Right Livelihood Award : Alternativer Nobelpreis für Greta Thunberg und drei andere "Visionäre"

Greta Thunberg trat eine weltweite Klimaschutzbewegung los und inspirierte viele Jugendliche. Die Schwedin erhält den Alternativen Nobelpreis.
Greta Thunberg trat eine weltweite Klimaschutzbewegung los und inspirierte viele Jugendliche. Die Schwedin erhält den Alternativen Nobelpreis.

Den Alternativen Nobelpreis erhalten oft eher unbekannte Persönlichkeiten – ab und zu aber auch große Namen.

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25. September 2019, 09:06 Uhr

Stockholm | Der Alternative Nobelpreis geht in diesem Jahr unter anderen an die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Mit ihr werden die Menschenrechtskämpferin Aminatu Haidar aus der Westsahara, die chinesische Frauenrechtlerin Guo Jianmei sowie der brasilianische Ureinwohner Davi Kopenawa und seine indigene Vereinigung Hutukara Yanomami geehrt. Das teilte die Right Livelihood Stiftung am Mittwoch in Stockholm mit.


Mit den 40. Right Livelihood Awards ehren wir vier praktische Visionäre, deren Einsatz es Millionen von Menschen ermöglicht, ihre grundlegenden Rechte zu verteidigen und für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu kämpfen. Ole von Uexküll, Stiftungsdirektor


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Die Motive für die Auszeichnung reichen vom Kampf für das Klima und die Artenvielfalt bis zum Einsatz für Gerechtigkeit und die Rechte von Frauen. Aminatu Haidar ist die erste Trägerin des Preises aus der Westsahara überhaupt. Sie kämpft seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit und Selbstbestimmung der Bevölkerung in der Region und eine Unabhängigkeit ihrer Heimat. Dabei lasse sie sich auch nicht von Folter und Gefangenschaft von ihrem unerschütterlichen Weg abbringen, erklärte die Stiftung.

Aminatu Haida ist die erste Trägerin des Preises aus der Westsahara. Foto: dpa/Courtesy of Aminatu Haida
Aminatu Haida ist die erste Trägerin des Preises aus der Westsahara. Foto: dpa/Courtesy of Aminatu Haida


Ebenso beharrlich setze sich die Juristin Guo Jianmei in China für die Stärkung der Frauenrechte ein. Sie habe bereits Tausenden benachteiligten Frauen den Zugang zur Justiz ermöglicht.

Auch Frauenrechtlerin Guo Jianmei wird ausgezeichnet. Foto: dpa/Qianqian Law Firm
Auch Frauenrechtlerin Guo Jianmei wird ausgezeichnet. Foto: dpa/Qianqian Law Firm


Davi Kopenawa und seine Vereinigung Hutukara Yanomami werden für ihren mutigen und entschlossenen Einsatz für Wald und Artenvielfalt im Amazonas sowie die dort lebenden Ureinwohner ausgezeichnet.

Davi Kopenawa ist Schamane und Anführer der Yanomami-Indigenen in Brasilien. Foto: dpa/Fiona Watson/Survival International
Davi Kopenawa ist Schamane und Anführer der Yanomami-Indigenen in Brasilien. Foto: dpa/Fiona Watson/Survival International


Greta Thunberg schließlich – angesichts ihrer Vorbildrolle bei den Klimaprotesten in aller Welt die bekannteste unter den Preisträgern – habe "der politischen Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen weltweit Gehör verschafft".

Die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erhält damit einen weiteren international renommierten Preis. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt
Die 16-jährige schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg erhält damit einen weiteren international renommierten Preis. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt


Die jüngste Attacke von US-Präsident Donald Trump hat die 16-Jährige gekonnt entwaffnet: Trump hatte die sehr emotionale Rede der jungen Klimaaktivistin vor den Vereinten Nationen auf ironische Weise kommentiert. "Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!", schrieb Trump in der Nacht zum Dienstag auf Twitter. Die Schwedin änderte daraufhin ihre Selbstbeschreibung bei Twitter. "Ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut."


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Alternativer Nobelpreis 2019 zum 40. Mal verliehen

Der Right Livelihood Award, der gewöhnlich als Alternativer Nobelpreis bezeichnet wird, wird seit 1980 und damit in diesem Jahr zum 40. Mal verliehen. Der spendenfinanzierte Preis ehrt alljährlich Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden und steht in kritischer Distanz zu den traditionellen Nobelpreisen, deren Preisträger ab dem 7. Oktober in Stockholm und Oslo bekanntgegeben werden. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld in Höhe von jeweils einer Million schwedischen Kronen (93.500 Euro) ist für die Arbeit der Geehrten bestimmt. Darüber hinaus wird den Preisträgern von der Stiftung langfristige Unterstützung für ihr Vorhaben und Hilfe in lebensbedrohlichen Situationen zugesichert.

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Insgesamt hatte sich die internationale Vergabejury 142 Nominierungen aus 59 Ländern angeschaut. Die Auszeichnungen werden am 4. Dezember auf einer feierlichen Zeremonie in Stockholm vergeben. Kopenawa wird den Preis dann bereits zum zweiten Mal in Empfang nehmen – im Jahr 1989 hatte er den Award schon einmal im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Survival International entgegengenommen.

Bei der Feier soll unter anderem Whistleblower Edward Snowden aus Moskau zugeschaltet werden. Er war 2014 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet worden.

Prominente Träger des Alternativen Nobelpreises

Oft fördert die Right Livelihood Stiftung mit dem Alternativen Nobelpreis weniger bekannte Kämpfer für Frieden, Menschenrechte und Umwelt. Einige Male haben seit 1980 aber auch bekannte Gesichter die Auszeichnung erhalten:
Edward Snowden: Der US-Whistleblower bekam den Preis 2014, "weil er mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt" - so die Begründung. Bei der schwedischen Regierung löste das große Aufregung aus. Abholen konnte Snowden, der seit 2013 in Russland im Exil lebt, die Auszeichnung nicht, weil die USA nach ihm fahnden. Bei der diesjährigen Preisverleihung Anfang Dezember in Stockholm soll er aus Moskau zugeschaltet werden.
Denis Mukwede: Ein Jahr vor Snowden erhielt der Arzt Mukwege den Preis für seinen Einsatz für Frauen, die in Kriegszeiten sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen sind. Fünf Jahre später wurde er 2018 schließlich mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Der 64-Jährige gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt.
Astrid Lindgren: Die weltweit wohl berühmteste Schwedin hat den Alternativen Nobelpreis 1994 erhalten. Die Stiftung verlieh der Kinderbuchautorin den nicht dotierten Ehrenpreis für ihren "lebenslangen Kampf für die Rechte von Kindern".
Bianca Jagger: Die frühere Ehefrau des Rolling-Stones-Sängers Mick Jagger bekam den Preis 2004 für ihren Einsatz für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz. Sie habe gezeigt, "wie man Berühmtheit in den Dienst von Ausgebeuteten und Benachteiligten stellt", begründete die Stiftung die Wahl damals.
Vier Deutsche sind seit 1980 unter den Preisträgern gewesen, darunter als erste die Friedensaktivistin und Mitbegründerin der Grünen, Petra Karin Kelly. Zuletzt wurde 1999 der SPD-Politiker Hermann Scheer für sein Engagement für die Erneuerbaren Energien ausgezeichnet.


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