Kommentar : Autofahren verteufeln, Billigflüge bejubeln? Das geht nicht.

Billigflüge sind der CSU-Landesgruppe im Bundestag ein Dorn im Auge. Auch, weil sie Klima und Natur schädigen. Foto: Edith Geuppert/dpa
Billigflüge sind der CSU-Landesgruppe im Bundestag ein Dorn im Auge. Auch, weil sie Klima und Natur schädigen. Foto: Edith Geuppert/dpa

Klar, Alexander Dobrindt zielt mit seinem Flugpreis-Vorstoß auch taktisch gegen die Grünen. Aber er hat Recht. Es ist absurd, existenzielle Fahrten zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkauf in ländlichen Regionen zu erschweren, Städtereisen per Flieger aber ausnehmen zu wollen.

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30. August 2019, 14:13 Uhr

Schwerin | Es scheint CSU-Politikern wie Alexander Dobrindt eine diebische Freude zu bereiten, die Grünen vor sich her zu treiben. So wie es die CDU mit der SPD gemacht hat, versuchen es die Bayern nun, mit Vorstößen aus dem Kerngebiet der Konkurrenz ihr Profil zu verbreitern und am Nimbus der Grünen als einzig denkbaren Weltenrettern zu kratzen.

Gleichwohl würde es zu kurz greifen, die Sticheleien der CSU auf Taktik zu reduzieren. Zum einen ist der Erhalt einer lebenswerten Umwelt auch wesentliches Element einer konservativen Haltung. Bauern, Förster, Jäger, überhaupt Leute auf dem Land: Sie leben in und mit der Natur und leiden unter Bauwahn, extremen Wetterlagen und Umweltverschmutzung oft direkter als Städter, deren unmittelbare Umgebung von all dem weniger betroffen ist.

Zum anderen setzt die CSU ihre Punkte dort, wo es wehtut, indem sie auch Doppelmoral enttarnt. Es waren ja schon die ersten unterwegs, die meinten, Flüge innerhalb Europas dienten der Völkerverständigung und dürften keineswegs teurer werden. Oder es sei sozial ungerecht, wenn sich nicht mehr jeder das Fliegen nach Gusto leisten könne – weil es eben auch für einen selbst gerne mal schnell nach X oder Y geht.

Überhaupt, gelten diese Argumente für den Autofahrer denn nicht? Oder sogar viel mehr? Es ist absurd, in ländlichen Regionen existenzielle Fahrten zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkauf zu erschweren, Städtereisen per Flieger aber ausnehmen zu wollen.

Interessant ist ja auch die Reaktion der Luftfahrtbranche, die sich für einen Mindestpreis durchaus offen zeigt und eine künstlich angeheizte Nachfrage nach Billigtickets beklagt. Ob der Vorschlag umgesetzt wird? Richtig bleibt der Gedanke allemal.

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