Kehrseiten des Massentourismus : Bezahlbarer Wohnraum ist auf den ostfriesischen Inseln knapp

Auf Norderney ist eine Satzung gegen Zweckentfremdung von Wohnraum geplant.
Auf Norderney ist eine Satzung gegen Zweckentfremdung von Wohnraum geplant.

Im Sommer tobt der Massentourismus auf den ostfriesischen Inseln, außerhalb der Ferienzeiten stehen die Quartiere leer.

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06. Oktober 2019, 11:19 Uhr

Norderney | Die Wohnungssituation auf den ostfriesischen Inseln bleibt weiter angespannt. Bezahlbarer Wohnraum ist in den kleinen Ortschaften von Wangerooge bis Borkum seit Jahren Mangelware. Bei saftigen Immobilienpreisen haben neue Bewohner kaum Chancen auf die eigenen vier Wände. Und auch die Mietpreise liegen auf den Urlaubsinseln auf hohem Niveau. Viele Inselbewohner können derartige Summen nicht bezahlen. Ein Grund für den knappen Wohnraum ist die Umwandlung von Dauerwohnraum in Zweit- oder Ferienwohnraum. Die Stadt Norderney will Ende Oktober eine neue Satzung auf den Weg bringen, um derartige Zweckentfremdung zu verhindern.

Kehrseite des Massentourismus

Hauptwirtschaftsfaktor auf den Inseln ist der Tourismus. Der setzt aber neben Gästebetten auch bezahlbaren Wohnraum für Arbeitskräfte voraus. Die Kehrseite des Massentourismus sind jedoch horrende Mieten von bis zu 18 Euro pro Quadratmeter und absurde Immobilienpreise.

Nach einer neuen Kaufpreis-Analyse des Portals immowelt.de liegen die teuersten Immobilien der beliebtesten deutschen Ferienregionen an der Nordsee. Spitzenreiter bei den Quadratmeterpreisen sind dort Sylt (8880 Euro) und Norderney (8530 Euro). Das Staatsbad ist als anerkannter Luftkurort eines der beliebtesten Reiseziele an der Nordsee.

Mit mehr als 1,5 Millionen Gästeübernachtungen hat Norderney beispielsweise fast dreimal so viel Gäste wie das benachbarte Juist. Dort ist es mit einem Quadratmeterpreis von 7540 Euro merklich preiswerter. Dahinter rangieren Langeoog (7290 Euro) und Wangerooge (6230 Euro).

Kein Wohnraum für Einheimische

Im Kampf gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum hatte Lüneburg im Juni als erste Stadt in Niedersachsen eine spezielle Satzung beschlossen. Damit soll die dauerhafte Umwandlung von Wohnungen in Ferienappartements verhindert werden. Ähnlich will Ende Oktober auch der Rat der Stadt Norderney mit einer Zweckentfremdungssatzung vorgehen. "Norderney wurde schon vor Jahren zum Gebiet mit gefährdetem Wohnraumbedarf erklärt", sagte Bürgermeister Frank Ulrichs (SPD). Einheimische hätten es zunehmend schwer, angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu finden.

Auch andere Inseln suchen nach Lösungen. "Die Wohnraumsituation ist grundsätzlich unverändert angespannt", sagte Bürgermeister Matthias Piszczan (CDU) auf Spiekeroog. Dort wird über einen neuen Bebauungsplan und eine Erhaltungssatzung geregelt, dass ein Abriss von bestehendem Dauer-Wohnraum ohne Ersatz nicht möglich ist. Auch Umbauten werden nur genehmigt, wenn vorhandener Dauerwohnraum erhalten bleibt.

Immerhin hat Spiekeroog in diesem Jahr 16 Wohnungen fertig gestellt und vermietet, 2020 kommen noch 15 Wohnungen eines privaten Investors hinzu. "Selbst diese 31 Wohnungen sind aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Piszczan. Die Gewerbetreibenden seien daher aufgefordert, selbst für die Unterkünfte ihrer Mitarbeiter zu sorgen.

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