Massiver Aufmarsch : 3000 Neonazis marschieren durch Berlin

Die Demonstration in Berlin
Die Demonstration in Berlin

Massiver Aufmarsch trifft Behörden unvorbereitet. Auch grölende Demonstranten aus MV angereist.

svz.de von
13. März 2016, 20:00 Uhr

Die Fehleinschätzung des Berliner Senats war fulminant. Wenige hundert rechte bis rechtsextreme Demonstranten erwartete Innensenator Frank Henkel (CDU) am Sonnabend in der Hauptstadt. Durch das Regierungsviertel liefen schließlich annähernd 3000 feixende und grölende Neonazis und Rechtspopulisten – vorbei an der Bundespressekonferenz, dem ARD-Hauptstadtstudio, Bundestagsgebäuden und dem Reichstag bis wenige Meter vor das Brandenburger Tor. Die Mobilisierung der Gegenproteste aus Parteien, Gewerkschaften und Kirchen war in den Tagen zuvor eher gering, auch die Medien hatten spärlich berichtet. Entsprechend wenig Gegendemonstranten versammelten sich, die Polizei zählte nur etwas mehr als tausend. Die sonst üblichen Versuche, die Wegstrecke der Rechten zu blockieren, scheiterten mangels Masse. So bot sich denn zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor ein Bild, das Berlin immer vermeiden wollte. In dem langen Demonstrationszug liefen größere Gruppen deutlich erkennbarer junger Neonazis ganz in schwarz und mit Sonnenbrillen mit. Auf den Jacken und Kapuzenpullovern der Mitglieder der berüchtigten „Kameradschaften“ prangten in Runenschrift Sprüche über „Volk und Ehre“.

Dazwischen marschierten so genannte Reichsbürger, die die Bundesrepublik ablehnen, Hooligans, Pegida-Sympathisanten und auch Rocker. Viele Demonstranten waren aus Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und auch Hamburg nach Berlin gefahren. Die Stimmung im Demonstrationszug schwankte zwischen belustigt und aggressiv: Sprechchöre gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsheime und immer wieder: „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen.“ Den linken Gegendemonstranten hinter den Absperrgittern der Polizei riefen die jungen Männer zwischendurch zu: „Wir kriegen euch“ und „Wir bringen euch um“. Ernste Gewaltausbrüche verhinderte die Polizei, die mit insgesamt 1300 Ordnungshütern im Einsatz war und bei einigen Gruppen von Linksautonomen, die die Absperrungen durchbrechen wollten, Reizgas versprühte. Diesmal zeigte sich besonders die Politik trotz wochenlanger Ankündigung der rechten Demonstration schlecht vorbereitet. Aufrufe des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) zu dem Thema gab es nicht.

Berliner Grüne und Linke hielten Parteitage ab – während die Rechtsextremen ihre Demonstration genau zwischen Reichstag und Brandenburger Tor beendeten. Und der Berliner Verfassungsschutz hatte ebenso wie Innensenator Henkel Teilnehmerzahlen im unteren dreistelligen Bereich erwartet. Verfassungsschutz-Chef Bernd Palenda stand am Sonnabend als unauffälliger Spaziergänger an der Spree und beobachtete die an ihm vorbeilaufenden Demonstranten. Ja, gab er zu, von der Größe des Aufmarsches sei er tatsächlich überrascht. Aus dem Umfeld der Veranstalter hieß es unterdessen, die nächste Demonstration sei bereits in Planung.

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