Neue Social-Media-Show der CSU : "Fremdscham pur": Viel Kritik an "CSYou"-Folge – auch von Rezo

Die CSU-Landesgruppe in Berlin hat sich ein Studio für ihre Social-Media-Show 'CSYou' eingerichtet.
Die CSU-Landesgruppe in Berlin hat sich ein Studio für ihre Social-Media-Show "CSYou" eingerichtet.

Es soll nicht die Antwort auf Rezo sein, doch die erste Folge mit dem blondierten Armin polarisiert fast genauso.

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02. September 2019, 17:54 Uhr

Berlin | "Servus und herzlich Willkommen zu 'CSYou'": Die CSU-Fraktion im Bundestag hat ihre eigene Social-Media-Show gestartet. Ein blondierter Moderator kommentiert aus christsozialer Sicht die Tagespolitik. Aufgemotzt und vermeintlich verjüngt wurde das Video mit hektischen Schnitten und einem tiefen Griff in die Effekt-Trickkiste. Das Format sei gelungen, finden CSU-Anhänger – blamabel, meinen Vertreter der übrigen Zielgruppe. Was sagt Youtuber Rezo dazu und was hat es mit vermeintlich verschwundenen Kommentaren auf sich?

Am Samstag ging die erste Folge von "CSYou" online. Moderator Armin Petschner, 30-jähriger Social-Media-Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin, präsentierte in fünf Minuten den "Aufreger der Woche", den "Klartext der Woche" und das "Thema der Woche". Das Video ist überladen mit Soundeffekten, Musik, Zwischenrufen und eingespielten Lachern.

Worum ging es in Folge 1 von CSYou?

"Aufreger der Woche" ist bei CSYou die Fahrt der jungen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg nach New York an Bord einer "Millionen-Yacht". Der Armin empört sich darüber, dass der Segeltörn wegen der nötigen Logistik unter dem Strich keineswegs klimaneutral war. Auch die Grünen-Bundestagsabgeordneten bekommen wegen ihrer Einzelflugreisen und daher schlechten Klimabilanz ihr Fett weg.
In "Klartext" kritisiert Armin die Unteilbar-Demonstration in Dresden am vergangenen Wochenende, weil Deutschlandflaggen dort unerwünscht gewesen seien. Stattdessen habe es "Antifa- und DDR-Symbole" gegeben: "Krasser Fail" laut Armin.
In der Rubrik "Good News der Woche" präsentiert Armin vor einer Betonwand mit Berlin-Silhouette und dem Schriftzug "#CSUliefert" aber auch Positives: Die große Koalition sei "besser als ihr Ruf" und habe laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung schon einen Großteil ihrer Versprechen aus dem Koalitionsvertrag teilweise oder ganz umgesetzt. Allen "Politiknörglern da draußen" empfiehlt Armin daher, doch bei CSYou reinzuschauen.
Schließlich riss er noch das "Thema der Woche" an: freie Fahrt für Soldaten in Uniform. Dabei holte er zum Seitenhieb gegen die Grünen aus: "Wann habt ihr mal was für die Bundeswehr gemacht? Noch nie!"
Sein Schlusswort richtete er an Sachsen und Brandenburg, wo am Sonntag Landtagswahlen waren: "Nicht vergessen, am Sonntag...Tatort schauen. Servus!"


Die Show sei keine direkte Antwort auf die berühmte Parteien-Abrechnung von Youtuber Rezo, hieß es am Samstag. Ein CSU-Landesgruppen-Sprecher erklärte, die Fraktion beschreite mit dieser Art der Kommunikation neue Wege. Die Videos werden intern in der Landesgruppe produziert. Erscheinen soll die Show alle zwei Wochen.

Auf Facebook wurde die erste Folge "CSYou" bis Montag 83.000 Mal aufgerufen, auf Instagram mehr als 7000 Mal und bei Youtube gut 340.000 Mal. 2100 Youtube-Nutzern gefiel das Video, 75.000 drückten auf "Dislike" (Stand Montag, 17 Uhr).


