Ehemaliger US-Präsident in Köln : Barack Obama konnte nicht mal mehr Kaffee kochen

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama in der Lanxess Arena in Köln.
Der ehemalige US-Präsident Barack Obama in der Lanxess Arena in Köln.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus musste der ehemalige US-Präsident Barack Obama vieles neu erlernen.

svz.de von
04. April 2019, 23:18 Uhr

Köln | Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2017 hat sich Barack Obama nach eigenen Worten erst einmal ausgeruht. "Michelle und ich haben erstmal sehr lange geschlafen", sagte der US-Politiker am Donnerstag bei einem Auftritt vor 15.000 Zuschauern in der Lanxess-Arena in Köln. Er habe danach auch bestimmte Dinge erstmal wieder lernen müssen.

"Ich musste mir selbst Kaffee machen. Ich wusste gar nicht, wie die Maschine funktioniert." Sein erster selbst gemachter Kaffee habe denn auch sehr schlecht geschmeckt. Außerdem habe er sich im neuen Heim der Familie in Washington etwas Platz erobern müssen, weil sich die anderen Familienmitglieder überall ausgebreitet hätten.

"Männer müssen auch mal schweigen"

Passend dazu rief Obama in Köln zu mehr Unterstützung für Familien auf, um Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu überwinden. "Eltern müssen ihren Töchtern beibringen, sich nicht klein zu machen. Sie müssen sich nicht verstellen", sagte Obama. Den Söhnen solle beigebracht werden, dass sie sich nicht mehr rausnehmen dürften als Mädchen und Frauen.

Polizei-Eskorte für den Konvoi von Barack Obama.
dpa/Oliver Berg
Polizei-Eskorte für den Konvoi von Barack Obama.

Obama forderte, die Regierungen weltweit sollten Familien und Alleinerziehende besser fördern. Er mahnte zudem, dass Frauen sich mehr Gehör verschaffen müssten - "und Männer müssen auch mal schweigen".

Plädoyer für Fakten

Obama hob hervor, dass Entscheidungen und Diskussionen auf der Grundlage von Fakten stattfinden müssten. "Ich bin ein großer Anhänger aufklärerischer Werte wie Fakten, Vernunft, Logik", sagte er. Eine der größten Gefahren für die Demokratie sei, wenn kein Konsens mehr über grundlegende Fakten existiere.

"Eine Demokratie definiert sich darüber, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt, aber sie kann nicht funktionieren, wenn grundlegende Fakten infrage gestellt werden", sagte Obama. Man könne zum Beispiel lange darüber diskutieren, ob der vor ihm stehende Tisch zu hoch oder zu niedrig sei. Aber "wenn Sie zu mir sagen: Nein, das ist ein Baum, dann weiß ich nicht, was ich sagen soll."

Klimawandel "nicht alten Leuten überlassen"

Vor allem junge Leute sieht Obama im Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Es müsse ein entschiedeneres Eintreten gegen den Klimawandel geben, das Engagement junger Menschen sei als äußerst positiv zu bewerten. "Der Klimawandel ist nichts, was in 50 Jahren stattfindet, er geschieht genau jetzt", sagte Obama.

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Es gebe mehr Waldbrände, mehr Hitzeperioden und mehr Überschwemmungen. Den Kampf gegen die Klimaerwärmung könne "man nicht alten Leuten überlassen, auch nicht mir".

Kein Wort über Trump

Die USA waren unter Obamas Nachfolger Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Obama sagte, er wäre mit dem Abkommen auch dann nicht zufrieden, wenn die USA nicht ausgestiegen wären. Die in der Vereinbarung formulierten Ziele seien nicht ambitioniert genug. Im Kampf gegen den Klimawandel gebe es zwar "langsame Fortschritte", sagte Obama. Nötig seien aber "größere Schritte". Fragen zur tagesaktuellen US-Politik an Obama gab es während des Interviews nicht.

So umschiffte er auch das T-Wort so gut es geht. Es gehört zum guten Ton, dass sich ehemalige US-Präsidenten nicht über amtierende US-Präsidenten auslassen, schon gar nicht schlecht. Und deshalb fällt der Name Donald Trump an diesem Abend kein einziges Mal.

Besuch am Freitag in Berlin

Nach seinem Kurzaufenthalt in Köln reist Obama am Freitag weiter nach Berlin, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den früheren US-Präsidenten am Nachmittag zu einem vertraulichen Gespräch im Kanzleramt. empfangen will.

Obama hatte in seiner Amtszeit als US-Präsident (2009 bis 2017) eng mit Merkel zusammengearbeitet. Seit dem Antritt seines Nachfolgers Trump kühlte sich das deutsch-amerikanische Verhältnis deutlich ab. Dies dürfte eines der Themen bei der Begegnung am Freitag sein.

Am Samstag trifft Obama in der Hauptstadt dann mit hunderten jungen Europäern zusammen. Mit seinen jungen Gesprächspartnern will sich der frühere US-Präsident über Führungsverantwortung in einer Gemeinschaft und ziviles Engagement austauschen, wie die Obama Foundation im Vorfeld mitteilte.

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