"Prüffall" für Beobachtung : Bericht: Verfassungsschutz nimmt Moscheeverband Ditib ins Visier

Die Zentralmoschee der Ditib in Köln. Der Verband ist im Visier des Inlandgeheimdienstes.
Die Zentralmoschee der Ditib in Köln. Der Verband ist im Visier des Inlandgeheimdienstes.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz prüft offenbar eine Beobachtung der Zentrale der Türkisch-Islamischen Union Ditib.

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20. September 2018, 19:52 Uhr

Köln | Der Verfassungsschutz prüft Medienberichten zufolge die Beobachtung der Zentrale des Moscheeverbandes Ditib. "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR zufolge sandte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ein als vertraulich eingestuftes Dossier mit Informationen über die Ditib an die Länder. Diese sollen demnach nun bis Mitte Oktober Material und eine Stellungnahme übermitteln.

Der Rechercheverbund berichtete, in Kreisen des Verfassungsschutzes werde eine kontroverse Debatte darüber erwartet, ob Ditib offiziell als Verdachtsfall oder sogar als Beobachtungsobjekt eingestuft werden sollte. Zumindest einige Länder scheinen dem Bericht zufolge dagegen Vorbehalte zu haben. Im November soll bei einer Bund-Länder-Sitzung über eine mögliche Beobachtung des Verbandes diskutiert werden, heißt es.

Das Bundesamt äußerte sich auf Anfrage nicht konkret zu einer Prüfung des türkischen Moscheeverbandes. In einer Mitteilung hieß es: "Im Zusammenhang mit aktuellen Geschehnissen (insbesondere mit Blick auf die türkische Militäroperation in Nordsyrien) hat das BfV festgestellt, dass einzelne Ditib-Moscheegemeinden verfassungsfeindliche nationalistisch-religiöse Aktivitäten entwickelten und entsprechende Äußerungen tätigten."

Kinder spielen Krieg

Die Ditib mit Sitz in Köln koordiniert als Dachverband etwa 900 Moscheen in Deutschland und ist Mitglied der deutschen Islamkonferenz. Würde er als Beobachtungsobjekt eingestuft, müsste er jenes Gremium wohl verlassen, so der Medienbericht. Der Verband untersteht der Aufsicht des Präsidiums für Religionsangelegenheiten (Diyanet) in Ankara. Seit dem gescheiterten Putsch in der Türkei im Juli 2016 beobachten deutsche Sicherheitsbehörden einen Kurswechsel bei Ditib. Zuletzt war sie unter anderem in die Kritik geraten, weil Kinder in einigen Ditib-Gemeinden in Uniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielen sollten.

Weiterlesen: Türkischer Staatspräsident Erdogan eröffnet Ditib-Moschee in Köln

Nächste Woche kommt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zu seinem ersten Staatsbesuch nach Deutschland. Der Sprecher der türkischen Botschaft in Berlin, Refik Sogukoglu, sagte der Deutschen Presse-Agentur zuletzt auf Anfrage, es sei möglich, dass Erdogan bei der Eröffnung einer Ditib-Moschee in Köln am 29. September eine kurze Ansprache halten werde.

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