Seit fünf Jahren Proteste : Ausgeartet zum Machtkampf – Die Chronologie der Venezuela-Krise

Er fordert den Präsidenten heraus: Juan Guaido (links) bei seiner Vereidigung zum Chef der Nationalversammlung. Staatschef Nicolas Maduro (rechts) klammert sich trotz Massenprotesten an die Macht.
Er fordert den Präsidenten heraus: Juan Guaido (links) bei seiner Vereidigung zum Chef der Nationalversammlung. Staatschef Nicolas Maduro (rechts) klammert sich trotz Massenprotesten an die Macht.

2013 kam Nicolas Maduro in Venezuela an die Macht. Seitdem gibt es immer wieder Aufstände. Ein Überblick der Ereignisse.

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04. März 2019, 16:08 Uhr

Caracas | In Venezuela herrscht seit Wochen ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Staatschef Nicólas Maduro und dem Parlamentspräsidenten Juan Guaidó, der sich im Januar zum Übergangspräsidenten ausgerufen hat. Proteste gegen Maduro gab es aber schon kurze Zeit nach seinem Amtsantritt 2013.

2013

Venezuelas langjähriger Präsident Hugo Chávez stirbt am 5. März 2013 an einer Krebserkrankung. Sein Stellvertreter Nicolás Maduro rückt ins Präsidentenamt auf, bei der Wahl im April siegt er knapp.

Nicolas Maduro (mit Schärpe) bei der Vereidigung 2013 nach dem Tod von Hugo Chavez (Bild rechts gerahmt). Foto: dpa/EFE/Miguel Gutierrez
dpa/EFE/Miguel Gutierrez
Nicolas Maduro (mit Schärpe) bei der Vereidigung 2013 nach dem Tod von Hugo Chavez (Bild rechts gerahmt). Foto: dpa/EFE/Miguel Gutierrez

2014

Drei Monate lang kommt es zu regierungskritischen Massenprotesten. Die Sicherheitskräfte schlagen sie nieder, 43 Menschen werden getötet. Oppositionsführer Leopoldo López wird zu 14 Jahren Haft verurteilt.

2015

Im März verhängen die USA Wirtschaftssanktionen gegen Vertreter der venezolanischen Regierung wegen Verstößen gegen die Menschenrechte. Maduro erhält vom Parlament weitere Vollmachten, um per Dekret zu regieren. Die Parlamentswahl im Dezember 2015 endet mit einer empfindlichen Niederlage für Maduro: Die Opposition gewinnt die Mehrheit.

2017

Im April beginnt eine neue Protestwelle. In vier Monaten werden 125 Menschen getötet. Maduro entmachtet im Mai das von der Opposition kontrollierte Parlament: Er lässt eine "verfassunggebende Versammlung" wählen, in der seine Anhänger die Mehrheit stellen. Die Versammlung eignet sich Befugnisse des Parlaments an und entlässt die prominente Maduro-kritische Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, die einst Chávez-Anhängerin war.

Demonstranten halten 2017 Kreuze in die Höhe mit den Namen der Menschen, die seit Beginn der Massenproteste ums Leben kamen. Innerhalb 100 Tagen starben 90 Menschen bei Auseinandersetzungen auf den Straßen. Foto: dpa/ZUMA Wire/Juan Carlos Hernandez
Demonstranten halten 2017 Kreuze in die Höhe mit den Namen der Menschen, die seit Beginn der Massenproteste ums Leben kamen. Innerhalb 100 Tagen starben 90 Menschen bei Auseinandersetzungen auf den Straßen. Foto: dpa/ZUMA Wire/Juan Carlos Hernandez

2018

Am 20. Mai 2018 lässt sich Maduro für eine weitere Amtszeit wiederwählen. Die Opposition boykottiert die Abstimmung, die von vielen Ländern nicht anerkannt wird. Im August entgeht Maduro nach eigenen Angaben einem Mordanschlag mit Drohnen, für den er die Opposition und das Nachbarland Kolumbien verantwortlich macht. Das Oberste Gericht ordnet die Festnahme des im Exil lebenden Oppositionspolitikers Julio Borges an.

