Notstand in Tijuana : Migranten stürmen US-Grenze – Mexiko will Zaunkletterer abschieben

Migranten in Tijuana erklimmen eine Uferböschung entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze.
Migranten in Tijuana erklimmen eine Uferböschung entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

Aus einer Migranten-Demonstration lösen sich Hunderte Menschen und versuchen, über die Grenze in die USA zu gelangen.

von
25. November 2018, 21:48 Uhr

Tijuana | Mehrere hundert mittelamerikanische Migranten haben in der mexikanischen Grenzstadt Tijuana versucht, illegal die Grenze zu den USA zu überqueren. Eine Gruppe von fast 500 Menschen hätte am Sonntag (Ortszeit) versucht, am Grenzübergang El Chaparral im Norden Mexikos in die Vereinigten Staaten zu gelangen, teilte das Innenministerium des lateinamerikanischen Staats mit. Die Migranten, deren Identität festgestellt werden könne, müssten umgehend Mexiko verlassen, so das Ministerium. Die genaue Zahl war zunächst unklar.

Migranten ohne Papiere unterwegs

Mexiko darf theoretisch alle Migranten, die sich ohne Einreiseerlaubnis im Land befinden, abschieben. Der Großteil der sogenannten Migranten-Karawane hatte die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala ohne die nötigen Papiere überquert. Nach Angaben des Innenministeriums sind rund 8200 Menschen aus Mittelamerika derzeit in Mexiko unterwegs.

Rund 7400 von ihnen befanden sich zuletzt in Mexicali und Tijuana. In Tijuana werden in einer Sportanlage derzeit mehr als 4700 Migranten beherbergt. Sie stammen größtenteils aus Honduras, El Salvador und Guatemala und hoffen auf Asyl in den USA. Sie sind auf der Flucht vor Gewalt und Armut in ihren Heimatländern. In Tijuana ist mittlerweile ein "humanitärer Notstand" ausgerufen worden.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

In der Grenzstadt kletterten Dutzende Menschen auf einen Blechwall, der noch auf mexikanischem Gebiet vor der US-Grenzmauer stand. US-Sicherheitskräfte schossen Tränengas auf die mexikanische Seite. Die US-Behörden schlossen die Grenzübergänge El Chaparral und San Ysidro, US-Hubschrauber überflogen die Grenze. Die Übergänge wurden wenige Stunden später wieder geöffnet.

US-Bevölkerung vor illegalen Einwanderern schützen

US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen verurteilte Versuche scharf, die US-Grenze unerlaubt zu übertreten und kündigte konsequente Gegenwehr an. Ihr Ministerium werde solche Formen von Gesetzlosigkeit nicht tolerieren und nicht zögern, Grenzübergänge aus Sicherheitsgründen zu schließen, schrieb Nielsen auf Twitter. Jeder, der US-Eigentum zerstöre, Grenzbeamte in Gefahr bringe oder die Staatshoheit der USA verletze, werde strafrechtlich verfolgt. Die US-Behörden seien an der Grenze zu Mexiko robust aufgestellt.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Nielsen erklärte, die Grenzschutzbehörde sei gezwungen gewesen, den Übergang zu schließen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

US-Präsident Donald Trump warnte vor dem Zwischenfall in San Ysidro am Sonntag über Twitter: "Es wäre sehr klug, wenn Mexiko die Karawanen (der Migranten) weit vor der Südgrenze (der USA) stoppen würde." Das harsche Zurückdrängen der Migranten löste auch in den USA Kritik aus. An der Grenze mit Tränengas gegen unbewaffnete Familien vorzugehen, sei ein "neuer Tiefpunkt", schrieb etwa Hawaiis demokratischer Senator Brian Schatz auf Twitter.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Menschenrechtler bezweifeln Bedrohung durch Migranten

Die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International kritisierte, es falle schwer zu glauben, "dass ein paar tausend Menschen aus den ärmsten Regionen der Welt, die ein besseres Leben suchen, eine Bedrohung für die USA darstellen sollen". Medico-Lateinamerikareferent Moritz Krawinkel, der die Karawane jüngst selbst begleitet hatte, berichtete: "Solange das Recht der Menschen auf ein menschenwürdiges Leben in ihren Ländern nicht gewährleistet ist, solange werden sie ihr Recht in Anspruch nehmen, dorthin zu gehen, wo sie sich ein Überleben erhoffen."

In Baja California kam Mexikos künftiger Präsident Andrés Manuel López Obrador mit einem Übergangsteam seines Kabinetts zusammen, um über die Situation an der Grenze zu beraten. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge hatte sich seine künftige Regierung mit den USA darauf geeinigt, wie mit Asylbewerbern an der US-Grenze umgegangen werden solle. Demnach sollten die Asylbewerber an der Grenze warten, bis US-Gerichte ihre Fälle geprüft hätten. Mexikos designierte Innenministerin Olga Sánchez Cordero bestritt allerdings, dass es bereits eine solche Abmachung mit den USA gebe. Die neue Regierung beginne ihre Amtszeit erst am 1. Dezember, sagte sie der Zeitung "Excelsior".

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen