Grüne fordern Prämie pro Schaf : Bundesregierung: Immer weniger Wanderschäfer in Deutschland

Ein Schäfer mit Hund und Herde. Foto: imago images / Horst Rudel
Ein Schäfer mit Hund und Herde. Foto: imago images / Horst Rudel

In Deutschland sind immer weniger Wanderschäfer mit ihren Herden unterwegs. Die Bundesregierung geht in einer Antwort auf Anfrage der Grünen davon aus, dass die Zahl seit 1999 um 70 Prozent zurückgegangen ist. Der Branchenverband bestätigt die Einschätzung.

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25. September 2019, 02:22 Uhr

Osnabrück | Demnach gab es im Jahr 2016 vermutlich weniger als 100 Wanderschäfer, die dieser besonderen Form der Schafhaltung nachgingen: Sie ziehen mit ihren Tieren oft über große Strecken von Weide zu Weide. 1999 sind es mutmaßlich noch mehr als 300 Wanderschäfer gewesen.

Exakte Zahlen hat das Bundeslandwirtschaftsministerium nach eigener Aussage nicht. Wanderschäfer würden nicht gesondert von anderen Schafhaltern statistisch erfasst. Man könne nur schätzen. Der Bundesverband der Berufsschäfer teilt diese Einschätzung aber.

Wissenschaftlich belegt ist, wie wichtig Weidetierhaltung allgemein für die Umwelt ist. Egal, ob die Schäfer nun mit ihren Herden auf Wanderschaft gehen oder ortsgebunden sind. Nicht nur habe die Weidetierhaltung jene Landschaften wie die Lüneburger Heide, schwäbische Alm oder Moore im Nordwesten geprägt wie hier im Emsland:

Foto: Manfred Fickers
Foto: Manfred Fickers


Diese spezielle Form der Bewirtschaftung von Flächen sei auch sehr wichtig für die Artenvielfalt. Staatssekretär Michael Stübgen schreibt, es lebten etwa 500 Pflanzenarten auf diesen Flächen, „das entspricht 15 Prozent unserer Flora“. Sie seien auf die Beweidung angewiesen und zum Teil handele es sich um die letzten Rückzugsorte für akut vom Aussterben bedrohte Arten. Ohne Beweidung drohe solchen Flächen eine „Verbuschung“.

Günther Czerkus, Vorsitzender des Bundesverbandes der Berufsschäfer, sagt: „Eigentlich bräuchten wir schon lange ein Rettungspaket.“ Wirtschaftlich ginge es vielen Schäfern sehr schlecht – egal, ob sie sich nun auf Wanderschaft mit ihre Tieren begeben oder örtlich gebunden seien.

24.900 Euro Jahreseinkommen

Auch die Bundesregierung schreibt, dass das Jahreseinkommen von Schäfern mit 24.900 Euro deutlich unter dem Agrar-Durchschnitt von 37.600 Euro liegt. Czerkus betont aber auch: „Wir wollen nichts geschenkt, sondern nur auskömmliche Entlohnung für unsere gesellschaftlichen Leistungen.“

Unterstützung kommt von den Grünen. Steffi Lemke, naturschutzpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, betont: „Schafe, Ziegen und Rinder leisten unersetzliches für den Erhalt der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft.“

Gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Friedrich Ostendorff fordert sie daher eine bundesweite Weidetierpämie. 30 Euro pro Muttertier schwebt den Grünen vor. Ostendorff sagt, eine solche Prämie sei notwendig, „weil die Schäferei nicht nur Tiere, Natur und Klima schützt, sondern auch eine wunderschöne Form der Landwirtschaft darstellt.“

Foto: Jana Henschen
Jana Henschen
Foto: Jana Henschen


Verbandschef Czerkus sagt: „Inzwischen drängt die Zeit.“ Die Bundesregierung müsse jetzt handeln, „um die Schäferei noch zu retten.“ In der Antwort auf die Grünen-Anfrage listet das Agrarministerium eine ganze Reihe von Fördermaßnahmen auf, darunter auch das „Bundesprogramm Wolf“. Wer mit seinen Schafen durch Wolfsgebiete zieht, kann eine einmalige Prämie von 36 Euro pro Tier beantragen. 1,05 Millionen Euro hat die Bundesregierung nach eigener Auskunft dafür zur Verfügung gestellt.

Ob die Rückkehr des Wolfes indes in Zusammenhang steht mit der starken Abnahme der Wanderschäfer, weiß das Agrarministerium nicht. Dazu gebe es keine „statistisch gesicherten Informationen“. Bekannt sei, dass einige Hobbyhaltungen wegen des Wolfs aufgegeben worden seien. Vielmehr geht die Bundesregierung von „vielfältigen gesamtwirtschaftlichen und sektoralen Ursachen aus“.

Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert
Klaus-Dietmar Gabbert
Foto: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert


Eine davon ist laut Czerkus aus, dass mit dem Fleisch der Schafe und Lämmer schwer Geld zu verdienen ist. Der Markt in Deutschland wird von Importen bestimmt. Laut Bundesregierung stammen zwei Drittel des hierzulande verkauften Schafsfleisches aus Neuseeland. Ein weiteres Problem speziell für Wanderschäfer ist die Veränderung der Landschaft. Straßen und Bahntrassen erschweren die Zugänglichkeit zu Weiden.

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