2019

Januar

Am 10. Januar wird Maduro für seine zweite Amtszeit vereidigt. Am 21. Januar rebellieren gut zwei dutzend Soldaten gegen Maduro. Sie werden festgenommen. Die Opposition geht auf die Straße. Am 23. Januar erklärt sich der Präsident des entmachteten Parlaments, Juan Guaidó, zum Interimspräsidenten. Die USA erkennen ihn umgehend an. Maduro wirft den USA vor, einen "faschistischen Staatsstreich" anzuzetteln.

Inmitten seiner Anhänger hat sich Juan Guaido zum 'Übergangspräsidenten' ernannt. Foto: imago/Agencia EFE/Leonardo Munoz
Inmitten seiner Anhänger hat sich Juan Guaido zum "Übergangspräsidenten" ernannt. Foto: imago/Agencia EFE/Leonardo Munoz

Am 24. Januar bekräftigen Venezuelas Militär und Russlands Präsident Wladimir Putin ihre Unterstützung für Maduro. Am 28. Januar verhängen die USA Sanktionen gegen Venezuelas staatlichen Ölkonzern PDVSA. Am 29. Januar erlässt Venezuelas Justiz eine Ausreisesperre gegen Guaidó und friert seine Konten ein.

Februar

Am 2. Februar mobilisieren beide Seiten in Großkundgebungen ihre Anhänger. Maduro bietet statt der von Guaidó geforderten Präsidentschaftswahl nur eine vorgezogene Parlamentswahl an. Deutschland und viele andere europäische Staaten erkennen Guaidó daraufhin am 4. Februar offiziell als Übergangspräsidenten an.

Ab dem 7. Februar treffen an der kolumbianischen Grenze Hilfslieferungen ein, die aber vom Militär gestoppt werden. Maduro lehnt die Hilfslieferungen strikt ab und verurteilt sie als Vorwand, um eine US-Invasion vorzubereiten. Am 12. Februar kündigt Guaidó an, die Hilfslieferungen am 23. Februar ins Land bringen zu wollen. Caracas blockiert daraufhin den Seeweg zur Karibikinsel Curaçao und schließt die Grenze zu Brasilien.

Maduro ließ auch die Grenze zu Kolumbien schließen. Demonstranten und Polizisten lieferten sich heftige Auseinandersetzungen. Die Polizei zündete Lkw mit Hilfslieferungen für Venezuela an. Foto: AFP/Federico Parra
Maduro ließ auch die Grenze zu Kolumbien schließen. Demonstranten und Polizisten lieferten sich heftige Auseinandersetzungen. Die Polizei zündete Lkw mit Hilfslieferungen für Venezuela an. Foto: AFP/Federico Parra

Am 22. Februar reist Guaidó trotz des Ausreiseverbots nach Kolumbien und besucht ein Benefizkonzert an der Grenze. Venezuela schließt Teile der Grenze zu Kolumbien. Bei dem Versuch, die Hilfsgüter über die Grenze zu bringen, werden zwei Menschen getötet und mehr als 300 weitere verletzt.

Weiterlesen: "Kranker Tyrann" Maduro – Das Volk leidet, der Präsident tanzt Salsa

Am 25. Februar kommt Guaidó in Kolumbien mit US-Vizepräsident Mike Pence zusammen, in den folgenden Tagen besucht er auch Brasilien, Paraguay, Argentinien und Ecuador.

März

Guaidó kündigt für den 4. März seine Rückkehr nach Venezuela und neue Massenproteste an. Er warnt Maduro davor, ihn wie angedroht festnehmen zu lassen. Auch Länder wie die USA, die ein militärisches Vorgehen nicht ausgeschlossen haben, drohen in einem solchen Fall mit ernsten Konsequenzen.

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