Grünen-Politiker : Boris Palmer empört sich über Bahn-Werbung – und steht nun selbst in der Kritik

Boris Palmer (links) und die von ihm kritisierte Bahn-Werbung.
Boris Palmer (links) und die von ihm kritisierte Bahn-Werbung.

Boris Palmer befürchtet eine Diskriminierung des weißen Mannes und schlägt Alarm. Das nervt nicht nur seine Partei.

svz.de von
23. April 2019, 19:39 Uhr

Berlin | "Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein": Mit diesen Worten hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Dienstag einen Facebookpost begonnen. Und der Grünen-Politiker sollte recht behalten. Nur wenige Stunden später regt sich nicht nur im Internet, sondern auch aus seiner eigenen Partei Widerstand gegenüber dem streitbaren Politiker.

Was war geschehen? Die Deutsche Bahn zeigt auf ihrer Internetseite Bilder von Reisenden mit unterschiedlichen Hautfarben, unter anderem den dunkelhäutigen Sterne-Koch Nelson Müller und die türkisch-stämmige Moderatorin Nazan Eckes. Mit dieser Auswahl war Palmer offensichtlich nicht zufrieden. "Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die 'Deutsche Bahn' die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat", schrieb Palmer am Dienstag auf Facebook. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?"

 

"Herr Palmer hat offenbar zum wiederholten Male Probleme mit einer offenen und bunten Gesellschaft", sagte ein Sprecher der Bahn gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Solch eine Haltung lehnen wir ab." Müller, Eckes und der frühere Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, die auch auf Plakaten und in Werbespots der Bahn zu sehen sind, stünden "für besondere Talente, die viele Menschen begeistern".
 

"Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer!"

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, lobte die Kampagne demonstrativ: "Die Bahn ist für alle da, und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich", sagte er der dpa. "Es zeigt die gesellschaftliche Realität."

Viele Grüne zeigten sich genervt von dem Oberbürgermeister der schwäbischen Universitätsstadt, der unter anderem mit Aussagen zur Asylpolitik seine Partei immer wieder reizt. Der Tübinger Landtagsabgeordnete der Grünen in Baden-Württemberg, Daniel Lede Abal, wies Palmers Äußerung als "einfach völlig daneben" zurück: "Wenn er als Oberbürgermeister mit so einer Stadtgesellschaft nicht zurechtkommt, sollte er sich jetzt überlegen, ob er Oberbürgermeister bleiben kann." Der nordrhein-westfälische Grüne Ali Bas forderte auf Twitter: "Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer!"

Diskriminierung des alten weißen Mannes

Auf Anfrage der dpa erläuterte Palmer am Dienstag seinen Standpunkt. "Menschen, die so aussehen, als hätten sie keinen Migrationshintergrund, sind bei den Bildern in der Minderheit", sagte er. "Ich würde eine Auswahl an Bildern, die unsere Gesellschaft abbildet, für logischer halten." Wer eine andere Auswahl treffe, könne dafür gute Gründe haben. "Aber die erkenne ich bisher nicht." Er frage sich, welche Strategie hinter der Bilderauswahl der Bahn stecke.

Auch auf seiner Facebookseite reagierte Palmer erneut und versucht sich zu erklären: "Wenn die Bilder nicht im Zusammenhang mit einer Kampagne stehen (...) frage ich mich einfach, warum Menschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund auf der Seite der Deutschen Bahn nur noch als Minderheit dargestellt werden." Er erkenne eine Diskriminierung des alten weißen Mannes in der Bahn-Werbung.

Im Internet wurden seine Anmerkungen bereits umgesetzt.


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