Deutschland-Besuch Ende September : Türkischer Staatspräsident Erdogan eröffnet Ditib-Moschee in Köln

Die Ditib-Moschee in Köln.
Die Ditib-Moschee in Köln.

Erdogan soll eine Zentralmoschee in Köln eröffnen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wird daran nicht teilnehmen.

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19. September 2018, 08:22 Uhr

Köln | Bei seinem umstrittenen Deutschland-Besuch Ende September wird der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auch eine Ditib-Moschee in Köln eröffnen. Das teilte laut übereinstimmender Medienberichte die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) am Dienstagabend mit.

Es gäbe eine offizielle Bestätigung, dass Erdogan zur Neueröffnung der Zentralmoschee kommen werde, hieß es. Eckdaten und Detailplanung für die Zeremonie am 29. September seien noch in Arbeit.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung widersprach am Mittwoch einer Mitteilung wonach auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei der Eröffnungsfeier zugegen sein werde. "Diese Meldung können wir ausdrücklich nicht bestätigen", erklärte NRW-Regierungssprecher Christian Wiermer in Düsseldorf. Der Landesregierung lägen "aktuell überhaupt noch keine detaillierten Informationen über den angekündigten Staatsbesuch des türkischen Staatspräsidenten in Deutschland vor", betonte Wiermer.

Ditib als Dachverband türkischer Moscheegemeinden in Deutschland gilt als verlängerter Arm der Regierung in Ankara. Formal ist Ditib ein unabhängiger Verein, allerdings entsendet in der Regel die türkische Religionsbehörde Diyanet die Imame in die Ditib-Moscheen.

Deniz Yücel wirft Bundesregierung "Verrat vor"

An dem bevorstehenden Deutschland-Besuch des türkischen Präsidenten übte der "Welt"-Journalist Deniz Yücel beim Empfang eines Medienpreises am Dienstag scharfe Kritik. Er warf der Bundesregierung "Verrat" vor. Es scheine, "als würde sich die Bundesregierung anschicken, ein weiteres Mal all jene Menschen in der Türkei zu verraten, die sich nach einer freiheitlichen, demokratischen und säkularen Gesellschaft sehnen", hieß es in einem vorab verbreiteten Redetext zur Ehrung Yücels mit dem Medienpreis M100 Media Award in Potsdam. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier werde einen "Verbrecher zum Staatsbankett empfangen", der sich "des Menschenraubs schuldig gemacht habe".

Yücel, der für die "Welt" als Türkei-Korrespondent gearbeitet hatte, war bis zu seiner Freilassung im Februar ein Jahr lang in Istanbul inhaftiert. Nach seiner Entlassung reiste er aus. Sein Prozess wegen des Vorwurfs der Terrorpropaganda und Volksverhetzung geht jedoch weiter. Yücel erhielt den M100 Media Award für seine mutige und unbestechliche Arbeit, wie es hieß. Der Preis geht an Persönlichkeiten, die sich für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen.

Erdogan wird am 28. und 29. September zu seinem ersten Staatsbesuch in Berlin erwartet. Dazu gehören ein Empfang mit militärischen Ehren, ein Staatsbankett beim Bundespräsidenten und Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Idee, Erdogan im Rahmen eines groß angelegten Staatsbesuchs anstatt im Rahmen eines reinen Arbeitsbesuchs zu empfangen, wurde von vielen Seiten kritisiert.

Mit Material der dpa

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