskapazitäten finanzieren, um den Impfstoff im Fall einer erfolgreichen Testphase schnell zur Verfügung zu haben.

Deutsches Unternehmen mit Vorreiterrolle

Biontech hat nach Angaben der Brüsseler Behörde als erstes europäisches Unternehmen mit der klinischen Prüfung eines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen. Im April startete die erste klinische Studie in Deutschland, gefolgt von einer weiteren klinischen Studie in den Vereinigten Staaten Anfang Mai. Mit vier parallel getesteten Impfstoffkandidaten gehöre das Programm von Biontech zu den umfangreichsten weltweit.

Das Mainzer Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben aus dem vergangenen Monat für Ende Juni oder Juli erste klinische Daten zu den Impfstoff-Tests.

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