"Ein herrliches Cringe-Fest"

  • "Ein herrliches Cringe-Fest", schreibt eine Twitter-Nutzerin in Anspielung auf das Gefühl des Fremdschämens, das auch andere Nutzer zu teilen scheinen.
  • "Dieses Machwerk ist ja Fremdscham pur. Und wer ist der Typ? Es war noch nie eine gute Idee, fremde Texte als Sprechautomat aufzusagen", schreibt ein Twitternutzer.
  • Martin Sonneborn, EU-Abgeordneter der Satire-Partei Die Partei kommentierte auf Facebook schlicht: "Dieses Video ist nicht von uns."
  • Ein anderer Facebooknutzer schreibt: "Die ständigen Effekte wirken, als wären sie beim Kinderkanal abgeguckt. Bitte zwei Gänge runterschalten."
  • Dagegen loben auch viele Facebook-Nutzer das Video. Einer schreibt: "Sehr angenehm, die CSU wird moderner."


Wie reagiert Armin auf das Feedback?

Nach ersten Reaktionen zum Auftakt der Show erklärte das Gesicht des Formats, Armin Petschner, auf Twitter: "Also ich bin zufrieden." Auf seinem Profilfoto bei Twitter sieht er allerdings ganz anders aus: Hat sich Petschner für das junge "CSYou"-Format extra die Haare blondiert und die Brille abgelegt, wird er gefragt.


Er streitet das ab: "Nein, war an (ein, Anm. d. Red.) Geschenk an mich zu meinem 30. Geburtstag (im Juni, Anm. d. Red.). Wollte ich immer mal machen."



Was sagt Rezo zu "CSYou"?

Im Frühjahr hatte Rezos Video "Die Zerstörung der CDU" im Vorfeld der Europawahl für Schlagzeilen gesorgt. Der Youtuber rief dazu auf, insbesondere wegen der Klimapolitik weder die Union, noch die SPD oder die AfD zu wählen. Das Video wurde millionenfach aufgerufen und brachte die CDU unter Zugzwang. Ein Antwortvideo des 26-jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor wurde nie veröffentlicht, stattdessen eine elfseitige Stellungnahme – was der Partei noch mehr Häme einbrachte.

Armin Petschner warf Rezo auf Twitter damals "perfide" Verkürzungen und Unterstellungen vor. "Sieht so die Zukunft der politischen Debatte (in, Anm. d. Red.) unserem Land aus? Macht mir irgendwie Angst!"


Nun habe der CSU-Youtuber genau das selbst getan, urteilt Rezo. Das Video präsentiere "Scheinargumente" und verzerre und verkürze Wahrheiten bewusst, twitterte Rezo mit Verweis auf die Analyse eines "Vice"-Journalisten. Außerdem wirft er der CSU vor, massenhaft kritische Kommentare gelöscht zu haben.


Löscht die CSU Kommentare auf Youtube?

In der Kommentarspalte unter dem "CSYou"-Video auf Youtube beschweren sich Nutzer, dass ihre Kommentare nicht mehr auffindbar seien. Rezo sieht es als belegt an, dass die CSU Kommentare löschte, weil die frühsten Kommentare von Sonntagmorgen stammen.


Petschner hatte am Samstagabend erklärt, dass die Kommentarfunktion auf Youtube deaktiviert sei. Später löschte er diesen Tweet. Aktuell kann man das Video kommentieren. Beschwerden über verschwundene Kommentare gibt es weiterhin.

Mehrere Youtube-Nutzer verweisen darauf, dass ihre Kommentare einige Stunden später öffentlich sichtbar waren. Somit habe die CSU womöglich eingestellt, dass alle Kommentare von Hand freigegeben werden müssen, um auf der Seite zu erscheinen. Dies erlaubt ihnen das Aussortieren von Hasskommentaren.

Mittlerweile finden sich mehr als 11.000 Kommentare unter dem Video – keiner ist älter als eine Stunde.

Weiterlesen: Söders Klima-Wandlung: Warum der CSU-Chef jetzt auf grüne Themen setzt

(mit afp)

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