Bremen und Baden-Württemberg : Abitur-Ärger geht weiter – Prüfungen werden wiederholt

Das Abitur sorgt in diesem Jahr in ganz Deutschland für Wirbel.
Das Abitur sorgt in diesem Jahr in ganz Deutschland für Wirbel.

Nach dem Schüler-Ärger über zu schwere Prüfungen sind nun gleich zwei Pannen beim Abitur bekannt geworden.

svz.de von
16. Mai 2019, 20:28 Uhr

Bremen | Was ist nur mit dem Abitur-Jahrgang 2019 los? Nach Beschwerden über zu schwierige Prüfungen, müssen nun in zwei Bundesländern Teile der Reifeprüfung wiederholt werden – wenn auch aus ganz anderen Gründen.

In Baden-Württemberg ist es in den Abiturprüfungen im Fach Gemeinschaftskunde zu einer Panne gekommen. Das Kultusministerium hat Schülern von etwa 130 Gymnasien kurzfristig angeboten, ihre Prüfungen in dem Fach zu wiederholen. Fünf Prozent der Schüler, die nachschreiben können, wollen nach vorläufigen Angaben davon Gebrauch machen. Zuvor war klar geworden, dass ein in der Prüfung vorkommender Begriff im Unterricht an mehreren Schulen gar nicht behandelt wurde.

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In der Abiturteilaufgabe mussten die Prüflinge die Bedeutung des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses Nato für die Friedenssicherung anhand eines "Kategorienmodells" erklären. Im Bildungsplan des Landes gehört der Begriff Kategorienmodell zum Schwerpunktthema Internationale Beziehungen, einem Teilbereich der Politikwissenschaften. Viele Schüler hatten das Wort aber wohl noch nie gehört. Ein Ministeriumssprecher sagte, dass der Ausdruck möglicherweise nicht so gebräuchlich sei.

Wiederholung auch in Bremen

Nach der Panne schieben sich Lehrer und Ministerium gegenseitig die Schuld zu: Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte dem SWR: "Wir weisen darauf hin, dass es keine Frage ist, ob man Lust hat, das zu unterrichten – man muss es unterrichten." Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Doro Moritz, entgegnete daraufhin, dass das Kultusministerium versuche, die Schuld den eigenen Lehrern zuzuschieben. "Bei der GEW melden sich Lehrkräfte, die übereinstimmend berichten: Die Abi-Aufgabe war falsch formuliert." Das Verhalten des Ministeriums sei eine Frechheit, teilte Moritz mit.

Die Schüler hatten ab Mittwochnachmittag 24 Stunden Zeit, zu entscheiden, ob sie die Prüfung erneut schreiben wollen oder nicht. Die Nachprüfung wird am Freitag stattfinden (17.5).

Auch in Bremen müssen Schüler einen Teil ihrer Prüfung wiederholen: Der Mathe-Leistungskurs am Ökumenischen Gymnasium zu Bremen hatte für seine Abiturklausur eine halbe Stunde weniger Zeit als eigentlich vorgegeben – weil der Lehrer sich verrechnete. Er sammelte die Arbeiten 30 Minuten zu früh ein, nun muss die Prüfung wiederholt werden. "Das darf nicht passieren, aber es kann eben passieren", sagte die Sprecherin des Bildungsressorts, Annette Kemp, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Abitur-Ärger im ganzen Land

Das Abitur sorgt in diesem Jahr in ganz Deutschland für Wirbel. In mehreren Bundesländern hatten sich Schüler über zu schwere Mathe-Prüfungen beschwert. Während in Bayern das Kultusministerium bereits verkündet hat, dass das Mathe-Abi schlechter auszufallen scheint, halten sich die anderen betroffenen Länder noch zurück. Schüler hatten mit Petitionen im Internet auf eine Überprüfung der Klausuren gedrängt.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo betonte, dass sich momentan abzeichnende Verschlechterung noch keinen Anlass biete, in die aktuell laufende Abiturprüfung einzugreifen. Diese sei nach Experteneinschätzung "durchaus ambitioniert, aber machbar" gewesen.

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