Bleiben Schulen geschlossen? : Corona-Krise: Kanzlerin Angela Merkel sieht "Anlass zu vorsichtiger Hoffnung"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht nach den neuesten Infektionszahlen in der Corona-Krise Hoffnung – appellierte aber auch an die Bürgerinnen und Bürger.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht nach den neuesten Infektionszahlen in der Corona-Krise Hoffnung – appellierte aber auch an die Bürgerinnen und Bürger.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich zu möglichen Lockerungen der Corona-Maßnahmen geäußert.

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09. April 2020, 15:45 Uhr

Berlin | Schönes Wetter, Freizeit – trotzdem sollen die Menschen an Ostern die harten Regeln im Kampf gegen das Coronavirus beachten. Tun sie dies, soll es vorsichtige Schritte zurück in den Alltag geben.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält eine Verschärfung der Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie derzeit nicht für erforderlich. "Die neuesten Entwicklungen der Zahlen geben Anlass zu vorsichtiger Hoffnung", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Der Anstieg der Neuinfizierten-Zahlen "flacht sich langsam ab".

Angela Merkel: Können schnell zerstören, was wir erreicht haben

Die Kanzlerin appellierte aber eindringlich an die Bürger, sich auch über die Osterfeiertage an die bestehenden Auflagen zu halten: "Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen", sagte sie. "Wir dürfen jetzt nicht leichtsinnig sein." Die Lage sei weiter "fragil", und "wir können jetzt schnell zerstören, was wir jetzt erreicht haben".

Ich wäre gerne, wirklich mit Freude und die Erste, die Ihnen sagen würde, es ist alles wie es war und wir könnten wieder loslegen, aber so ist es halt nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin


Über die nächste Phase des Kampfs gegen das Virus wolle sie kommenden Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Länder beraten. Dann soll es auch um die Frage gehen, wie es mit den bislang bis zum 19. April befristeten Maßnahmen weitergeht. Eine Lockerung werde "nur in kleinen Schritten" erfolgen können, sagte Merkel. Und weiter: "Wir müssen immer wieder die Folgen beachten."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: dpa/Markus Schreiber/AP POOL
dpa/Markus Schreiber/AP POOL
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Foto: dpa/Markus Schreiber/AP POOL


Sie halte überhaupt nichts davon, die Jüngeren nun schnell wieder ins normale Leben zurückkehren zu lassen und die Älteren weiter zu isolieren. Das sei "mit der Humanität und mit den Vorstellungen von unserer Gesellschaft" nicht vereinbar. Wir müssen an Ältere und an Jüngere und an Eltern und an Arbeitnehmer und alle gleichermaßen denken."

Schulen und Kitas öffnen: Merkel skeptisch

Bei älteren Menschen ist das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung deutlich größer als bei jüngeren. Deswegen gibt es in der Diskussion über eine schrittweise Rückkehr zur Normalität die Idee, bei den jungen Menschen anzufangen und etwa zuerst Schulen und Kindergärten wieder zu öffnen. Merkel äußerte sich aber skeptisch dazu. Sie halte Schulen und Kindergärten „nicht für den Ort, an dem man nun mit einfachster Maßnahme den Abstand sicherstellen kann, den man noch braucht".

Hören Sie passend dazu eine Folge unseres Podcasts "Coronaland":


Was wird aus dem Sommerurlaub?

In der Diskussion über einen möglichen Ausfall des Sommerurlaubs infolge der Corona-Krise verzichtete die Bundeskanzlerin auf öffentliche Prognosen: "Ich denke jetzt mal tageweise", sagte sie auf eine entsprechende Frage. Sie nehme es sehr ernst, wenn der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler sage, er rede nicht über Entspannung. Möglicherweise bevorstehende Lockerungen der momentan harten Einschränkungen müssten in Spannen von zwei bis drei Wochen immer wieder auf ihre Wirkung überprüft werden.

Eins muss man sagen: Diese Regeln, nicht die Hand geben, Handhygiene, Abstand halten – die werden, solange wir keinen Impfstoff haben und solange wir keine Medikamente haben, aber vor allen Dingen keinen Impfstoff haben, bestehen bleiben. Die werden also unser tägliches Leben kennzeichnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin


An die Bürgerinnen und Bürger gerichtet sagte sie: "Wir haben in den letzten Wochen gemeinsam viel Kraft bewiesen. Jetzt kommt es darauf an, darin nicht nachzulassen – damit meine ich alle ohne Ausnahme." Weiter sagte sie: "Wir können dann das Land gegen das Virus verteidigen und diese schwere Prüfung, die noch eine ganze Weile anhalten wird, bis zum Ende bestehen."

Spahn sieht Ostern als "Weggabelung"

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte das anstehende Osterfest eine "Weggabelung“, die über die Lockerung der strengen Regeln für Bürger und Wirtschaft entscheide: "Bleiben wir auch übers Wochenende konsequent, wird die schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher. Werden wir jetzt nachlässig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verlängerung der Auflagen nötig wird“, sagte Spahn.


Für ein vorsichtiges Vorgehen warb Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): "Es ist auch für die Wirtschaft besser, wenn wir einige Tage länger diszipliniert durchhalten, als wenn wir zu früh beginnen und dann Lockerungsmaßnahmen wieder zurücknehmen müssen", sagte er und sprach von einem "ersten Silberstreif", aus dem aber noch ein verlässlicher Trend werden müsse.

Markus Söder: Will mehr Zusammenhalt im Bund

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plädierte dafür, beim schrittweisen Ausstieg aus den strikten Kontaktsperren regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Allerdings sollte "so viel gemeinsam geschehen wie möglich“, sagte der CSU-Chef der Deutschen Presse-Agentur. "Leider scheren jetzt schon einzelne Länder aus. Wir sollten aber in Deutschland eine Linie behalten.“ Söder warnte erneut davor, dass zu frühe Lockerungen sich später rächen könnten: „Wer aus Ungeduld zu früh und zu viel lockert, riskiert Leben.“

Für ein möglichst einheitliches Vorgehen plädierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Zwar habe man in den Ländern sehr unterschiedliche Situationen – zum Beispiel hinsichtlich der Zahl der Infektionen, sagte der SPD-Politiker im ZDF-„Morgenmagazin“. Dennoch wäre es sehr hilfreich, wenn die Länder "im gleichen Schritt in die gleiche Richtung gehen, dass da keine Verwirrung entsteht“.


Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) sprach sich dafür aus, das öffentliche Leben nach Ostern behutsam in eine "verantwortbare Normalität" zurückzuführen: "Es wird nichts mehr sein wie vorher“, sagte Laschet. "Aber es wird so viel wie möglich von unseren Freiheiten wieder entstehen – in neuer Rücksichtnahme, neuer Verantwortung und in Distanz.“ Die Lockerung der Corona-Auflagen werde „behutsam“ und "nicht mit einem Schlag“ gehen. "Aber dass wir nach Ostern diesen Versuch wagen sollten, davon bin ich überzeugt.“

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