103 Opfer im März : Aktivisten melden niedrigste Zahl getöteter Zivilisten in Syrien seit 2011

Die Weißhelme helfen dabei, ein Feuer zu löschen, das eine Autobombe in Azaz, nördlich von Aleppo entfacht hat.
Die Weißhelme helfen dabei, ein Feuer zu löschen, das eine Autobombe in Azaz, nördlich von Aleppo entfacht hat.

Nach Beginn der Waffenruhe in Idlib starben zuletzt weniger Menschen. Die Pandemie beschäftigt aber auch das Kriegsland.

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01. April 2020, 19:28 Uhr

Damaskus | Im Syrien-Konflikt sind nach Angaben von Aktivisten im März 103 Zivilisten getötet worden, darunter 16 Frauen und neun Kinder. Das ist die niedrigste monatliche Opferzahl seit Beginn des Konflikts vor neun Jahren, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mitteilte. Mehr als die Hälfte starb bei Angriffen der Regierung und seines Verbündeten Russland aus der Luft. Die übrigen seien durch Minen oder ungeklärte Fälle getötet worden.

Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London stützt sich auf ein Netz von Aktivisten vor Ort. Von unabhängiger Seite können ihre Angaben kaum überprüft werden.

Eine Frau zündet eine Kerze an auf einem Grab eines Kämpfers der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in Qamishli im Nordosten Syrien. Foto: AFP/DELIL SOULEIMAN
Eine Frau zündet eine Kerze an auf einem Grab eines Kämpfers der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in Qamishli im Nordosten Syrien. Foto: AFP/DELIL SOULEIMAN


Seit rund vier Wochen gilt Waffenruhe in Idlib

Laut Beobachtungsstelle hatte die Zahl ziviler Todesopfer im Februar mit 275 noch mehr als doppelt so hoch gelegen wie im März. Bis Anfang März hatte es schwere Kämpfe und zahlreiche Luftangriffe im letzten großen Rebellengebiet um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens gegeben. Seit rund vier Wochen gilt dort eine Waffenruhe, auf die sich die Schutzmächte Russland und Türkei geeinigt hatten.

Auch Syrien kämpft gegen die Pandemie: Ein Weißhelm desinfiziert ein früheres Schuldgebäude, in dem aktuell Flüchtlingsfamilien wohnen. Foto: AFP/Muhammad HAJ KADOUR
Auch Syrien kämpft gegen die Pandemie: Ein Weißhelm desinfiziert ein früheres Schuldgebäude, in dem aktuell Flüchtlingsfamilien wohnen. Foto: AFP/Muhammad HAJ KADOUR


Die UNO fordert wegen der Corona-Krise eine landesweite Waffenruhe. Besonders von dem neuartigen Coronavirus bedroht sind die rund 6,5 Millionen syrischen Binnenflüchtlinge. Vor allem die hunderttausenden Zivilisten in Idlib nahe der türkischen Grenze leben unter katastrophalen hygienischen Bedingungen und ohne Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Hilfsorganisationen warnen zudem vor einer Gesundheitskatastrophe in den überfüllten Gefängnissen der syrischen Regierung.

Auf Reinigungsmission: Die Weißhelme sammeln sich vor ihrem Einsatz in der Flüchtlingssiedlung in Idlib (Hintergrund). Foto: AFP/AAREF WATAD
Auf Reinigungsmission: Die Weißhelme sammeln sich vor ihrem Einsatz in der Flüchtlingssiedlung in Idlib (Hintergrund). Foto: AFP/AAREF WATAD


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Neun Jahre nach dem "Arabischen Frühling"

Der Konflikt war im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad ausgebrochen. Die syrische Führung ging damals mit Gewalt gegen die Demonstrationen vor.

In den von Regierungsgegnern kontrollierten Gebieten im Norden und Nordwesten Syriens herrscht ein humanitärer Notstand. Nach UN-Angaben wurden seit Anfang Dezember fast eine Millionen Menschen von der Gewalt und den heranrückenden Regierungstruppen vertrieben. Es fehlt an Nahrung, Unterkünften und medizinischer Versorgung. Beobachter warnen, eine Ausbreitung des Coronavirus könnte dort viele Tote zur Folge haben. Die Regierung hat bisher in den von ihr kontrollierten Gebieten zehn Corona-Infizierungen und zwei Todesfälle gemeldet.

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