Kommentar : CDU und SPD: Zwei Frauen, ein Problem

Zwei Frauen, ein Problem: Die Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, links) und Andrea Nahles (SPD), hier auf einer Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Foto: imago images / IPON
Zwei Frauen, ein Problem: Die Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU, links) und Andrea Nahles (SPD), hier auf einer Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Foto: imago images / IPON

Vor gar nicht langer Zeit fanden Debatten in sozialen Netzen in einer Blase statt. Diese haben sie verlassen. Was dort hochkocht, gibt die Realität nicht wieder, sondern, viel folgenreicher: Es wird zu ihr, kommentiert unser Autor aus Anlass der Lage von CDU und SPD.

von
31. Mai 2019, 17:45 Uhr

Osnabrück | Zwei Frauen, ein Problem. Und keine wird es lösen können. Denn es geht nicht um sie. Es ist auch nicht gerecht. Schon griechische Philosophen beschrieben die Erkenntnis, dass in der Staatskunst nicht die Tatsachen den Ausschlag geben, sondern was die Leute davon halten. Hierin liegt der Grund, dass sowohl Andrea Nahles als auch Annegret Kramp-Karrenbauer scheitern dürften, die eine früher, die andere später.

Amtsmalus statt -bonus

Regierungshandeln konkret gestalten zu können, früher Amtsbonus genannt, ist zum Malus geworden. Nicht wegen der Taten, wie gesagt. Sie sind egal, wenn es nicht mehr gelingt, die Meinung über das eigene Handeln in einem Zuge mit zu prägen.

Früher ging das. Heute nicht mehr. Damit die „richtige“ Meinung entsteht, hilft keine Pressekonferenz mehr. Es braucht auch keine Bundestagsdebatte. Man muss es bedauern, aber Hand aufs Herz: Wer würde merken, wenn sie entfielen? Meinung wird derzeit auf Twitter gemacht. Dort treffen sich Politik, Medien und andere Multiplikatoren. Dort entstehen und verstärken sich die Trends, die später in „Tagesschau“ und in die Talkshows schwappen und bei Facebook geteilt werden. Rezo war dort Thema, Tage bevor er später die Masse erreichte. Vor gar nicht langer Zeit fanden die Debatten dort in einer Blase statt. Diese haben sie verlassen. Was in sozialen Netzen hochkocht, gibt die Realität nicht wieder, sondern, viel folgenreicher: Es wird zu ihr.

Austauschbare Vehikel

Wer in der CDU immer noch denkt, eine Hand am Hebel der Macht verschaffe Einfluss genug, der irrt. Rezo und die Reaktion auf die falsch platzierte Frage nach der Art des digitalen Diskurses haben den Beweis geliefert. Immerhin, AKK hat es erkannt und will sich nun mit „Asymmetrischem Wahlkampf“ befassen. Das ist der richtige Ansatz, denn parteitaktisch geht es nicht um Klimapolitik. Auch nicht um junge Wähler. Beide Themen sind wichtig, aber eben auch austauschbare Figuren, Vehikel bei dem Ziel, Einfluss zu erlangen oder zu verlieren. Die alten Wähler sind viel mehr, andere Techniken wie Wasserstoff können sinnvoller sein? Egal, es geht um die Inszenierung, um das Bild in den Köpfen.

CDU und SPD schaffen derzeit die falschen Bilder. Beispiel gefällig? Stellen Sie sich vor, wie Andrea Nahles Martin Schulz als ihrem Nachfolger die Hand schüttelt. Wen interessiert da noch, was sie dazu sagt?

Folgen Sie unserem Autoren gerne bei Twitter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen