43 Wörter zu Mursis Tod : "Von einem Samsung-Gerät gesendet": Moderatorin offenbart Zensur in Ägypten

Immer wieder, wie hier 2016 demonstrierten in Kairo Mursi-Anhänger gegen die El-Sisi-Regierung. Nun starb Mursi unter noch ungeklärten Umständen.
Immer wieder, wie hier 2016 demonstrierten in Kairo Mursi-Anhänger gegen die El-Sisi-Regierung. Nun starb Mursi unter noch ungeklärten Umständen.

Die Todesmeldung des Ex-Präsidenten geht nahezu unter. Das hat System, zeigt der Versprecher einer TV-Moderatorin.

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19. Juni 2019, 17:05 Uhr

Kairo | Eine ägyptische TV-Moderatorin hat mit einem peinlichen Versprecher nach dem Tod des Ex-Präsidenten Mohammed Mursi Einblick in die strikten Zensurmethoden des Landes gewährt. Ihren Bericht zum Tod des früheren Spitzenpolitikers las sie von einem Teleprompter ab – und schloss mit dem Satz: "Von einem Samsung-Gerät gesendet."

Beobachtern zufolge war es ein klarer Hinweis darauf, dass Wortlaut und Details über Berichte zum Tod des 67-Jährigen von höchster Ebene diktiert wurden – verschickt per Smartphone an Redaktionen im Land. Der Text ihrer Moderation glich exakt den Berichten in Tageszeitungen des Landes. Samsung zählt zu den meistgenutzten Herstellern von Smartphones in Ägypten.

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Der Tod Mursis, der seit seinem Sturz im Jahr 2013 inhaftiert war, blieb in ägyptischen Zeitungen nur eine Randnotiz. Im Staatsfernsehen wurde Mursi in Berichten nur namentlich erwähnt – ohne Hinweis auf seine frühere Präsidentschaft. Auf den Titelseiten der großen ägyptischen Tageszeitungen fand das Thema kaum Beachtung. Der unabhängigen Online-Zeitung "Mada Masr" zufolge tauchte meist derselbe, 43 Wörter lange Bericht auf. Nur die private Zeitung "Al-Masry Al-Youm" berichtete über den Tod auf der Titelseite.

Erdogan vermutet gezielte Ermordung

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag mit tausenden Menschen in Istanbul des früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gedacht, der am Montag vor Gericht zusammengebrochen und gestorben war. Erdogan hatte Mursi nach seinem Tod als "Märtyrer" gewürdigt und die "Tyrannen" in Kairo für seinen Tod verantwortlich gemacht.

Mursi war 2012 als erstes frei gewähltes Staatsoberhaupt Ägyptens an die Macht gekommen. Zuvor hatte es beim sogenannten "Arabischen Frühling " monatelang Proteste gegeben. Das folgende Video zeigt die Reaktion der Ägypter auf dem Tahrir-Platz als die Wahl Mursis verkündet wurde:

Ankara hat praktisch alle Beziehungen zu Kairo abgebrochen, nachdem der islamistische Präsident vor sechst Jahren gestürzt und inhaftiert worden war. Erdogan hat dem heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi den Sturz Mursis sowie die gewaltsame Räumung eines Protestcamps der Muslimbrüder in Kairo nie verziehen.

In einer Rede am Dienstag warf Erdogan dem Westen vor, "dem Sturz Mursis durch einen Putsch, seinem Leiden im Gefängnis und seinem Tod" tatenlos zugesehen zu haben. "Ich glaube nicht, dass dies ein normaler Tod war", sagte Erdogan bei der Trauerfeier in der Fatih-Moschee am Nachmittag. Zudem griff er die Führung in Kairo scharf an und verurteilte die "Feiglinge", die Mursi im kleinen Kreis hatten beisetzen lassen.

Mit einer symbolischen Trauerfeier vor der ägyptischen Botschaft in Ankara gedenken mehrere Türken dem gestorbenen Ex-Präsidenten Ägyptens. Foto: AFP/Adem ALTAN
Mit einer symbolischen Trauerfeier vor der ägyptischen Botschaft in Ankara gedenken mehrere Türken dem gestorbenen Ex-Präsidenten Ägyptens. Foto: AFP/Adem ALTAN
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