Bei Vorstellung des "Masterplans" : 69 Abschiebungen zum 69. Geburtstag – Empörung um Seehofer-Scherz

Die diebische Freude, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte, als er über Abschiebungen sprach, nehmen ihm viele übel. Foto: imago/ZUMA Press/Emmanuele Contini
Die diebische Freude, die Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigte, als er über Abschiebungen sprach, nehmen ihm viele übel.

Der Bundesinnenminister wird für eine beiläufige Bemerkung scharf kritisiert – sowohl im Netz als auch von Kollegen.

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11. Juli 2018, 08:17 Uhr

Berlin | Ein gut gelaunter Horst Seehofer (CSU) hat am Dienstag in Berlin seinen "Masterplan Migration" vorgestellt. Als ein Beispiel für die gestiegene Zahl an Abschiebungen wählte er das Herkunftsland Afghanistan und sagte folgenden Satz, bei dem er feixend grinste, wie im Video der Pressekonferenz zu sehen ist: "Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden."



Abschiebungen extra für Seehofer? Quasi als Geburtstagsgeschenk? Wie redet er denn? – Die Reaktionen im Netz folgten schnell. Ihr Tenor: Der Bundesinnenminister hat sich mit seinem Galgenhumor keinen Gefallen getan. Viele schreiben, er sei als Spitzenpolitiker nicht mehr tragbar. Auch Kollegen im Parlament verurteilten den Satz.

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD) twitterte: "Dass Seehofer seinen 69 Geburtstag mit 69 Abschiebungen nach Afghanistan feiert, wo einige von ihnen wohl der Tod erwartet, zeigt nur wie fertig er mittlerweile ist. Das ist selbst der CSU nicht würdig"



SPD-Abgeordneter Marco Bülow legt Seehofer auf Twitter nahe, seinen Horizont zu erweitern: "Ich wünsche Seehofer zu deinem 69 Geburtstag - Gesundheit und 69 Tage in Afghanistan im Krisengebiet ... ist ja alles sicher dort ..."


Grünen-Abgeordneter im Europaparlament Sven Giegold schrieb auf Twitter: "Der Master des Zynismus! (...) Sowas kann man nur in der CSU als Geburtstagsgeschenk verstehen. Erbärmlich."


Bild-Reporter Paul Ronzheimer twitterte: "So redet man nicht über Menschen. Schon gar nicht als Innenminister."


Seehofers "Masterplan" war schon vor vier Wochen angekündigt gewesen. Der 63-Punkte-Plan für mehr Zwang, Sanktionen und Kontrolle in der deutschen Migrationspolitik ist eigentlich vom Koalitionskompromiss überholt, da die SPD beispielsweise die von der Union geforderten "Transitzentren" abgelehnt hat.

Es sei ein Masterplan des Bundesinnenministeriums, betonte Seehofer am Dienstag vor der Presse. Er wolle an seinen Plänen für ein "neues Grenzregime" mit prompten Zurückweisungen für bereits woanders registrierte Migranten festhalten. Die bilateralen Abkommen, die dafür nötig sind, will Seehofer noch aushandeln. Am Mittwochabend trifft er den italienischen Innenminister Matteo Salvini.

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