Weltbildungsbericht 2019 : Bildung von Flüchtlingen: Unesco fordert mehr Anstrengung von Deutschland

Flüchtlingskinder in einer Übergangsklasse an einer Schule in Bayern: 'Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt', fordert die Unesco. Foto: Daniel Karmann/dpa
Flüchtlingskinder in einer Übergangsklasse an einer Schule in Bayern: "Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt", fordert die Unesco. Foto: Daniel Karmann/dpa

Flüchtlingskinder sollen verstärkt zusammen mit Einheimischen in die Schule gehen, fordert die Unesco.

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20. November 2018, 17:07 Uhr

Berlin | Die UN-Kulturorganisation Unesco hat eine weltweit stärkere Integration von Flüchtlingskindern in nationale Regelschulsysteme gefordert. "Bildung muss inklusiv sein", sagte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des Weltbildungsberichts 2019.

Laut Unesco schaffen die meisten Regierungen angesichts von Krisen spezielle Bildungsangebote für Flüchtlinge und damit Parallelsysteme. Auch der Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel, betonte, Kitas oder Schulen seien "Orte der Integration".

Auch im deutschen Bildungssystem sehen die Autoren dahingehend Verbesserungsbedarf. In Deutschland besuchten im vergangenen Jahr laut des Berichts 30 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen unter 16 Jahren und fast 85 Prozent derer über 16 Jahren Sonderklassen. "Das gemeinsame Lernen aller muss die nächste Aufgabe sein, der sich das Land stellt", erklärten die Autoren.

24.000 zusätzliche Lehrer in Deutschland gefordert

Nach Meinung mehrerer Redner bei der Präsentation des Berichtes muss vor allem die Lehrerausbildung in den Zufluchtsländern verbessert werden. Sie müsse sich neben der Digitalisierung an der Heterogenität der Schüler ausrichten, sagte Rachel. Auch die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, forderte, "interkulturelle Kompetenzen" fest in der Ausbildung zu verankern. Laut des Berichts bräuchte Deutschland 24.000 zusätzliche Lehrer und 18.000 weitere pädagogische Fachkräfte für die Bildung der Flüchtlinge.

Für Deutschland gab es aber auch Lob: Das Land habe bei der Integration von Flüchtlingen in das Bildungswesen insgesamt bereits viel erreicht, erklärte Böhmer. Konkret nannte sie eine umfangreiche Sprachförderung und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse für den Arbeitsmarkt, bei der Deutschland weltweit herausrage. Fehlende Qualifikationen seien für viele trotzdem ein Hindernis. Vor allem junge Frauen hätten Schwierigkeiten, in der deutschen Arbeitswelt Fuß zu fassen.

Niedrige Einschulungsraten von Flüchtlingen

Flüchtlingskinder haben generell in vielen Ländern nur wenig Chancen auf gute Bildung, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt die Einschulungsraten von Flüchtlingen weltweit auf 61 Prozent an Grundschulen und 23 Prozent an Sekundarschulen. Rund vier Millionen Flüchtlinge im Alter zwischen 5 und 17 Jahren besuchten demnach im Jahr 2017 überhaupt keine Schule. Im Vergleich zu einheimischen sei es für Flüchtlingskinder fünfmal so wahrscheinlich, nicht zur Schule zu gehen, sagte der beigeordnete Flüchtlingskommissar für Schutzfragen beim UNHCR, Volker Türk.

Beim Bildungszugang spielt auch die Bleibeperspektive eine Rolle, meinte Susanna Krüger von "Save the Children": Kinder mit schlechter Bleibeperspektive hätten Schwierigkeiten, Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu bekommen, sagte sie.

Höchste Flüchtlingszahlen seit Zweitem Weltkrieg

Laut Unesco ist die Zahl der Menschen auf der Flucht "auf dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs". Von den 19,9 Millionen Flüchtlingen, die derzeit unter dem Schutz des UNHCR stehen, sind mehr als die Hälfte jünger als 18 Jahre.

Deutschland werde seinen Beitrag für den eigens für Bildung in Krisen und Konflikten eingerichteten Fonds "Education Cannot Wait" fast verdoppeln und damit auf 31 Millionen Euro erhöhen, kündigte der Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Martin Jäger, an.

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