Kommentar : Afghanistan: Deutschland muss Verantwortung übernehmen!

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Deutschland schiebt vorerst keine Menschen mehr nach Afghanistan ab.
Deutschland schiebt vorerst keine Menschen mehr nach Afghanistan ab.

Abschiebungsstopp für afghanische Flüchtlinge: Wer aus dem Land kommt, darf nicht zurückgebracht werden. Deutschland sollte aber noch mehr Verantwortung übernehmen. Ein Kommentar.

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11. August 2021, 17:12 Uhr

Berlin | Schon als die Bundesrepublik vor rund 20 Jahren an der Seite der USA in den Krieg in Afghanistan zog, waren die Ziele des Einsatzes umstritten: Ein Land am Hindukusch erobern und nach westlicher Vorstellung unabhängig von regionalen Gepflogenheiten in eine Demokratie umformen? Das hat auch in diesem Fall nicht funktioniert. Während die letzten Truppen abziehen, versinkt Afghanistan wieder in Terror und Menschenfeindlichkeit.

Wer heute noch von terroristischen Gefahren für den Westen spricht und argumentiert, man müsse weiterhin mit allen Mitteln versuchen, Afghanistan zu modernisieren und zu demokratisieren, muss daher im gleichen Atemzug die zentrale Frage beantworten: Wie soll das funktionieren? Viel Geld, militärische Übermacht und eine breite Koalition haben dieses Ziel nicht erreicht. Es ist Zeit, sich damit abzufinden.

Im zweiten Schritt bedarf es allerdings Antworten auf Fragen, die für manche Menschen lebenswichtig sind: Wie umgehen mit dem Erbe aus 20 Jahren Kriegsbeteiligung? Flüchtlinge nicht in ein Bürgerkriegsgebiet zurückzuschicken ist das eine. Aber was ist andererseits mit den vielen afghanischen Mitarbeitern der ausländischen Streitkräfte, auch der Bundeswehr, die nun mit ihren Familien auf der Abschussliste stehen? Berlin sollte sich hier nicht unnötig Zeit lassen: Wer verfolgt wird, dem muss geholfen werden.

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