Protest im Nachbarland immer radikaler : Bauerndemo in Niederlanden: Hunderte Trecker aus Deutschland?

Bauernprotest - hier in Rostock. Am Mittwoch wollen sich deutsche Landwirte an einer Demo in den Niederlanden beteiligen. Foto: dpa/Stefan Sauer
Bauernprotest - hier in Rostock. Am Mittwoch wollen sich deutsche Landwirte an einer Demo in den Niederlanden beteiligen. Foto: dpa/Stefan Sauer

Deutsche Landwirte wollen am Mittwoch ihre Berufskollegen in den Niederlanden bei einem landesweiten Bauernaufstand unterstützten. Mutmaßlich mehrere Hundert wollen die Grenze mit ihren Traktoren überqueren und sich solidarisch zeigen. Die Proteste in den Niederlanden waren Vorbild für Aktionen in Deutschland, sind aber längst deutlich radikaler.

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16. Dezember 2019, 16:46 Uhr

Osnabrück | So sorgte die Gruppe „Farmers Defence Force“ (FDF) mit Gedankenspielen für Aufsehen, die Lebensmittelversorgung in den Niederlanden kurz vor Weihnachten zu blockieren. Die Dachvereinigung der niederländischen Supermärkte wandte sich mit einem offenen Brief an die Bauernbewegung und rief vorsorglich auch Gerichte an.

FDF hatte vor einigen Wochen allein über soziale Netzwerke und vorbei an den landwirtschaftlichen Lobbyverbänden in den Niederlanden eine Großdemonstration in Den Haag auf die Beine gestellt. Die Aktion galt als Vorbild für den Protest der Landwirte wenige Wochen später in Deutschland.

Foto: dpa/Christian Charisius
Christian Charisius
Foto: dpa/Christian Charisius

Hier wurde die Gruppe „Land schafft Verbindung“ ins Leben gerufen – quasi das deutsche Pendant zu FDF. In Bonn, Hamburg, Berlin und weiteren Städten wurden Aktionen gestartet. Neben Trecker-Sternfahrten zählten dazu auch Mahnfeuer und Info-Veranstaltungen.

Hunderte Trecker aus Deutschland?

Jetzt wollen deutsche Bauern ihre Kollegen in den Niederlanden bei einer Protestaktion am Mittwoch unterstützten. In der Grenzregion in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kursieren Aufrufe, ins Nachbarland zu fahren. In den holländischen Medien ist von Hunderten Treckern die Rede, die aus Deutschland erwartet werden.

Unklar ist indes neben der Zahl der deutschen Teilnehmer noch, wie der Protest in den Niederlanden aussehen soll. Der Plan wird geheim gehalten, berichten Medien im Nachbarland.

Blockaden von Supermärkten oder Lebensmittelverteilzentren seien nicht geplant, bemühte sich FDF klarzustellen. Zuvor hatte Wortführer und Bewegungs-Gründer Mark von den Oever allerdings Parallelen zum sogenannten Hungerwinter vor 75 Jahren in den Niederlanden gezogen.

Vergleich mit Juden-Verfolgung sorgt für Empörung

Damals seien Landwirte die meistgeachteten Menschen im Land gewesen, soll er laut „Volkskrant“ in einer Erklärung bekannt gegeben haben. Er frage sich, ob diese Erinnerungen einmal aufgefrischt werden müsste.

Freitag eckte van den Oever erneut mit einem historischen Vergleich an. Bei einem Auftritt im Parlament der Provinz Noord-Brabant verlas er eine Stellungnahme, in der er die Situation der niederländischen Bauern mit der der Juden unter deutscher Besatzung gleichsetzte.

Van den Oever beklagte, der Berufsstand der Bauern werde durch immer neue Auflagen gezielt verkleinert. Schon vor 75 Jahren habe man sehen können, wozu das Dezimieren einer kleinen Bevölkerungsgruppe führen kann, so van den Oever unter Anspielung auf die Situation der jüdischen Minderheit in den Niederlanden unter deutscher Besatzung. „Ich will euch diesen Spiegel vorhalten, damit ihr nachher nicht sagt: „Wir haben es nicht gewusst“.

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Der Vergleich sorgte landesweit für Empörung. In einer späteren Stellungnahme versuchte sich FDF zu rechtfertigen.

Nicht nur verbal ist der Bauernprotest in den Niederlanden radikaler als in Deutschland. Vor einigen Wochen sorgten Bauern für Aufsehen, die sich gewaltsam Zutritt zu einem Behördensitz in der Provinz Groningen verschafften.

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Von deutscher Seite heißt es im entsprechenden Aufruf für Mittwoch, man stünde ausschließlich für friedlichen Protest. Und: „Bei Anzeichen von Gewalt oder Ähnlichem wird direkt umgekehrt!“

Allerdings gibt es auch unter den deutschen Landwirten einzelne, die radikalere Maßnahmen gutheißen würden. Das zeigen Wortmeldungen in sozialen Netzwerken oder auf Veranstaltungen von "Land schafft Verbindung".

In beiden Ländern sind die Bauern unzufrieden darüber, dass die jeweiligen Regierungen angesichts der Trecker-Demos nicht eingeknickt sind, sondern an Reformvorhaben festhalten. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland sollen Düngevorschriften verschärft werden oder sind bereits verschärft worden.

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